Nach der 0:6-Niederlage des SV Vorwärts Kornharpen II bei der DJK Rasensport Weitmar im Kreisligaspiel am vergangenen Sonntag war das Fass voll. SV-Coach Wolfgang Gerstemeier, der dem Verein seit 1998 treu geblieben ist und am Oberliga-Aufstieg (2003) der ersten Mannschaft beteiligt war, erklärte seinen sofortigen Rücktritt. RevierSport online sprach mit Gerstemeier unter anderem über seine Rücktritts-Gründe, fehlende Einstellung der Jugend und über seine Zukunft.

Kreisliga A Bochum: Wolfgang Gerstemeier (Ex-Trainer SV Vorwärts Kornharpen II) im Interview

"Die heutige Jugend geht lieber in die Mucki-Bude"

Desirée Kraczyk
13. März 2007, 16:33 Uhr

Nach der 0:6-Niederlage des SV Vorwärts Kornharpen II bei der DJK Rasensport Weitmar im Kreisligaspiel am vergangenen Sonntag war das Fass voll. SV-Coach Wolfgang Gerstemeier, der dem Verein seit 1998 treu geblieben ist und am Oberliga-Aufstieg (2003) der ersten Mannschaft beteiligt war, erklärte seinen sofortigen Rücktritt. RevierSport online sprach mit Gerstemeier unter anderem über seine Rücktritts-Gründe, fehlende Einstellung der Jugend und über seine Zukunft.

RevierSport Online: Herr Gerstemeier, Sie sind am Sonntag nach der deutlichen Niederlage bei der DJK Raspo Weitmar aus eigenem Entschluss von Ihrem Trainerposten zurückgetreten. Welche Gründe haben zu dieser Entscheidung geführt?

Gerstemeier: Die Mannschaftseinstellung stimmte schon länger nicht mehr. So war die Trainingsbeteiligung öfter sehr mager, viele sind nur unregelmäßig erschienen. Bei Vorbereitungsspielen stand ich mit vier Mann da, die Jungs haben unentschuldigt gefehlt. Unter diesen Umständen ist kein gescheiter Spielbetrieb möglich.

RevierSport online: Sie kritisieren die fehlende Mannschaftseinstellung. War dies ein generelles Problem? Und woran kann dieser fehlende Einsatz festgemacht werden?

Gerstemeier: Es ist die Haltung der Jugend. Sie zeigen keine richtige Einstellung zum Mannschaftssport. Wenn es regnet, kommen sie nicht zum Training. Anfangs umfasste der Kader 22 Spieler. Es wurden dann immer weniger, bis ich schließlich Sonntag nur noch elf Mann zur Verfügung hatte. Wenn kein vernünftiges Training erfolgt, kann man auch nicht bestehen. Die Gründe für diese Haltung liegen auf der Hand. Wir befinden uns im Zeitalter der Medien. Es gibt einfach zu viele Möglichkeiten die Freizeit zu gestalten. Die Jungs gehen lieber in die Mucki-Bude und bis Sonntag früh in die Disko, anstatt sich auf den Liga-Alltag zu konzentrieren.

RevierSport Online: Während die Reserve von Kornharpen in der Kreisliga nur drei von 17 Spielen gewonnen hat, befindet sich die erste Mannschaft auf dem dritten Tabellenplatz der Verbandsliga. Gibt es kein Interesse daran ein leistungsstarkes zweites Team aufzubauen?

Gerstemeier: In den letzten Jahren wurde sehr viel in die erste Mannschaft investiert. Innerhalb von kurzer Zeit gelang der Aufstieg von der Kreisliga in die Oberliga. Das ging alles sehr schnell. Ich habe das als Spieler ja alles mitbekommen. Die Vereinsstrukturen sind dabei nicht mitgewachsen. In der Jugend und in der Reserve ist nichts passiert. Es wurde auch nicht viel Wert darauf gelegt. Aber in der Kreisliga wollen die Spieler ebenso Geld verdienen und der Sprung in die Verbandsliga ist zu enorm. Ein weiterer Aspekt ist, dass Kornharpen eher ein Dorf ist. Für die Jugend liegt es zu abgeschottet und es gibt keinen attraktiven Kunstrasenplatz.

RevierSport online: Sie haben Anfang dieser Saison die alleinige Verantwortung übernommen, nachdem Sie schon zwei Jahre als Co-Trainer assistiert haben. Von 1998 bis 2004 waren Sie für die erste Mannschaft aktiv. Fällt es nun schwer, nach neun Jahren dem Verein den Rücken zuzukehren?

Gerstemeier: Ich werde den SV noch nicht ganz verlassen. Bis zum Saisonende spiele ich auf jeden Fall noch in der Alt-Herren Mannschaft. Des Weiteren muss ich noch betonen, dass wir nicht im Bösen auseinander gegangen sind.

RevierSport Online: Den Trainerjob wollen Sie sicherlich noch nicht an den Nagel hängen. Welcher Verein würde Sie reizen?

Gerstemeier: Es gibt noch keine konkreten Interessenten. Ich will aber auf jeden Fall weitermachen, allerdings werde ich keine Reserve mehr trainieren. Die erste Mannschaft ist das Aushängeschild des Vereins. Es wird von daher auch viel mehr darauf geachtet, dass vernünftig gearbeitet wird. In Kornharpen musste ich mich um alles selbst kümmern, zum Beispiel auch die Spielberichte schreiben.

RevierSport online: Glauben Sie, dass der Mannschaft noch die Wende gelingt?

Gerstemeier: Es wird sehr, sehr schwer den Abstieg zu verhindern. Viele Spieler, die noch regelmäßig erschienen sind, haben nach meinem Rücktritt auch keine Lust mehr.

Autor: Desirée Kraczyk

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