ZAGREB: Nowotny `größter Transfer der Vereinsgeschichte´

19. Juli 2006, 13:00 Uhr

Statt wie gewünscht in Spanien oder Italien setzt Fußball-Nationalspieler Jens Nowotny seine Karriere bei Dinamo Zagreb fort.

Statt wie gewünscht in Spanien oder Italien setzt Fußball-Nationalspieler Jens Nowotny seine Karriere bei Dinamo Zagreb fort. Der 32 Jahre alte Abwehrspieler wechselt für drei Jahre zum kroatischen Meister und wird dort als `der größte Transfer der Vereinsgeschichte´ gefeiert. Dabei haben offenbar auch die Auswirkungen des Manipulationsskandals in Italien Nowotnys Zukunft beeinflusst. Den AC Florenz hatte der WM-Teilnehmer vor einigen Wochen als `genauso einen Klub, der mir vorschwebt´ bezeichnet, obwohl das Interesse aus Zagreb damals schon bekannt war.
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Die Italiener wurden jedoch zum Zwangsabstieg in die Serie B verurteilt. Bei Fenerbahce Istanbul, wo Nowotny ebenfalls im Gespräch war, trat sein früherer Förderer Christoph Daum als Trainer zurück, der spanische Erstliga-Aufsteiger UD Levante hat sich bei seinen Transfer-Bemühungen offenbar auf den Schweden Olof Mellberg konzentriert. Dass am Ende Zagreb Nowotnys erste Auslandsstation werden würde, ist nach Angaben von Dinamos Vizepräsident Zdravko Mamic der Freundschaft seines Bruders, dem Dinamo-Kapitän Zoran Mamic, zu Nowotny zu verdanken. `Finanziell konnten wir mit Angeboten reicher Klubs nicht mithalten. Aber wir haben voll auf die Karte der Freundschaft zwischen Jens und Zoran gesetzt´, sagte der `starke Mann´ bei Dinamo. Die beiden spielten von 1998 bis 2001 gemeinsam bei Bayer Leverkusen. Nach Informationen kroatischer Medien soll Nowotny, der nach seiner Vertragsauflösung in Leverkusen ablösefrei ist, in den drei Jahren insgesamt rund drei Millionen Euro verdienen.

Nach Angaben auf der Homepage von Dinamo soll Nowotny am Samstag nach Zagreb kommen und am Sonntag um 12 Uhr offiziell den Vertrag unterschrieben. Dieser wird aber wohl schon vor dem öffentlichen Termin per Fax beschlossen, denn Nowotny muss bis Donnerstag als Spieler bei der Europäischen Fußball-Union (UEFA) gemeldet sein. Nur dann ist der 47-malige Nationalspieler in der zweiten Runde der Champions-League-Qualifikation gegen den litauischen Vertreter Ekranas Panevezys spielberechtigt. Die Einigung soll nach Angaben der Zeitung Vecernji List in Abwesenheit des 334-maligen Bundesliga-Spielers zwischen Vize-Präsident Mamic und Berater Georg Bischoff zustande gekommen.

`Obwohl Jens bei den Verhandlungen gar nicht dabei war, weil er wegen des Todes seiner Großmutter dringend nach Karlsruhe musste, ging alles schnell über die Bühne´, wird Mamic zitiert: `Wir standen über Telefon in Kontakt. Allein in dieser Zeit hat Jens drei neue Angebote erhalten. Aber er hat sie alle abgelehnt.´ Seinen ursprünglich bis 2008 laufenden Vertrag bei Bayer Leverkusen hatte Nowotny nach zwei Klagen gegen seinen Klub innerhalb eines Jahres gegen eine geschätzte Abfindung in Höhe von 4,7 Millionen Euro aufgelöst. Er war 1996 vom Karlsruher SC ins Rheinland gewechselt. Bei der WM kam er nur im Spiel um Platz 3 gegen Portugal (3:1) zum Einsatz.

Seine Zukunft im Nationalteam hat der Badener, der bereits vier Kreuzbandrisse in seiner Karriere erlitt, bisher offen gelassen. In Zagreb erwartet ihn offenbar in vielerlei Hinsicht ein Abenteuer. `Da seine Frau bald ihr drittes Kind erwartet, hat sich Nowotny über die Krankenhäuser in Zagreb informiert´, schrieb die Zeitung Jutarnji List: `Wir können nur hoffen, dass Mamic ihm das beste gezeigt hat. Denn sonst wird der Mann ernsthaft schockiert sein, wenn er sieht, in welchem Zustand unsere Krankenhäuser sind.´

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