Die Profifußballclubs sind sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung durchaus bewusst.

BOCHUM: Zivilcourage statt Diskriminierung

gp
08. Februar 2007, 15:09 Uhr

Die Profifußballclubs sind sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung durchaus bewusst.

Die Profifußballclubs sind sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung durchaus bewusst. Seit dem Start der Rückrunde vergeht kein Tag, an dem nicht irgendein Verein eine Kampagne gegen Ausländerfeindlichkeit ins Leben ruft. So wurden zum Beispiel in Dortmund gegen Bayern München unendlich viele Nationalfahnen geschwenkt, eine Grußbotschaft verlesen und ein Anti-Rassismus-Plakat vor den vollen Rängen präsentiert.
In dieser Woche hat auch der VfL Bochum Flagge gezeigt. Und die Verantwortlichen haben es sich nicht einfach gemacht.

Die große Plakat-Aktion, die seit Wochenmitte in der City zu sehen ist, soll erst der Anfang sein. "Dafür! Dagegen! Für mehr Zivilcourage und gegen Diskriminierung." Unter diesem Motto wird der VfL in unregelmäßigen Abständen dieses Thema transparent machen. Doch der Club zeigt nicht mit dem erhobenen Finger auf die Fans, sondern will seine Anhänger zu Anti-Rassismus-Aktionen bewegen. Pressesprecher Christian Gruber: "Wir werden die Vorschläge aus den Fanreihen prüfen, bei der Umsetzung behilflich sein." Deshalb sieht der Verein die Plakate als Startschuss. Gruber: "Wir haben nur den Ball ins Spiel gebracht, die Fans werden ihn bewegen."

Die Bilder von Martin Steffen zeigen die Spieler Martin Meichelbeck, Marcel Maltritz, Thomas Zdebel, Stefan Kuntz oder den Fan-Beauftragten Dirk Michalowski sowie drei Anhänger, die sich schon Ende letzten Jahres für das Shooting beworben hatten. Darüber hinaus sind Postkarten und kleine Poster in begrenzter Anzahl beim VfL erhältlich. Außerdem wurde im Internet ein Banner entworfen, das sich die Fanclubs für ihre Webseite herunterladen können.

Beim VfL legt man großen Wert darauf, dass man in puncto vorbildliches Verhalten von den eigenen Fans begeistert ist. Gruber: "Bei uns gibt es keine Zwischenfälle, aber gerade deshalb finde ich es toll, dass sich unsere Anhänger darüber hinaus engagieren. Wir sind davon überzeugt, dass sich viel schneller etwas entwickeln kann, wenn es von beiden Seiten ausgeht."

Für die beteiligten Profis, die stellvertretend für die ganze Mannschaft stehen, erklärt Meichelbeck: "Man kann es leider nicht oft genug betonen. Vor Gott sind alle Menschen gleich. Hautfarbe, Herkunft oder Religion dürfen nicht für Diskriminierung benutzt werden. Das ist meine Ansicht und die werde ich auch immer offen vertreten." VfL-Fan Daniela Berger fügt noch hinzu: "Im Stadion singen wir eine Zeile 'die Farbe deiner Haut interessiert uns nicht'. Da wäre es doch absurd, wenn wir das nicht auch leben würden. Weil ich Rassismus nicht verstehen kann, ist es selbstverständlich, bei der Maßnahme mitzumachen."

Für alle Anhänger oder Fanclubs, die sich beteiligen wollen, steht als Anlaufstelle unter anderem der Fan-Beauftragte Michalowski jederzeit zur Verfügung. Bei der Umsetzung von "Dafür! Dagegen!" hat der VfL viel Kreativität bewiesen, Gruber: "Wir sind überzeugt, dass diese Kampagne eine Menge Ideen produziert."

Autor: gp

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