René Weiler kennt beim 1.FC Nürnberg nur die Sonnenseite des Sports.

MSV Duisburg

Das Lächeln ist zurück

Dirk Retzlaff
10. April 2016, 18:46 Uhr
Foto: Getty Images

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René Weiler kennt beim 1.FC Nürnberg nur die Sonnenseite des Sports.

Der Club war 18 Spiele ohne Niederlage, hatte auch die letzten 18 Heimpartien nicht mehr verloren. Und zuletzt hatte es sechs Siege in Folge gegeben. Kurz vor 16 Uhr brachte es gestern der Club-Trainer mit diesem wunderschönen Satz, der deutlich macht, was das Spiel am Ende des Tages ausmacht, auf den Punkt: „Der Fußball schreibt die verrücktesten Geschichten.“ Die Story an der Noris war komplett schräg: Der MSV gewann 2:1 (1:0) – und ist plötzlich im Kampf um das sportliche Überleben wieder im Geschäft.

Die Konkurrenz aus München und Paderborn hatte am Freitag gepatzt. Eine Steilvorlage. Mal wieder. Doch diesmal ergriff der MSV die Gelegenheit beim Schopf. Es hätten neun Punkte Rückstand auf den TSV 1860 München sein können. Dann wäre die Rettung ähnlich aussichtslos gewesen, wie der Versuch, Regen mit Feuer zu bekämpfen. Doch nun sind es nur noch drei Punkte. Und am Freitag kommen die Münchner Löwen an die Wedau. Dann kann der MSV mit 1860 gleichziehen.

Kevin Wolze hat es schon wieder getan. Wie in Leipzig (2:4), wie in Fürth (1:1). Er brachte den MSV auswärts in Führung. Mit einem abgefälschten 18-Meter-Schuss – Dan-Patrick Poggenberg hatte ihn zuvor bedient – brachte er den MSV in Führung. Schon in der 19.Minute hatte er Pech, als Club-Keeper Patrick Rakovsky seinen Distanzschuss mit den Fingerspitzen zur Ecke abwehren konnte. Doch diesmal versemmelte es der MSV nicht, sondern landete tatsächlich den ersten Auswärtssieg.

Giorgi Chanturia hätte in der 52. Minute aus kurzer Distanz das 0:2 markieren müssen, sein Abschluss war aber zu halbherzig, sodass Rakovsky keine Probleme hatte. Dafür war Steffen Bohl in der 60. Minute in Anschluss an eine Ecke mit dem Treffer zum 2:0 zur Stelle. Doch Nürnberg, das zuvor kaum für Gefahr vor dem Duisburger Tor sorgen konnte, meldete sich zwei Minuten mit dem Anschlusstreffer durch Tim Leibold zurück.

Wolze: „Übertriebene Leidenschaft“

Also mussten die Zebras erneut zittern. Doch die Angst vor einer Wiederholung vergangener Auswärtsenttäuschungen ging laut Steffen Bohl nicht im Team um: „Wir standen sehr gut und haben kaum etwas zugelassen. Ich hatte in der Schlussphase ein gutes Gefühl, dass wir es schaffen würden.

Kevin Wolze – in der „Torjäger“-Liste des MSV nun gemeinsam mit Kingsley Onuegbu und Steffen Bohl mit drei Treffern an der Spitze – sah am Ende den Kampfgeist belohnt: „Wir sind mit übertriebender Leidenschaft zur Sache gegangen.“ Übertriebene Leidenschaft mag im Leben abseits des Fußballs nicht immer helfen, auf dem Platz überschritten die Zebras gestern alle Grenzen. James Holland, im defensiven Mittelfeld überragender Akteur, musste in der Schlussphase immer wieder seine Beine strecken, um gegen die Krämpfe anzugehen.

„Rata“ mit starkem Reflex

Nürnberg bemühte sich nach dem Anschlusstreffer, den Druck auf den MSV zu erhöhen. Doch das gelang dem Aufstiegsaspiranten nur sporadisch. Ein Schuss ans Außennetz und ein Distanzschuss, den MSV-Schlussmann Michael Ratajczak in der Nachspielzeit mit einem starken Reflex entschärfte – mehr konnten die Gastgeber nicht mehr anbieten.
Der MSV agierte mit der nigerianischen Doppelspitze Obinna/Onuegbu. Erstmals kam der portugiesische Wintereinkauf Tomané gar nicht zum Einsatz. Kapitän Branimir Bajic blieb in der Pause in der Kabine. Zum einen war er früh gelbbelastet, zudem steckte ihm eine Bronchitis noch in den Knochen. Für Bajic kam Allzweckwaffe Enis Hajri, der sich nach langer Verletzungspause über seinen ersten Einsatz seit September freuen durfte.

Mit dem Überraschungserfolg in Nürnberg darf der MSV das Wort „Wunder“ nun aus dem Vokabular streichen. Das Erreichen des Relegationsplatzes ist nun plötzlich eine reale Vision. „Die Konkurrenz hatte uns schon abgeschrieben, doch ich habe immer an die Chance geglaubt“, sieht Sportdirektor Ivica Grlic das Resultat in erster Linie als „ein Signal an uns selbst.“ Grlic: „Wir haben schon in den letzten Auswärtsspielen gut gespielt. Endlich haben wir uns belohnt.“
Und Trainer Ilia Gruev, der neun Tage zuvor unter dem Eindruck der Heimpleite gegen Heidenheim sein Lächeln für immer verloren zu haben schien, war nach dem Sieg gestern bester Dinge: „Wer in Nürnberg siegt, kann auch die anderen Großen noch ärgern.“ Der MSV spielt noch in Freiburg und gegen Leipzig.

Autor: Dirk Retzlaff

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