Unaufhaltsam marschiert die Westfalia aus Herne Richtung Tabellenspitze. Die makellose Ausbeute nach drei Spielen im Sportjahr 2007 kann sich mehr als sehen lassen: Neun Zähler und 7:2 Tore lassen den SCW mit lediglich einem Pünktchen Rückstand auf den SV Lippstadt vom Regionalliga-Aufstieg träumen.

HERNE: Coach Schulz wehrt sich gegen System-Kritik

Mit "Steinzeit-Fußball" nach oben

02. März 2007, 13:54 Uhr

Unaufhaltsam marschiert die Westfalia aus Herne Richtung Tabellenspitze. Die makellose Ausbeute nach drei Spielen im Sportjahr 2007 kann sich mehr als sehen lassen: Neun Zähler und 7:2 Tore lassen den SCW mit lediglich einem Pünktchen Rückstand auf den SV Lippstadt vom Regionalliga-Aufstieg träumen.

Klar, dass diese Bilanz auch in der Liga eifrig diskutiert wird. So auch nach dem Match Verl gegen Ahlen zwischen SCV-"Linienchef" Mario Ermisch und RWA-Coach Manfred Christel, der nach der 0:1-Niederlage an der Poststraße meinte: "Es ist wirklich unglaublich, dass die Herner mit ihrem Steinzeit-Fußball so weit oben stehen." Gemeint: Hernes Erfolgs-Trainer Frank Schulz lässt seine Elf mit Libero "Charly Neumann" auflaufen.

Eine Aussage, die am "Schloss Strünkede" natürlich für helle Aufruhr sorgt. "Wir haben in unserer Höhle einen Sitzkreis ums Lagerfeuer gebildet, sind fix und fertig und werden natürlich sofort die taktische Ausrichtung ändern", entgegnet Schulz süffisant und schiebt ärgerlich nach: "Er ist trotz Regionalliga-Unterstützung unten und haut dann so einen Unsinn raus. Das ist niveaulos."

Besonders vor dem Hintergrund, dass Herne seit Jahren Konstanz zeigt und sogar den DFB-Pokal-Einzug schaffte. "Wir haben uns darüber schon köstlich amüsiert, aber es ist schön, dass man sich plötzlich mit uns beschäftigt", zieht der Fußballlehrer das Positive aus solchen Bemerkungen. "Da kann man sich nur ein Beispiel an Bochums Nico Michaty nehmen, der unseren Erfolg beim VfL als verdient einstufte. Ein Mann, der so viel erreicht hat, hat kein Problem damit. Aber vielleicht muss man erst auf einem so hohen Level gearbeitet haben, um das auch zu verstehen und an seine Spieler weitergeben zu können."

Zu Ermischs Vergleich mit Bielefeld (siehe Nachgefragt auf dieser Seite) meint Schulz: "Mit dem VfB Fichte können wir uns nicht vergleichen, weil wir sehr konstant sind. Für uns ist sicherlich jedes Match schön, aber dass es das Größte ist, in der Oberliga spielen zu dürfen, ist übertrieben. Wir sind verdient in dieser Klasse."

Vor dem Spitzenspiel am Sonntag gibt sich der ehemalige Bochumer gewohnt gelassen. Da sein "Co" Horst Albert am gestrigen Mittwoch seinen 40. Geburtstag feierte und die Party am Samstag steigen wird, hat sich Schulz ein ganz besonderes Vorbereitungsprogramm überlegt: "Wir werden mit der gesamten Truppe dabei sein, so dass wir ganz locker in dieses Match hinein gehen."

Mit Bedacht hat er den gesamten Fußball analysiert und kommt zu einem eindeutigen Urteil, das für seine Ausrichtung spricht: "Ich habe in der letzten Zeit sehr viele Bundesligaspiele gesehen. Mir fällt auf, dass sich die Fans kaum noch mit ihrem Verein identifizieren, weil sie oftmals die Mannschaft nicht kämpfen und ackern sehen. Und das versuche ich meinen Jungs zu erklären, wie man mit viel Arbeit und Leidenschaft auch hohe Ziele erreichen kann." Schulz fragt berechtigt: "Warum soll ich mit einer Viererkette spielen lassen, wenn wir mit dieser Art erfolgreich sind?"

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