Kluge Köpfe bauen vor, heißt es. Und zwar am besten für Geist und Seele.

Emscher Junior Cup

Angyeck und ihre „netten Kerle“

31. Mai 2015, 17:15 Uhr
Foto: firo

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Kluge Köpfe bauen vor, heißt es. Und zwar am besten für Geist und Seele.

Und dass sie ein kluger Kopf ist, beweist Angyeck Mengot jeden Tag in der Schule. Aber nicht nur dort. Angyeck ist amtierende Essener Stadtmeisterin im Schach und spielt gerne Violine. Doch ihr Herz gehört dem Fußball. Gemeinsam mit „ihren“ Jungs von der SG Essen-Schönebeck zog die 9-Jährige am Sonntag im altehrwürdigen Stadion von TuS Helene Essen als einziges Mädchen in die Endrunde um den Emscher-Junior-Cup am 21. Juni in Oberhausen ein.

Dass an der Bäuminghausstraße einst mit Otto Rehhagel ein bekannter Fußballspieler und noch berühmterer Trainer die Stiefel geschnürt hat, wusste sie nicht. Ihr Vorbild ist heute angesagt und hat am Samstag dem BVB den DFB-Pokal entrissen: Kevin de Bruyne. Und das hat einen guten Grund. Angyeck ist wie der belgische Nationalspieler Flügelstürmerin und überzeugte mit einer technisch blitzsauberen Vorstellung. Auch einen Treffer steuerte sie bei. Während sich Rehhagel nach dem Tod seines Vaters in den Nachkriegsjahren unter widrigsten Bedingungen über den Fußball nach oben und letztlich bis zum Europameister-Trainer spielte und coachte, steht sie für das neue, das bunte Essen.

Ihre Eltern sind aus Kamerun nach Deutschland gekommen und würden einer Fußballkarriere ihrer Tochter nicht im Weg stehen. „Im Gegenteil, wir werden sie unterstützen, so gut wir können. Egal, welchen Weg sie einschlagen wird“, nicken sie. Der Fußball dient hierbei auch als geschlechterübergreifende Brücke, um traditionelle Rollenvorstellungen aufzubrechen. „Ich würde gerne später mal in der Frauen-Bundesliga spielen“, hat Angyeck ehrgeizige Ziele. Und bedauert es doch ein wenig, künftig nicht mehr mit „ihren“ Jungs zusammen auflaufen zu können.
Bis in die Essener Kreisauswahlmannschaft hat sie es schon geschafft. Aber noch wichtiger: Sie hat den Respekt ihrer Mitspieler sicher. „Angyeck ist echt in Ordnung und spielt richtig gut“, erklärt Mitspieler Mats Reinkens anerkennend. Probleme mit den Jungs hat sie keine. „Warum auch?“ fragt Mats. „So etwas gibt es bei der SG Essen-Schönebeck nicht. Wir sind doch alles nette Kerle.“

Dort, wo es solche Probleme gibt, hatte wiederum ein Essener Mädchen die Lösung parat. Die DSDS-Teilnehmerin Allison Bonnefoy präsentierte beim Emscher-Junior-Cup erstmals ihren neuen Fußballsong „Gewalt Gewaltfrei“ und erntete dafür von den Kindern und den Eltern großen Applaus. In der kommenden Woche soll das Lied DFB-Präsident Wolfgang Niersbach vorgestellt werden. Von Essen in die Fußballwelt, wie einst bei Otto Rehhagel - für Angyeck und Allison Bonnefoy mehr als nur ein Traum?

Die nächste Station ist zunächst einmal das Niederrheinstadion in Oberhausen. Neben der SG Essen-Schönebeck haben sich auch die Teams des TSV Marl-Hüls, der SF Altenessen, des TUSEM Essen und als Sieger der Fairplay-Wertung der VfB Habinghorst für das große Finale qualifiziert.

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