Wie ein heimatloser Verein den Aufstieg schaffte und warum die Bilder für immer bleiben.

TuS Harpen

„Wir sind eine Mannschaft ohne Heimat"

26. August 2015, 09:07 Uhr

Wie ein heimatloser Verein den Aufstieg schaffte und warum die Bilder für immer bleiben.

Aufstiegs-Shirts, Bierduschen, eine Humba. Eine Fahrt quer durch die Stadt mit einem geschmückten LKW und ein Kurzfilm über die Erfolgs-Saison: Der TuS Bochum-Harpen 08/11 feierte die Meisterschaft und den Aufstieg in die Bezirksliga wie man es von den großen Vereinen aus dem Fernsehen kennt – doch nicht auf der eigenen Platzanlage. Über einen historischen Erfolg einer Mannschaft ohne Heimat.

Wenn sich Trainer Dietmar Hampel die Bilder des Triumphs erneut vor Augen führt, bekommt er eine Gänsehaut. „Der letzte Spieltag war hoch emotional. Unser Aufstieg ist irgendwie passiert. Es war nicht geplant und sogar ich selber habe nicht daran geglaubt. Vor der Saison hat niemand damit gerechnet“, erzählt der Coach. Grund für die Zweifel waren Personalprobleme. „Mir sind meine Jungs reihenweise ausgefallen.Von der Operation am Knie bis zum Trümmerbruch war alles dabei. Diese Verluste zu kompensieren war schwierig, aber es ist uns geglückt“, freut sich Hampel.

Fußball spielen verboten

Weniger geglückt ist hingegen eine Einigung mit der Stadt bezüglich der heimischen Platzanlage. Die ist seit rund einem Jahr gesperrt, „nicht bespielbar“, heißt es. Die Folge: Alle Teams des Vereins müssen auf verschiedenen Ausweichplätzen trainieren. Heimspiele gab es in der vergangenen Saison nicht und wird es auch in naher Zukunft nicht geben. „Wir sind eine Mannschaft ohne Heimat. Das tut weh“, trauert der Trainer um die aktuelle Situation und fügt hinzu: „ Wir wollten selber nicht mehr auf dem schlechten Platz spielen. Da haben wir die besseren Anlagen in der Umgebung dem Heimatgefühl vorgezogen. Dennoch ist es für uns eine schwierige Situation. Viele alteingesessene Rentner, Familien und Freunde, die früher gerne beim Training und den Spielen zugeschaut haben, kommen nicht mehr vorbei." Daraus resultiert, dass dem Verein Einnahmen fehlen und „die Bindung zum eigenen Club verloren geht“, betont Hampel. Auch in der kommenden Saison wird sich daran nichts ändern. Selbst wenn der Platz ausgebessert werden würde, wäre er für die Bezirksliga zu klein. Somit müssen sich die Herpener mit einer Übergangssituation arrangieren – vorerst so lange, bis der gewünschte Kunstrasenplatz Realität wird.

42 Jahre Kreisliga sind genug

Trotz der Trauer ob des verlorenen Spielfeldes herrscht in Herpen dank des sportlichen Erfolgs weiterhin Euphorie. „Es ist uns gelungen, nach 42 Jahren der Kreisliga zu entkommen. Beim letzten Spiel waren etwa 400 Zuschauer dabei.[imgbox-right]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/073/313-74377_preview.jpeg [/imgbox]
Am Ende standen alle Akteure unseres Vereins Arm in Arm an der Außenlinie. Ein höchst emotionaler Moment“, schwelgt Hampel in Erinnerungen. Erinnerungen, die aufgrund des selbst produzierten Aufstiegs-Videos immer wieder hoch kommen. Nach den Feierlichkeiten, die bis in die frühen Morgenstunden andauerten, wurde Video- und Fotomaterial der gesamten Saison gesammelt. „Wir haben einige technikaffine Spieler in der Mannschaft, die aus den ganzen Aufnahmen ein Video zusammengeschnitten haben“, so der Chef an der Seitenlinie. Er schiebt nach: „Da kam einiges zusammen. Unsere Damen-Mannschaft und unsere zweite Herren-Mannschaft sind ebenfalls aufgestiegen.“

Wir ha'm das Triple
TuS Bochum Harpen

Dreifache Freude, dreifacher Jubel, dreifache Erleichterung. Umso größer und intensiver war die anschließende Party. Mit dem Slogan „Wir ha'm das Triple“, auf einem Bettlaken geschrieben, zogen die drei Teams mit einem LKW durch die Straßen bis zum guten, alten Vereinsheim, wo ihnen Familie, Freunde und Zuschauer zujubelten. Bilder, die für immer bleiben.

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