100 Jahre Rot-Weiß Essen

31. Januar 2007, 10:32 Uhr

Die Situation ist nicht neu.

Die Situation ist nicht neu. Auch am 1. Februar 2007, exakt 100 Jahre nach der Gründung des Traditionsvereins im Kohlenkeller der Essener Familie Melches, befindet sich Rot-Weiß Essen wieder in einer Situation, wie sie der derzeitige Fußball-Zweitligist mehr als einmal durchgemacht hat. Der Verein schwebt ein halbes Jahr nach seinem Aufstieg wieder einmal in akuter Abstiegsgefahr. Kein Grund freilich, das runde Jubiläum mit einer großen Fan-Party am Mittwoch und mit einem offiziellen Festakt in der Philharmonie Essen sowie mit einer abendlichen Gala in der Grugahalle am Donnerstag mit Trauermiene zu begehen. Aufgeben war nie angesagt in der teilweise turbulenten Geschichte des Fußballvereins aus dem Essener Norden.

`Die harte Arbeit, die unsere Fans erwarten, zu denen über Jahrzehnte hinweg viele Bergleute zählten, wollten wir immer wieder abliefern´, sagt der frühere Geschäftsführer Paul Nikelski, der dem Verein 34 Jahre diente. Das Ziel wurde nicht in jedem Jahr erreicht. RWE pendelte zwischen der 1. und sogar der 4. Liga. Dreimal stieg der Verein von der Essener Hafenstraße in die Bundesliga auf, der man insgesamt sieben Jahre angehörte. Fünfmal gelang der Aufstieg in die 2. Liga. Die größten Erfolge liegen lange zurück. 1953 wurde Rot-Weiß Essen durch einen 2:1-Erfolg gegen Alemannia Aachen in Düsseldorf DFB-Pokalsieger. Zwei Jahre später, 1955, waren die Essener nach einem 4:3-Sieg in Hannover gegen den 1. FC Kaiserslautern sogar deutscher Meister. Trainer war die Schalker Legende Fritz Szepan.

Zwei Zwangsabstiege aus der 2. Bundesliga (1991 und 1994) waren die Folge von finanziellen Schwierigkeiten. Der Gewinn des Titels eines deutschen Amateurmeisters 1992 wird in den Annalen des Vereins nur am Rande erwähnt. Große Spieler machten bei RWE Karriere, darunter Helmut `Boss´ Rahn, August Gottschalk, Heinz Wewers, Franz `Penny´ Islacker, Nationaltorwart Fritz Herkenrath und Otto Rehhagel. Das Georg-Melches-Stadion an der Essener Hafenstraße war außerdem immer wieder Entdeckungsstätte von überragenden Torjägern. Neben WM-Held Helmut Rahn (zwei Treffer beim 3:2-Finalsieg 1954 gegen Ungarn) stürmten unter anderem Willi `Ente´ Lippens sowie Manfred Burgsmüller, Horst Hrubesch, Frank Mill und Jürgen `Kobra´ Wegmann jeweils zu Beginn ihrer Profi-Karriere für die Rot-Weißen.

Beim Festakt in der Philharmonie werden zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und Sport dem Traditions-Klub persönlich gratulieren. Auch bei der Geburtstags-Gala wird die Rot-Weiß-Familie vor allem von Erinnerungen an vergangene Zeiten schwärmen. Besonderer Höhepunkt wird die Vorstellung der Mannschaft des Jahrhunderts sein mit ihrem Trainer Jürgen Röber (heute Borussia Dortmund). Er hatte seine Profi-Karriere 1991 bei RWE beendet und den Kult-Klub von der Hafenstraße 1992 zur Amateur-Meisterschaft und ein Jahr später zum Zweitliga-Aufstieg geführt.

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