Sechs Tage nach seinem Selbstmordversuch in Köln hat Schiedsrichter Babak Rafati eine Depressions-Erkrankung als Grund für seine Tat öffentlich gemacht.

Stellungnahme von Rafati

Rafati will wieder pfeifen

sid
25. November 2011, 12:41 Uhr

Sechs Tage nach seinem Selbstmordversuch in Köln hat Schiedsrichter Babak Rafati eine Depressions-Erkrankung als Grund für seine Tat öffentlich gemacht.

Babak Rafati hat sein Schweigen gebrochen. Sechs Tage nach seinem Selbstmordversuch in einem Kölner Hotel stellte der Schiedsrichter über seinen Anwalt Sven Menke am Freitagmittag klar, die "tatsächlichen Beweggründe" seiner Tat lägen in einer "Depressions-Erkrankung". Keine privaten Gründe, auch keine familiären Probleme hätten ihn vergangenen Samstag dazu getrieben, sich die Pulsadern aufzuschneiden.

"Es ist ein dringendes Anliegen von Herrn Rafati, diesen falschen Eindruck zu korrigieren", teilte Menke schriftlich mit. Die Depressions-Erkrankung sei erst in den vergangenen Tagen von den behandelnden Ärzten diagnostiziert worden, hieß es weiter.

In der Stellungnahme von Menke, die dieser nach eigenen Angaben "auf ausdrücklichen Wunsch von Babak Rafati" veröffentlichte, steht aber auch: Der Fußball-Schiedsrichter war dem Leistungsdruck nicht mehr gewachsen. Die mit der Depressions-Erkrankung einhergehenden Symptome seien nach Rafatis "persönlicher Einschätzung" vor etwa eineinhalb Jahren erstmals aufgetreten und hätten sich seither in ihrer Intensität immer weiter verstärkt. "Im persönlichen Empfinden von Herrn Rafati wurde vor allem ein wachsender Leistungsdruck für ihn als Schiedsrichter und der damit verbundene mediale Druck in Kombination mit der ständigen Angst, Fehler zu machen, zu einer immer größeren Belastung."

Diese Belastung, heißt es in der Stellungnahme weiter, hätten Rafati "irgendwann selbst Alltagsprobleme unlösbar erscheinen lassen", er habe sich diesen am Ende "nicht mehr gewachsen gefühlt". Dies hatte dann am Samstag dazu geführt, dass Rafati vor dem Bundesliga-Spiel zwischen dem 1. FC Köln und dem FSV Mainz 05 einen Selbstmordversuch unternahm. Seine Assistenten Patrick Ittrich, Holger Henschel und Frank Willenborg hatten den Schiedsrichter kurz nach 13.30 Uhr in seinem Zimmer entdeckt. Am Nachmittag hatte Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), den "ungeheuren Druck auf unsere Schiedsrichter" bereits als möglichen Auslöser der Tat ins Gespräch gebracht.

Am Montagnachmittag hatte die Kölnische Rundschau unter Berufung auf einen hochrangigen Ermittler der Kölner Polizei berichtet, private Probleme seien der Auslöser für Rafatis Tat gewesen. Der Beamte bezog sich dem Bericht zufolge auf die Notizzettel, die in Rafatis Hotelzimmer gefunden wurden. "Es geht nicht um Überforderung im Fußball", sagte der Polizist laut Kölnischer Rundschau. Noch am gleichen Tag teilte der DFB nach Absprache mit Menke mit, Rafati habe sich in stationäre Behandlung begeben. Zudem verbreitete der Verband den von Rafatis Anwalt übermittelten Wunsch, "in enger Abstimmung mit dem DFB die Vorgänge ganz in Ruhe aufarbeiten zu wollen".

Nach Mitteilung seines Anwalts am Freitag hat sich Rafati nun entschieden, mit seiner Krankheit "offen umzugehen und sich ihr zu stellen." Der 41 Jahre alte Niedersachse mit iranischen Wurzeln werde sich in fachärztliche Behandlung begeben, um die Ursachen der Depressions-Erkrankung therapieren zu lassen. "Wie lange dies dauern wird, ist derzeit nicht absehbar", heißt es in der Mitteilung von Menke. Eines steht darin auch: Babak Rafati wünsche sich, dass er am Ende einer erfolgreichen Therapie "in sein normales Leben" zurückkehren könne - "auch als Schiedsrichter".

Autor: sid

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