Steffen Bohl gingen die emotionalen Szenen nach dem Heidenheim-Spiel sehr nahe. Nur im Falle des Klassenerhalts besitzt sein Vertrag noch Gültigkeit bis 2017.

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Bohl gingen die Fanreaktionen sehr nahe

Thomas Tartemann
06. April 2016, 07:07 Uhr
Foto: Firo

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Steffen Bohl gingen die emotionalen Szenen nach dem Heidenheim-Spiel sehr nahe. Nur im Falle des Klassenerhalts besitzt sein Vertrag noch Gültigkeit bis 2017.

Die emotionsgeladenen Szenen, die sich bei nach der 0:2-Heimpleite des MSV Duisburg im Zweitligaduell gegen den 1. FC Heidenheim abspielten, waren für Steffen Bohl nicht neu. Wütende Fans, zornige Gesichter, heftige Diskussionen – das alles hat der Allrorunder des MSV schon einmal erlebt.

2008 steckte „Bohli“ mit dem 1. FC Kaiserslautern in einer vergleichbaren Situation. Sechs Spieltage vor Schluss, scheinbar nichts ging mehr. Die Nerven lagen blank rund um den Betzenberg. Die FCK-Profis stellten sich den sauren Anhängern, wurden vor der eigenen Kurve gnadenlos ausgepfiffen und beschimpft. „Die Leute haben einfach ihren ganzen Unmut rausgelassen. Wir hatten damals mehr Punkte als jetzt mit dem MSV, lagen aber acht Punkte hinter dem rettenden Ufer“, erinnert sich Steffen Bohl.

Dass die Emotionen so zum Ausdruck kamen, lag aber meiner Ansicht nach nicht an der Leistung, sondern einfach an der frustrierenden Gesamtsituation
Steffen Bohl

Dann kam die Wende: Die Roten Teufel holten vier Siege und ein Remis im Schlussspurt. Kaiserslautern blieb drin. Kickers Offenbach stieg ab.
Dass ihm dieses Rettungs-Kunststück im Trikot des MSV Duisburg ein zweites Mal gelingt, wäre angesichts des knackigen Restprogramms und der akuten Auswärts-Punkte-Armut der Zebras mehr als ein Fußball-Wunder. „Ich halte es immer noch für möglich“, gibt der 32-Jährige trotz der schier aussichtslosen Lage nicht auf.

Bohl fand nach den Vorkommnissen des Freitagabend „extrem wenig Schlaf“. Erst gegen halb 4 morgens fielen die Augen zu. Die Situation geht selbst an einem gestandenen Profi wie ihm nicht spurlos vorüber. „Natürlich macht man sich Gedanken. Die Reaktionen unserer Fans haben mich selbstverständlich lange beschäftigt. Dass die Emotionen so zum Ausdruck kamen, lag aber meiner Ansicht nach nicht an der Leistung, sondern einfach an der frustrierenden Gesamtsituation.“

Steffen Bohl schiebt nach: „In der Rückrunde hat uns keine Mannschaft an die Wand gespielt. Die ersten fünf, sechs Teams in der 2. Liga sind wirklich richtig stark. Aber man muss ganz klar sagen, dass wir gegen den Rest der Teams einfach zu wenig geholt haben.“ Weder beim schwachen FSV Frankfurt (3:3) noch bei der strauchelnden Braunschweiger Eintracht (1:1) oder bei dezimierten Paderbornern (0:0) landete der MSV lebenswichtige Dreier. Gegen Teams wie den 1. FC Heidenheim, der sein Ziel längst erreicht hat, oder einen mittelmäßigen Karlsruher SC (0:1) setzte es bittere Heimpleiten. „Nach dem zweiten Heidenheimer Treffer konnten wir am Freitag nicht zurückschlagen“, blickt der Abwehrspieler zurück, „es tut einfach weh, erneut keinen Big Point gelandet zu haben.“

Jetzt rennt dem Tabellenletzten die Zeit davon. Von den letzten sechs Partien findet die Hälfte gegen die übermächtigen Top-Drei Nürnberg, Freiburg und Leipzig statt. „Wir hoffen noch, dass wir jetzt auswärts etwas holen, um doch noch eine Chance auf die Rettung zu haben. Wir waren öfter schon mal totgesagt“, blickt Bohl auf die Sonntagsaufgabe beim 1. FC Nürnberg.

Auch für Bohl selbst hätte der Klassenerhalt mit dem MSV Folgen: Im Falle des Zweitliga-Verbleibs besitzt sein Kontrakt noch Gültigkeit bis Juni 2017. Im Abstiegsfall müsste der Allrounder neu sondieren. Da Steffen Bohl solche ungeklärten Fälle schon mehrmals in seiner Karriere erlebt hat, ist er mittlerweile deutlich gelassener geworden. „Ich warte jetzt die nächsten zwei, drei Spiele ab“, sagt der Vizekapitän. Dann wird sich die sportliche Zukunft des MSV Duisburg vermutlich deutlich klarer darstellen. Für die Option, dass alles noch offen ist, könnte Steffen Bohl tatsächlich über die zweite Last-Minute-Rettung seiner Profi-Laufbahn nachdenken.

Autor: Thomas Tartemann

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