Die Vorgänger von Jürgen Klinsmann haben im Fachblatt kicker Kritik am neuen Bundestrainer geäußert. Jupp Derwall forderte mehr Engagement, schließlich sei die Arbeit des Bundestrainers

Derwall und Co. üben Kritik an Klinsmann

ar
09. September 2004, 14:55 Uhr

Die Vorgänger von Jürgen Klinsmann haben im Fachblatt kicker Kritik am neuen Bundestrainer geäußert. Jupp Derwall forderte mehr Engagement, schließlich sei die Arbeit des Bundestrainers "kein Nebenjob."

Bundestrainer Jürgen Klinsmann steht in der Kritik seiner Amtsvorgänger, die im Fachblatt kicker zum Teil erhebliches Unverständnis über dessen Amtsführung äußerten. Franz Beckenbauer erklärte: "Jürgen Klinsmann hat Wert darauf gelegt, Bundestrainer genannt zu werden. Dann muss er wissen, dass er alle Aufgaben, die zu diesem Job gehören, erledigen muss. Es wäre klüger gewesen, sich Teamchef zu nennen wie ich zu meiner Zeit. Meine Aufgabe war die A-Mannschaft, daneben standen die Trainertagungen, das war's".

"Der Bundestrainer sollte sich auch weiterhin maßgebend in die Trainerausbildung, speziell der Fußballlehrer, sowie in die Nachwuchsförderung einbringen und grundsätzliche sportliche Strategien entwickeln. Sollte Jürgen Klinsmann dafür keine Zeit haben, muss Ersatz mit Kompetenz und Einfluss gefunden werden, damit diese Themen mit der nötigen Power bearbeitet werden", meinte Berti Vogts: "Ich hoffe und weiß, dass es einige Vernünftige beim DFB gibt, die davon ausgehen, dass auch nach 2006 weiter Fußball gespielt wird."

Bundestraineramt erfordert "doppelte Anstrengung"

Auch Jupp Derwall fordert mehr Engagement. "Die Arbeit des Bundestrainers darf kein Nebenjob sein, zumindest war er zu meiner Zeit ein Fulltime-Job. Deshalb wundere ich mich, wie das in den nächsten zwei Jahren funktionieren soll. Gerade in der jetzigen Situation, in der es gilt, eine große Nationalmannschaft für ein Turnier im eigenen Land aufzubauen, ist eine doppelte und nicht halbe Anstregung nötig", sagte der Ex-Bundestrainer (1978 bis 1984).

"Es wäre zu meiner Zeit undenkbar gewesen, als Bundestrainer nur zu den Spielen zu kommen. Wenn das heute Usus ist, muss ein anderer Mann gefunden werden, der die tausend Dinge bearbeitet, die mit diesem Job zusammen hängen. Und wenn ich hier in Fuerteventura die Nummer mit den US-Trainern lese und die Bundesliga-Trainer jetzt mit den Nationalspielern vor und nach dem Training Sonderschichten einlegen, so kann ich das überhaupt nicht glauben. Wenn das stimmt, ist das absolut lächerlich", ergänzte Erich Ribbeck.

Autor: ar

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