Man vergisst leicht, dass er mal zu dieser Gruppe junger Spieler gehörte, für die im Sommer des vergangenen Jahres das `Sommermärchen´ wahr wurde.

Bayerns Görlitz sieht das Ende seiner Leidenszeit

08. Januar 2007, 13:53 Uhr

Man vergisst leicht, dass er mal zu dieser Gruppe junger Spieler gehörte, für die im Sommer des vergangenen Jahres das `Sommermärchen´ wahr wurde.

Man vergisst leicht, dass er mal zu dieser Gruppe junger Spieler gehörte, für die im Sommer des vergangenen Jahres das `Sommermärchen´ wahr wurde. Jürgen Klinsmann war kaum Bundestrainer, da berief er Andreas Görlitz in die Nationalmannschaft. Zweimal ließ er ihn auch spielen, erst kurz gegen Brasilien, dann komplett in der Partie am 9. Oktober 2004 im Iran, wo der Außenverteidiger nicht nur mit der Vorlage zum Endstand von 2:0 überzeugte. Seitdem hat der 24 Jahre alte Profi von Bayern München aber kaum noch Fußball gespielt. Januar 2007. Andreas Görlitz, für alle nur der `Andi´, rennt über die wechselnden Trainingsplätze der Bayern in Dubai und kämpft. Kämpft um die Aufmerksamkeit von Trainer Felix Magath, kämpft darum, zunächst mal eine Alternative für Willy Sagnol zu werden, kämpft um einen Stammplatz, einen neuen Vertrag, seine Zukunft.

`Ich bin auf einem guten Weg´, betont er nach einer harten Einheit. Sein linkes Knie, das ihn mehr als zwei Jahre seiner Karriere gekostet hat, ist trotz der hohen Belastung `völlig in Ordnung´. 3. November 2004. Görlitz, der Jung-Nationalspieler mit dem Traum von der Teilnahme an der WM im eigenen Land, wird im Spiel der Champions League gegen Juventus Turin gleich mit Beginn der zweiten Halbzeit eingewechselt. Nur 20 Minuten später `macht es auf einmal peng, und alles ist kaputt, das habe ich gleich gespürt´. Im linken Knie ist das vordere Kreuzband gerissen, der Meniskus kaputt. Eine Leidenszeit von ungeahnter Dauer beginnt: Erst jetzt, mehr als zwei Jahre danach, steht Görlitz vor einer Rückkehr in die Bundesliga. Zunächst ging alles ganz schnell. Schon sechs Monate nach der Verletzung steigt Görlitz, zur Saison 2004/2005 innerstädtisch vom TSV 1860 zum FC Bayern gewechselt, nach einer Power-Reha wieder ins Training ein.

Doch gleich bei dieser ersten Übungseinheit verdreht er sich das Knie. Wieder Pause, wieder Reha. Im Januar 2006 ist er in Dubai beim Trainingslager der Bayern dabei, doch sein Knie hält die Belastung nicht aus. Diesmal, nach neuerlichen Rückschlägen und der fünften Operation am lädierten Gelenk, sieht er Land. Schlagzeug und Gitarre haben jetzt erst mal `nicht mehr den Stellenwert´ wie zuletzt. Görlitz hat beide Instrumente gelernt zu spielen, um nicht dauernd nur an Knie, Reha und Operationen denken zu müssen, um sich abzulenken. Jetzt ist endlich wieder Fußball die Hauptbeschäftigung. Im Training ist Görlitz, der sein Knie jedesmal zehn Minuten lang vorher `aufwärmen´ muss, engagiert und präsent wie kaum einer der Kollegen. `Es ist für mich sensationell, dass ich die Aussicht habe, wieder spielen zu können´, sagt er. Doch er will mehr. Für die Regionalliga-Mannschaft der Bayern hat er im vergangenen Halbjahr bereits zehn Spiele absolviert, jetzt ist er in den Profi-Kader zurückgekehrt, `und jetzt muss der nächste Schritt kommen´.

Also Bundesliga. Doch dort nur Einwechselspieler zu sein, wäre Görlitz, dessen Vertrag im Juni ausläuft, zu wenig. Eine Perspektive will er haben bei den Bayern. Trainer Magath sendet ihm immerhin viel versprechende Signale: `Ich habe die Hoffnung, dass er einer für die Start-Elf werden könnte.´ Wenn sich die Hoffnungen von Trainer und Spieler erfüllen, dürfte auch einer Verlängerung des im Juni auslaufenden Vertrages wohl nichts im Wege stehen. Für die Bayern wäre Görlitz damit eine Art Neuzugang für die kommende Saison.

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