RWE: Gallen-OP bei Ernst - Gelsdorf-Interview

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30. August 2004, 12:41 Uhr

Zwei Zähler auf dem Konto, 270 Meisterschaftsminuten absolviert, noch kein Heimspiel gewonnen, einmal auswärts bestanden. Durchwachsene Bilanz des Aufsteigers Rot-Weiss Essen.

Zwei Zähler auf dem Konto, 270 Meisterschaftsminuten absolviert, noch kein Heimspiel gewonnen, einmal auswärts bestanden. Durchwachsene Bilanz des Aufsteigers Rot-Weiss Essen. Reagiert hat RWE-Coach Jürgen Gelsdorf (heute beim Match MSV - RWO, am Montag bei Köln - Frankfurt) bereits vor der Partie gegen RW Erfurt. Die Schlüsselposition Torhüter wurde geändert. Robert Wulnikowski fand sich auf der Bank wieder, René Renno übernahm. Im Sturm tauschten Daniel Teixeira und Sebastian Schoof, auch Sven Lintjens rutschte ins Team, Ramazan Yildirim schaute zu. Alles Gründe, sich mit dem Fußball-Lehrer zu unterhalten.

Jürgen Gelsdorf, in medias res, noch wurde der Bock nicht umgestoßen - korrekt?
Um dieses Erfurter Bollwerk zu knacken, muss man das Tor machen. In der ersten Halbzeit kamen wir nicht zum Schuss. Sieben, acht Meter vor dem Tor muss einfach was passieren.

Die Euphorie weicht der nüchternen Bestandsaufnahme - oder?
Natürlich, diese Begeisterung war aber da, man konnte alles in den 20 Start-Minuten gegen Aue sehen, dann kassierten wir die Tore, lagen plötzlich zur Halbzeit mit 0:4 hinten. Hätten wir Aachen im Pokal geschlagen, würden meine Jungs noch anders auftreten.

Sandro Schwarz steigerte sich. Stimmen Sie zu?
Durchaus, Sandro muss einfach spielen, er holt sich dadurch das Stehvermögen, er braucht die Matches, um das Tempo aufzunehmen, er hatte natürlich noch unglückliche Aktionen.

Sie haben einige Änderungen vorgenommen!
Ich bin eigentlich kein Freund von Wechseleien, ohne Not mache ich das nicht. Aber wir mussten uns bislang immer wieder neu orientieren, dieses Team muss sich finden.

Sie rechneten vor dem Match gegen Erfurt mit dem von seiner Knie-Athroskopie genesenen Silvio Pätz.
Ja, allerdings kam er nach der Trainingswoche zu mir, war total erledigt, hing total durch und spürte leicht sein Knie, so machte das keinen Sinn. Auch Ronny Ernst fiel kurzfristig aus...

...unterzieht sich am Dienstag einer Gallenstein-OP...
und fällt erst einmal aus. Der Test gegen Bochum muss genutzt werden, weitere Praxis zu vermitteln...

...so zum Beispiel für Stürmer Ryan Thomson...
Wir müssen die nächsten 14 Tage nutzen, um weiter zu kommen, noch treiben wir zu viel Aufwand, um etwas zu erreichen, die Abstimmung ist noch nicht da, es wird vernünftig trainiert.

Ihr Statement bleibt: "Ich stehe immer hinter meinen Keepern." Trotzdem wechselten Sie.
Diese Aussage ist auch richtig. Ich hatte mir alles im Training noch einmal angeschaut, hatte den Eindruck, Robert setzt sich zu sehr unter Druck. Man erkannte keine Gelassenheit, sondern eine gewisse Unruhe, manchmal ist so etwas schwer zu erklären. Ich war mir sicher, ich kann mich auf René 1000-prozentig verlassen. Klar ist, es wird jetzt keine Rotation geben. Ich erhoffe mir, im Team dadurch mehr Ordnung zu erzielen.

Wulnikowski wurde als klare Nummer eins erwartet - oder?
Für Robert sprach die Matchpraxis aus der 2.Liga bei Union Berlin, er absolvierte eine fehlerfreie Vorbereitung. René präsentierte sich in dieser Phase nicht dominant. Dann setzte Robert das erste Match gewissermaßen in den Sand, steigerte sich in Trier. Gegen Aachen war der erste Ball drin, es fehlte mir die auszustahlende Sicherheit.

Von Erwin Koen, der sich im dritten Spiel durch eine erneute unakzeptable Rangelei bereits seine dritte Gelbe Karte holte, darf jeder mehr erwarten - korrekt?
Erwin kam in der ersten Halbzeit gegen Erfurt nicht ins Spiel, er kam diesmal mehr aus dem Mittelfeld, er muss einfach Aktionen entwickeln, das ist noch nicht der Erwin der letzten Spielzeit.

Sidney darf sich nicht verstecken!
Er schwankt, manchmal habe ich den Eindruck, er ist total kaputt, dann ist er plötzlich wieder da, er muss mehr Konstanz zeigen.

Hoffnung auf den Dänen Peter Foldgast?
Wir haben ihn als Stürmer geholt, der einfach mehr Qualität hat. Ich baue darauf, dass er seine Achillessehnenprobleme in 14 Tagen auskuriert hat.

Was macht die Team-Psyche?
Ich habe nicht den Eindruck, es lässt sich irgendeiner hängen. Wenn die Resultate nicht stimmen, läuft man seiner Form hinterher.

Fakt: Kapitän Bjarne Goldbaek geht permanent voran, verließ stinksauer nach dem Schlusspfiff den Platz.
Er hat das Tempo und die Technik für die Klasse, ich hoffe, er kriegt keine Substanzprobleme. Allerdings merkt man jetzt schon: Hier ist bei den Jungs ein Eisbeutel, dort ist der nächste.

Autor: og

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