Der Essener Amateurfußball kommt einfach nicht zur Ruhe. Nach den Negativ-Schlagzeilen in der Vorwoche gab es auch diesmal einen Spielabbruch.

Was war da los?

Erneuter Spielabbruch in Altenessen

Krystian Wozniak
22. September 2014, 13:33 Uhr

Der Essener Amateurfußball kommt einfach nicht zur Ruhe. Nach den Negativ-Schlagzeilen in der Vorwoche gab es auch diesmal einen Spielabbruch.

Grund: der Schiedsrichter soll Angst vor einer Eskalation gehabt haben und brach das Kreisliga-B-Spiel zwischen BV Altenessen und Fatihspor Essen beim Stand von 1:1 nach rund einer halben Stunde ab. RS fragte bei den beteiligten Vereinen nach: was war da los?

Walid Siala (Teammanager, BV Altenessen):
"Der ganze Mist fing schon bei dem Spiel unserer zweiten Mannschaft gegen Türkiyemspor an. Das Spiel war auf 13 Uhr angesetzt und es erschien kein Schiedsrichter zu diesem Spitzenduell. Deshalb konnte die Partie erst um 14 Uhr angepfiffen werden. Leider gab es hier schon unschöne Szenen. Die Türken konnten sich überhaupt nicht benehmen und standen zwischendurch mit sieben Mann in der Coaching-Zone. Einer unserer Spieler wurde als 'Hurensohn' beleidigt, dabei ist sein Vater vor nicht allzu langer Zeit verstorben. Das geht einfach nicht. Leider sind solche Beleidigungen bei diesen Leuten nicht selten. Ich habe die Leute hinter die Barriere gebeten. Plötzlich erschien ein Einsatzwagen der Polizei. Irgendwer soll irgendjemanden bedroht haben. Die Situation hat sich aber schnell beruhigt und das Spiel konnte normal zu Ende gebracht werden.

Leider verlief das Spiel der 1. Mannschaft gegen Fatihspor etwas anders. In der 27. Minute hat ein Fatihspor-Spieler unseren Mann gefoult und an die Gurgel gepackt. Ich habe das vom Vereinsheim aus gesehen und bin dahin gelaufen, um die Situation vor einer Eskalation zu bewahren. Die Zuschauer, da waren bestimmt bis zu 100 Türken anwesend, haben sich aufgeregt und gepöbelt. Einer ist richtig frech geworden und diesen wollte ich von der Tribüne verbannen. Plötzlich haben sich die Fatihspor-Spieler mit dem Typen solidarisiert und standen auch auf der Tribüne. Da hat der Schiedsrichter den Ball in die Hand genommen und hatte genug gesehen. Er ist in die Kabine gegangen und kam nicht mehr wieder. Der gute Mann hat alles richtig gemacht, ich hätte da auch keine Lust zu pfeifen.

Ich bin selbst ein Libanese und Migrant. Doch ich muss leider feststellen, dass sich Migranten-Vereine nicht benehmen können. Da wird viel mehr gepöbelt, geredet, als Fußball gespielt. Bei solchen Spielen sollte immer ein Schiedsrichtergespann und im besten Fall auch die Kreisaufsicht vor Ort sein. Wenn solche Beobachter da wären, dann hätten die Spieler, die Zuschauer vielleicht auch mehr Respekt. Mit diesem fängt es ja schon an der Kasse an. Die Fatihspor-Fans hatten keine Lust den Eintritt zu bezahlen und waren ganz frech am Eingang. Wo sind wir denn hier? Es muss sich in unseren Kreisligen etwas ändern, ansonsten wird es immer wieder diese traurigen Schlagzeilen geben."

Sefer Temel (Trainer, Fatihspor Essen):
"Wir sollten eigentlich um 15 Uhr spielen. Aber die Partie konnte erst um 16 Uhr angepfiffen werden, weil der Schiedsrichter, der das erste Spiel zwischen BVA und Türkiyemspor leitete, auch unsere Begegnung pfiff. Die geänderte Anstoßzeit war schon ärgerlich. Ich muss sagen, dass der BVA-Funktionär, ein Libanese, ich glaube er heißt Walid Siala, sich an diesem Nachmittag daneben benommen hat. Er hat schon im ersten Spiel des Tages Stress gemacht und sich eine Rangelei mit Türkiyemspor-Fans geliefert. Sogar die Polizei musste vor Ort erscheinen. Ich konnte das alles gut beobachten.

Zu unserem Spiel: Da gab es nach einer knappen Stunde eine Gelbe Karte für uns und die Zuschauer protestierten. Siala gefiel das nicht und er ist zu einem unserer Zuschauer hoch gelaufen und wollte ihn von der Anlage verbannen. Der Junge hat sich das nicht gefallen lassen und dann hat der BVA-Verantwortliche ihn an die Gurgel gepackt. Der Fan war ein Bruder unseres Spielers. Da sind dann auch Jungs hoch gelaufen, um ihm zu helfen. Es kam aber zu keiner Eskalation. Ich finde es schade, dass der Schiedsrichter einfach so gegangen ist und überhaupt kein Gespräch mit uns suchte."
Auf Seite 2 lesen Sie die Stellungnahme des Trainers von Türkiyemspor Essen, Selcuk Günes.

Autor: Krystian Wozniak

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