RWE: Früher wurde um Kohle gezockt, heute tut es richtig weh

og
28. Juli 2006, 17:11 Uhr

Richtig heiße Ohren! Irgendwie hatten diese Szenen etwas absurdes. Aber vielleicht hat Schmerz etwas motivierendes? Immer wieder fanden sich Essener Akteure zu dritt oder viert zusammen, man hielt den Ball hoch. Nach drei mangelhaften, technischen Leistungen eines Teilnehmers musste dieser erdulden, dass die anderen ihm das Ohrläppchen malträtierten.

Richtig heiße Ohren! Irgendwie hatten diese Szenen etwas absurdes. Aber vielleicht hat Schmerz etwas motivierendes? Immer wieder fanden sich Essener Akteure zu dritt oder viert zusammen, man hielt den Ball hoch. Nach drei mangelhaften, technischen Leistungen eines Teilnehmers musste dieser erdulden, dass die anderen ihm das Ohrläppchen malträtierten. Florian Thorwart, Ferhat Kiskanc, André Maczkowiak und Pascal Bieler können davon ein Lied singen, auch der mit einer neuen, gewagten Kurzhaarfrisur windschnittig daher kommende Stefan Lorenz, der den Schopf aufgrund einer verlorenen Wette gegen Arie van Lent abrasieren lassen musste. Der Holländer legte selbst Hand an. Es ist nicht überliefert, ob er dabei zartfühlend war. Garantiert ist nur: Das Ohrenspielchen zwiebelt so richtig. "Ich möchte gar nicht wissen, wer das erfunden hat", kam manchmal auch Coach Uwe Neuhaus nicht aus dem Kopfschütteln heraus. Auf die Frage, was denn zu seiner aktiven Zeit bei solchen Sequenzen zur Debatte stand, grinste Neuhaus breit und meinte knochentrocken: "Wir haben so was immer um Geld gemacht." Klar ist für den Fußball-Lehrer: "Ich hoffe, die Jungs sehen nicht irgendwann aus wie ein Ringerteam, die haben doch alle Blumenkohlohren."
Bieler erläutert, wie das bei Hertha BSC war: "Wir haben das in Berlin immer noch eine Spur härter getrieben. Wenn einer einen Fehler machte, musste er bis zur Mittellinie laufen, wenn man dann aus der Puste ist, wird man sofort wieder angespielt." Der nächste Aussetzer folgt. Die Essener Version lässt die Löffel glühen. Bieler: "Die Dinger will keiner unbedingt hinhalten, das tut schon ein paar Sekunden richtig weh." Was nicht kaputt macht, macht härter. RWE wird es gebrauchen können. Bieler: "Auch bei dieser Übung muss man sich richtig konzentrieren." In den Trainingsablauf wurde es im Bad Lippspringe nicht offiziell eingebaut, die Kicker nahmen sich vor und nach dem Programm Zeit.
Und manche animierte es, mitzumachen. So zum Beispiel den Obmann Jürgen Grundheber, der sich ein verbissenes Privatduell mit Team-Betreuer Marcel Müller lieferte. Der wollte allerdings einmal nichts davon wissen, sich auch bestrafen zu lassen und ergriff die Flucht, so dass "Gründel" sich zur Jagd stimuliert fühlte. Beim gewichtigen Paragraphen-Kenner sah man ansatzweise tatsächlich schnellkräftige Tendenzen - allerdings nur einen Ansatz.

Autor: og

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