BVB-Kapitän Mats Hummels war bedient. Wieder einmal. Am Mittwoch, nach dem 1:1 in Hoffenheim, hatte er seine Kapitänsbinde wutentbrannt auf den Rasen gepfiffen.

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Tuchel widerspricht Hummels' Kritik beim Gegentor

Sebastian Weßling
28. September 2015, 12:51 Uhr
Foto: firo

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BVB-Kapitän Mats Hummels war bedient. Wieder einmal. Am Mittwoch, nach dem 1:1 in Hoffenheim, hatte er seine Kapitänsbinde wutentbrannt auf den Rasen gepfiffen.

Und nun, nach dem 2:2 gegen Darmstadt 98, arbeitete es wieder einmal gewaltig in dem Abwehrspieler, als er die Stufen vom Spielfeld in Richtung Kabinen des Dortmunder Stadions hinaufkam.

Es war insbesondere das späte 2:2 durch Aytac Sulu nach einem Freistoß, das Hummels die Laune verhagelt hatte - vor allem die Tatsache, dass es überhaupt zu diesem Freistoß gekommen war. "Darmstadt war tot, die waren kaputt, der Wille war gebrochen nach dem 2:1", haderte der BVB-Abwehrchef. "Wir hätten das Ding einfach runterspielen können, auch in der 90. Minute. Dann gehen wir nochmal mit vier Mann nach vorne, verlieren den Ball." Es folgte ein taktisches Foul in der Rückwärtsbewegung - und der folgenschwere Freistoß, bei dem der Ball schließlich Sulu in zentraler Position vor die Füße fiel und dieser trocken vollstreckte. "Da haben wir nicht unbedingt den Sieg gewollt", monierte Hummels. "Wenn der Gegner in der Situation, nach einem Freistoß, relativ frei 15 Meter zentral vor dem Tor schießen kann, haben wir uns auf jeden Fall falsch verhalten."

Kein unverdientes Unentschieden für Darmstadt 96

Der Kapitän verschwieg, dass auch er nicht ganz fehlerfrei war in jener Szene - ist es doch seine Aufgabe, die Höhe der Abwehr zu bestimmen. Und die stand bei diesem Freistoß aus knapp 40 Metern viel zu tief - erst so konnte der Abpraller überhaupt derart gefährlich werden. Das war auch bei BVB-Trainer Thomas Tuchel herauszuhören: "Ich tue mich schwer mit dem Satz, man muss es besser verteidigen. Der Satz ist letztlich eine Floskel", sagte er. "Ich gehe aber davon aus, dass Mats sich von der Kritik nicht selbst ausgenommen hat."

Für Darmstadt war zu diesem Zeitpunkt viel Glück dabei, über das gesamte Spiel hinweg kam das Unentschieden für den Aufsteiger aber nicht unbedingt unverdient - in Dortmund haben sich schon ganz andere Mannschaften wesentlich schlechter angestellt. 20 Minuten lang zeigte der BVB, dass er Lösungen gegen die defensivstarken Gäste finden kann, dass er mit schnellen, präzisen Pässen Lücken aufreißen kann - wenngleich es nur zu wenigen Torchancen und keinen Toren reichte. Darmstadt kam zu einer einzigen Chance - die aber wurde auf herausragende Art und Weise ausgespielt: Konstantin Rausch spielte den Ball die Linie entlang, genau in den Raum hinter dem sehr offensiven Außenverteidiger Matthias Ginter. Jerome Gondorf stand vollkommen frei, flankte präzise auf den heranrauschenden Marcel Heller, der volley abschloss (17.).

Wenig Räume für den BVB nach dem Rückstand

Nach 20, 25 Minuten aber war es erst einmal vorbei mit der Dortmunder Herrlichkeit. "Es war sehr schwer nach dem Rückstand, Räume zu finden, weil sie sehr defensiv gespielt haben", beklagte Mittelstürmer Pierre-Emerick Aubameyang. Tatsächlich zog sich Darmstadt nun deutlich weiter zurück, errichtete einen dichten Abwehrriegel am eigenen Strafraum. "Der Gegner hat eine Art 6-3-1 gespielt, da sind wir nicht ganz durchgekommen", so Hummels. Dem BVB fehlte nun das Tempo, fehlten die schnellen Verlagerungen, fehlten Läufe und Pässe in die Tiefe - auch weil Marco Reus und Shinji Kagawa schwach blieben. "Ein bisschen die Überzeugung", vermisste Torhüter Roman Bürki im BVB-Spiel.

In der zweiten Halbzeit wurde es besser, weil sich etwa Ilkay Gündogan deutlich steigerte - und Kagawa sein einziger Geistesblitz gelang: Er hob den Ball auf Ginter, der legte quer auf Aubameyang - 1:1 (63.). Und als der nach seiner Einwechslung stark aufspielende Adnan Januzaj für Aubameyang durchsteckte und der zum 2:1 verwandelte (71.), schien das Spiel gelaufen - bis zu jenem verhängnisvollen Freistoß.

Autor: Sebastian Weßling

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