Einen prominenten Zaungast konnte die SpVg Schonnebeck beim gestrigen Dienstags-Training begrüßen. Peter Neururer, Bundesligatrainer in der Warteschleife, leitete zwar nicht - wie ursprünglich angekündigt - die Übungseinheit der Ersten Mannschaft, geizte dafür aber nicht mit fachkundigen Erläuterungen und Versprechen, sich für die Belange der

Peter Neururer zu Gast bei der SpVg Schonnebeck

"Es tut mir beim Zuschauen weh"

Aaron Knopp
25. April 2007, 15:33 Uhr

Einen prominenten Zaungast konnte die SpVg Schonnebeck beim gestrigen Dienstags-Training begrüßen. Peter Neururer, Bundesligatrainer in der Warteschleife, leitete zwar nicht - wie ursprünglich angekündigt - die Übungseinheit der Ersten Mannschaft, geizte dafür aber nicht mit fachkundigen Erläuterungen und Versprechen, sich für die Belange der "kleinen" Vereine einzusetzen. Die knapp 100 Schaulustigen, die Neururers Auftritt angelockt hatte, erlebten einen offenen, entspannt plaudernden Ex-Bochumer. Die Symptome seiner fast achtmonatigen Arbeitslosigkeit beschränkten sich auf eine gesunde Sommerbräune und eben die Tatsache, dass er den "Schetters Busch" beehrte.

"Alte Bekanntschaften haben mich zu dem Besuch bewogen. Der Kontakt kam über Schonnebecks Sportlichen Leiter Michael Tönnies zustande", erläuterte Neururer, "und für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass ich so einen Termin dann in meiner - momentan ja sehr reichlich bemessenen - Freizeit wahrnehme."

Diese wird ihm derweil weiterhin durch Zuwendungen seines letzten Arbeitgebers versüßt. "Bis zum 30. Juni bin ich noch bei Hannover 96 unter Vertrag und erhalte weiterhin mein Gehalt", erklärte der 51-jährige, "deshalb drücke ich '96' verständlicherweise auch die Daumen." Sollte den Niedersachsen zum Beispiel noch der Sprung in den UI-Cup gelingen, spränge für Neururer eine Prämie dabei heraus. Doch diese Aussicht verband der gebürtige Marler umgehend mit einem Versprechen: "Sollte Hannover das schaffen, werde ich Schonnebeck davon eine komplette Fußballausrüstung spendieren."[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/001/783-1806_preview.jpeg Daumen drücken für Hannover: Gelingt dem Klub der Einzug in den UI-Cup,m winkt Schonnebeck eine Fußballausrüstung. (Foto: firo)[/imgbox]

Generell wolle er mit der Stippvisite seine "Nähe zu allen Vereinen im Ruhrgebiet, nicht nur zu den vermeintlich Großen" zeigen. Die Trainingsbedingungen der 'Kleinen' vor Ort zu sehen, veranlasste den Coach dann schließlich auch zu einem Rundumschlag gegen die Politik des Deutschen Fußball-Bundes. "Wenn ich sehe, wie die Spieler arbeiten müssen - das tut mir beim Zuschauen weh. Es kann nicht sein, dass auch Jugendliche auf Asche spielen müssen. Die denken sich dann auch: 'Ich habe keine Lust, mir hier die Pelle aufzuschürfen und eine Staublunge zu bekommen, dann gehe ich lieber Golf spielen.' Da muss sich auch der DFB Gedanken machen und die Millionen-Überschüsse, die bei der WM erwirtschaftet wurden nicht irgendwo verpulvern, sondern hier - an der Basis - in Plätze investieren. Da kommen doch die künftigen Nationalspieler her und die sollen unter vernünftigen Bedingungen trainieren, darunter leidet sonst die Entwicklung der Kicker. Das werde ich auch beim DFB vorbringen", versprach Neururer. Dennoch war er von dem Niveau des Sechstligisten durchaus angetan. "Die Akteure zeigen trotz des Geläufs in Sachen Einsatz und auch Technik ein hohes Niveau."

Zum Abschluss seines 'Gastspiels' kam der Ex-Coach beider Teams natürlich nicht ohne einen Tipp für das anstehende Revier-Derby zwischen dem VfL Bochum und Schalke 04 davon. Für wen denn nun sein Herz schlage, lautete die Frage, die Neururer diplomatisch konterte: "Ich habe da mehrere Kammern." Für das Wochenende wünsche er sich aber einen Sieg des VfL, "die brauchen die Punkte für den Klassenerhalt ganz dringend. Schalke sollte auf die Punkte verzichten und zusehen, trotzdem Meister zu werden." Ob und wann man ihn selbst wieder in der Bundesliga sehen werde, wusste Neururer indes nicht zu beantworten. "Ich habe während der Saison Angebote aus der Zweiten Liga und auch der Bundesliga erhalten, im Moment liegen mir Offerten aus der Schweiz und Spanien vor. Doch ich werde mir das sehr genau überlegen und tendiere dazu, noch weiter abzuwarten."

Autor: Aaron Knopp

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