Sportverletzungen

Eisspray allein hilft nicht

RS
30. August 2006, 11:44 Uhr

Jede Woche behandeln die bekannten Sportmediziner Dr. Matthias Manke und Dr. Jörg Heinze ein Thema oder eine User-Frage aus dem Bereich der Sportmedizin.

In der zweiten Themen-Folge widmen sich die Sportmediziner in ihrem Gastbeitrag der "Soforthilfe" bei Sportverletzungen nach der so genannten PECH-Regel. Was ist bei einer Verletzung zu tun? Hilft Eisspray wirklich? All diese Fragen beantworten die Mediziner in dieser Folge.

Jeder Sportler, ob Profi oder Amateur kann sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen verletzen. Eine genaue Untersuchung und Diagnosestellung kann oft nicht direkt am Sportplatz vorgenommen werden. Häufig ist es schwierig zu unterscheiden ob es sich um eine Prellung, Zerrung, Muskelverletzung, Bänderdehnung oder sogar um eine knöcherne Verletzung handelt. Die meisten Verletzungen werden von einer Schwellung durch Einblutung in das Gewebe begleitet, und es setzt ein plötzlicher Schmerz mit Bewegungs- und Belastungseinschränkung sowie Druckschmerzhaftigkeit ein. Um Die Ausdehnung des Hämatoms und die damit verbundene Schwellung frühzeitig zu behandeln und den Heilungsverlauf günstig zu beeinflussen, sind eine Reihe von Sofortmaßnahmen notwendig.[imgbox-right]http://www.revierkick.de/include/images/gallery/img_thumb_40.jpg Experten auf ihrem Gebiet: Dr. Matthias Manke und Dr. Jörn Heinze, von der Sportambulanz in der Orthopädischen Klinik im St. Josef-Hospital in Bochum.[/imgbox]

Diese Sofortmaßnahmen leiten sich nach der PECH Regel ab:

P: Pause
E: Eiskühlung
C: Kompression (compression)
H: Hochlagerung

Nach Durchführung der Sofortmaßnahmen sollte zur genauen Diagnosesicherung eine sportmedizinische Untersuchung durch einen Arzt erfolgen.

P: Als erstes sollte die betroffene Körperregion ruhiggestellt werden und die sportliche Aktivität sofort eingestellt werden.

"Es reicht nicht aus, einmal kurz mit Eisspray zu behandeln."

E: Der zweite Schritt besteht aus einer Kühlung der verletzten Körperregion. Durch die Kälteanwendung kommt es zu einer Verengung der Blutgefäße und zu einem Rückgang der Schwellung. Der Stoffwechsel wird im gekühlten Bereich reduziert und die fortschreitende Gewebsverletzung verlangsamt. Zusätzlich wird eine Schmerzreduktion erzielt.

Bei der Kühlung kommt es darauf an, durch lang andauernde und wiederholende Anwendung eine Tiefenwirksamkeit zu erreichen. Es reicht also nicht aus, einmal kurz mit Eisspray zu behandeln. Um einen Kälteschaden zu vermeiden, sollten die Kältepackungen niemals direkt auf die Haut gelegt werden. Zunächst sollte die betroffene Körperregion z.B. elastisch gewickelt und dann gekühlt werden. Die Kälteanwendung wird dann je nach Lokalisation zwischen 20 und 40 Minuten durchgeführt und alle zwei Stunden wiederholt.

C: Der dritte Schritt besteht aus einer Kompression durch Anlage einer elastischen Wickel mit mäßiger Spannung. Der Verband sollte nicht abschnüren und unangenehm sein. Gegebenenfalls muss der Verband bei zunehmender Schwellung im weiteren Verlauf etwas gelockert werden.

H: Der letzte Schritt besteht aus der Hochlagerung der betroffenen Körperregion. Dies bewirkt eine Verminderung der Durchblutung und die Schwellung kann besser abtransportiert werden. Bei ausgedehnten Verletzungen kann diese Phase mehrere Tage andauern.

Autor: RS

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