Bezirksliga 15: Nach dem Rücktritt von Trainer Stefan Kosel (LFC Laer)

„Herzblut alleine reicht eben nicht“

06. März 2007, 13:09 Uhr

Das Trainergeschäft ist ein schnelllebiges, wie jeder weiß. Daher zählen Dauerbrenner wie Volker Finke, Thomas Schaaf oder Jürgen Klopp an der Seitenlinie zu den Exoten ihrer Zunft und stehen quasi unter Artenschutz. Da sie meist eine höhere Identifikation mit ihren Vereinen haben als die gesamte von ihnen trainierte Spielerschar, genießen sie die volle Rückendeckung der Fans.

Und auch auf das Vertrauen der Verantwortlichen können sie uneingeschränkt bauen, so dass die Trennung, wenn sie denn überhaupt zu Stande kommt, in der Regel von den Übungsleitern ausgeht.
Es ist aber erstaunlich, dass diese Mechanismen im Fußball – unabhängig davon, auf welchem sportlichen Niveau man sich bewegt – immer wieder greifen.

So geschehen am vergangenen Wochenende. Einen Tag vor dem Meisterschaftsspiel gegen den VfB Habinghorst gab der seit über zehn Jahren beim LFC Laer tätige Stefan Kosel überraschend den Rücktritt von seinem Traineramt bekannt. Der Verein war erst in diesem Jahr, nach langjähriger Abstinenz, in die Bezirksliga zurückgekehrt, steht aber nach dem 18. Spieltag bereits bedenklich mit dem Rücken zur Wand. Es droht der sofortige Wiederabstieg.

„Sein Rücktritt ist nachvollziehbar, ist ihm aber sehr schwer gefallen“, sagt der langjährige 1.Vorsitzende des LFC, Stefan Wieser, betont aber, dass es keine schmutzige Trennung gewesen sei, sondern der Verein zolle Kosel Dank und Respekt für die geleistete Arbeit.

In das gleich Horn stieß auch Wiesers Nachfolger, Thorsten Hermichen: „Der Rücktritt war schon etwas überraschend für uns, doch jetzt gilt es nach vorne zu schauen und wir wollen versuchen mit einem neuen Mann für eine entscheidende Richtungsänderung zu sorgen“.

Da von Vereinsseite kein Trainerwechsel im Gespräch gewesen sei, müsse man jetzt kurzfristig reagieren, so Hermichen, der sich bereits heute zu einem ersten Sondierungsgespräch mit einem möglichen Kosel-Nachfolger trifft.

Wie Stefan Kosel die Situation bewertet und welche Beweggründe zu seiner Entscheidung geführt haben erklärt er im Interview:

RevierSport online:Hallo Herr Kosel. Nach fast elf Jahren als Trainer beim LFC sind Sie zurückgetreten. Was sind die Beweggründe für den Ausstieg mitten in der Saison?

Stefan Kosel: Sicherlich hätte ich mir einen anderen Abschluss nach einem solch langen Zeitraum gewünscht. Meiner Meinung nach ist aber ein neuer Mann auf dem Trainerstuhl die einzige Alternative, um das Ruder vielleicht noch rumzureißen und den Abstieg zu verhindern.

RevierSport online:Wo lagen die Ursachen für den sportlichen Misserfolg ihrer Elf?

Stefan Kosel: Wir hatten zu Beginn der Saison einen guten, ausgeglichenen Kader, der sich im weiteren Verlauf des Jahres allerdings immer weiter dezimierte. Teils verletzungsbedingt, teils aus beruflichen Gründen fielen immer mehr Spieler aus. Dazu kommt, dass der ein oder andere Neuzugang Probleme hatte, sich in das Team einzufinden. Nach der Winterpause hofften wir auf Besserung, unsere Vorbereitung war allerdings wieder nur durchwachsen. Eine mehrstündige Mannschaftssitzung sollte besonders den Zusammenhalt fördern, zeigte anfänglich auch Wirkung, aber bereits nach zwei Wochen war es mit aller Herrlichkeit wieder vorbei.

RevierSport online:Hatten Sie das Gefühl die Mannschaft nicht mehr zu erreichen?

Stefan Kosel: Bei dem einem oder anderen schon. Das ist aber auch kein Wunder. Wenn man nur noch über einen Kader von 13-15 Spieler verfügt und es dann nicht läuft, ist es ganz normal, dass die wenigsten die Schuld bei sich suchen. Da reicht dann nur mein Herzblut eben allein nicht mehr aus, sondern es muss ein neuer Trainer her.

RevierSport online:Wie schwer ist der Abschied nach über zehn Jahren gefallen?

Stefan Kosel:Schon schwer. Aber das Spiel gegen Merklinde hat den Ausschlag gegeben. Wir konnten einfach die Unstimmigkeiten innerhalb der Mannschaft nicht abstellen und das Training danach tat sein Übriges. Vielleicht braucht die Mannschaft mal den Hammer - dann aber bitte nicht von mir. Das ist nicht meine Art. Daher hatte ich auch schon am vergangenen Freitag meinen Abschied bekannt gegeben, doch der Vorstand bat mich noch einmal darüber zu schlafen. Aber der Graben war einfach so tief, dass ich bei meiner Entscheidung bleiben musste.

RevierSport online:Wie geht es jetzt weiter mit Stefan Kosel?

Stefan Kosel: Jetzt möchte ich erst mal ein wenig zur Ruhe kommen, danach wird man sehen. Ich werde mich sicherlich über kurz oder lang einer neuen Aufgabe stellen. Aber das hat Zeit.

Autor:

Mehr zum Thema

Rubriken

Kommentieren