Thomas Tuchel hat seine ersten 100 Tage als Trainer von Borussia Dortmund hinter sich. Zeit für eine Zwischenbilanz. Was läuft gut? Was muss sich noch verbessern?

BVB

100 Tage Thomas Tuchel – eine Zwischenbilanz

12. Oktober 2015, 16:12 Uhr
Foto: firo

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Thomas Tuchel hat seine ersten 100 Tage als Trainer von Borussia Dortmund hinter sich. Zeit für eine Zwischenbilanz. Was läuft gut? Was muss sich noch verbessern?

Offensivstärke
In der Offensive hat der BVB im Vergleich zur Vorsaison einen Gang hochgeschaltet. Das ist unter anderem der Tatsache zu verdanken, dass Tuchel die Außenverteidiger extrem offensiv spielen lässt, so dass wieder öfter Chancen über die Außenbahnen kreiert werden. Zwar lassen die Borussen nach wie vor gerne die eine oder andere gute Möglichkeiten liegen, trotzdem sprechen 22 Tore aus den ersten acht Saisonspielen eine deutliche Sprache. Für die Dortmunder Fans ist das Spiel des BVB wieder mitreißender als in der letzten Spielzeit.

Passsicherheit
Tuchel legt großen Wert auf das Passspiel. In der Vorbereitung ließ er intensiv Ballannahme, Ballverarbeitung und Ballverteilung trainieren. Die Arbeit auf dem Trainingsplatz trug vom ersten Spieltag an Früchte. Der BVB spielte sich die Bälle meist sehr souverän und geduldig zu und war bereit, auf den entscheidenden Moment zu warten, in dem das Tempo erhöht, der Pass in die Tiefe gespielt werden musste – gerne auch in Richtung der offensiv auftretenden Außenverteidiger. Eine klare Verbesserung, die auch mit der Verpflichtung des jungen [person=22629]Julian Weigl[/person] zu tun hat. Der Neuzugang von 1860 München ist bislang der passsicherste Mann in schwarz-gelb.

Formverbesserung
Verbessert zeigt sich auch die Form diverser Leistungsträger. Allen voran ist hier natürlich [person=12383]Henrikh Mkhitaryan[/person] zu nennen, der im Vorjahr regelmäßig ausgepfiffen wurde. Es sah lange danach aus, als würde er sein Glück in Dortmund nicht mehr finden, doch unter Tuchel blühte er auf, kam in allen Pflichtspielen zum Einsatz und war eine der wichtigsten Spieler in der noch jungen Saison. Auch [person=1864]Ilkay Gündogan[/person] ist endlich wieder die zentrale Kreativkraft des BVB-Spiels, die er im letzten Jahr nicht zu sein vermochte. [person=6457]Matthias Ginter[/person], dem schon der Stempel des Fehleinkaufs anhaftete, hat als Rechtsverteidiger sein Glück gefunden und Lukasz Piszczek verdrängt.

Fokusverschiebung
Während in England gerade der Klopp-Hype ausbricht, ist in Dortmund wieder die Mannschaft der Star. Ex-Trainer Jürgen Klopp stand an der Strobelallee meist im Mittelpunkt, erst recht, nachdem sein Rücktritt zum Saisonende öffentlich bekannt geworden war. Sein Nachfolger gibt sich betont zurückhaltend. Tuchel vermeidet es, nach den Spielen zur Südtribüne zu gehen, sondern lässt seine Spieler dort alleine mit den Fans feiern. Mit seiner Art kommt der neue BVB-Coach bisher gut bei den Anhängern an.

Abwehrschwächen
Das große Problem der Vorsaison hat Tuchel noch nicht beheben können. Die Defensive der Dortmunder leistet sich nach wie vor unerklärliche Patzer. So konnte in der Europa-League-Qualifikation etwa Odds BK sogar mit 3:0 in Führung gehen und Aufsteiger Darmstadt auch mit wenigen Chancen einen Punkt aus Dortmund entführen. Bayern München zeigte zuletzt, dass die Abwehr des BVB nicht die nötige Qualität hat, um ein Titelanwärter zu sein. Die Defensivarbeit muss Tuchel noch verbessern.

Fazit
Die positiven Aspekte von Tuchels Arbeit in seinen ersten 100 Tagen beim BVB überwiegen deutlich gegenüber den negativen. Vieles spricht dafür, dass die Dortmunder Verantwortlichen die richtige Wahl getroffen haben, als sie Tuchel zum Nachfolger von Klopp machten. Zuletzt geriet das Spiel des BVB allerdings erstmals ins Stocken. Zwei Remis gegen Hoffenheim und Darmstadt und eine deutliche Niederlage in München waren die ersten Rückschläge. Nun muss Tuchel zeigen, dass er auch damit umgehen kann.

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