Michael Schulz und die Autogrammkarten-Sau

jd
07. November 2006, 15:50 Uhr

Neues altes Gesicht. Michael Schulz ist den Fußballfans nicht nur als knallharter BVB-Verteidiger, sondern auch als ehemaliger DSF-Experte und "ran"-Reporter in bester Erinnerung. Seit Saisonbeginn arbeitet der 45-Jährige als Field Reporter für den Pay-TV-Sender arena.

Neues altes Gesicht. Michael Schulz ist den Fußballfans nicht nur als knallharter BVB-Verteidiger, sondern auch als ehemaliger DSF-Experte und "ran"-Reporter in bester Erinnerung. Seit Saisonbeginn arbeitet der 45-Jährige als Field Reporter für den Pay-TV-Sender arena. RevierSport unterhielt sich mit dem Ex-Nationalspieler, der von 1989 bis 1994 für die Borussen kickte und auch schon für Bremen und Kaiserslautern die Knochen hinhielt.

Michael Schulz, Sie haben bereits für die Sat1-Sendung "Ran" gearbeitet. Was ist jetzt anders als damals?

Wir wollen mit arena den Zuschauern das Spiel an sich näher bringen und keine unwichtigen Randgeschichten. Die Leute wollen Fußball sehen und nicht das Drumherum. 'ran' war dagegen die Sendung der bunten Bilder. Da ging es darum, einen Klops nach dem anderen rauszuhauen. Ein Vergleich fällt schwer, denn 'ran' hat in der Regel nicht live gesendet.

Wie bereiten Sie sich auf die Spiele vor?

Ich bekomme vor jedem Spieltag bestimmte Partien zugeteilt, auf die ich mich inhaltlich vorbereite. Da ich in Witten wohne, werde ich meistens im Raum Nordrhein-Westfalen eingesetzt. Das Verfolgen der wichtigsten Sportzeitungen oder das Sammeln von Infos auf den Homepages der Vereine oder Internetseiten wie transfermarkt.de ist dabei die Grundlage. Ergänzend werde ich durch Arena mit Statistiken versorgt, die ich unter der Woche studiere und auswerte.

[b]Ist die Tätigkeit für Arena ein Fulltime-Job?

Ich bin ja nicht bei Arena angestellt sondern Freiberufler und gehe auch anderen Beschäftigungen nach. Das Thema Fußball beschäftigt mich aber die komplette Woche über, da ich auch für die Spielerberater-Agentur Extratime und darüber hinaus für Fußballschulen arbeite. Ich nehme keine strikte Trennung vor, denn jede Info, die ich erhalte, kann ich ja in meine Arbeit einfließen lassen.

Sind Ihre persönlichen Kontakte im Fußballgeschäft von Vorteil, wenn Sie nach einem Spiel unangenehme Fragen stellen müssen?

Da ich seit Jahren in der Fußballszene aktiv bin, kenne ich die meisten Spieler persönlich. Natürlich hilft das, aber die Profis werden deshalb keine Interna raushauen, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Wenn ich nur dumme Fragen stellen würde, dann käme ich auf keinen grünen Zweig. Ein Vorteil ist aber, dass ich mich sehr gut in die Spieler reinversetzen kann und sie nicht nach Niederlagen mit einem Grinsen empfange.

Oft ist es gar nicht so einfach, als Moderator vernünftige Worte zu finden.

Das Spiel ist einfach, also sind nach dem Spiel auch einfache Fragen angesagt. Allerdings fehlen in der heutigen Zeit Spieler, die auch offen zu schlechten Leistungen stehen. Die Fähigkeit zur Selbstkritik ist bei den meisten Profis nicht sehr ausgeprägt. Es würde reichen, wenn ein Spieler nach einem schlechten Spiel hingehen und sagen würde: "Jungs, heute habe ich sc... gespielt." Wo liegt das Problem? Man lässt sich schließlich nach guten Auftritten auch feiern. Auf der anderen kann man von keinem Profi erwarten, dass er öffentlich Kollegen in den Dreck zieht.

Warum fehlt diese Selbstkritik vielen Spielern?

Zugegeben: Man empfindet als Spieler auf dem Platz gewisse Situationen komplett anders als beim Videostudium nach dem Spiel. Das ist teilweise brutal. Ich bin als Profi beim Betrachten mancher Szenen fast vom Stuhl gefallen. Vielleicht liegt das an der selektiven Wahrnehmung. Als Fußballer nimmt man während einer Partie nur das wahr, was man auch wahrnehmen will.

Aber auch die Trainer, zum Beispiel Hans Meyer, gehen regelrecht auf Konfrontationskurs mit den Medien.

Hans Meyer kenne ich sehr gut. Er hat einfach das Recht, auf dumme Fragen auch dumm zu antworten. Auch mein Ex-Trainer Otto Rehhagel war so ein Typ. Man konnte ihm aufgrund seiner Erfolge nichts anhaben. Reporter sollten stets kritisch nachhaken, es ist sogar eine Pflicht. Über die Penetranz einiger Journalisten kann ich allerdings nur den Kopf schütteln.

Man trifft Sie oft in der MSV-Arena. Für Duisburg-Fans waren Sie immer eine Reizfigur und sollen angeblich 1993/1994 im Auswärtsspiel des BVB an der Wedau den damaligen MSV- Mittelfeldmotor Uwe Weidemann übel gefoult haben. Rufen die Zuschauer eigentlich immer noch 'Schulz - du Sau!', wenn Sie den Innenraum betreten?

Man hört noch vereinzelte Rufe. Ich kann über die Geschichte inzwischen nur noch lachen und nehme sie mit Humor. Der Ausdruck "Schulz du Sau" hat sich über Jahre hinweg ja fast zu einem Kosenamen entwickelt, den auch Freunde mitunter verwenden. Auf meine letzten Autogrammkarten hatte ich sogar eine Sau drucken lassen. Irritiert hat es mich nur zum Saisonstart, als ich für das MSV-Spiel gegen Koblenz eingeteilt war. Sekunden vor meiner ersten Moderation standen drei Leute hinter mir, die permanent "Schulz du Sau" riefen. Da war ich schon etwas nervös. Allerdings kann man Leute, die völlig außer Rand und Band sind und das Thema nach fünfzehn Jahren neu aufrollen, nicht wirklich ernst nehmen.

Können Sie sich noch an die Szene erinnern, die zum Dauerzwist führte?

Soweit ich mich erinnern kann, hat der damalige MSV-Verteidiger Alfred Nijhuis mich gefoult. Es war kein normales Foul, sondern eines der härteren Sorte. Ich weiß bis heute nicht warum, aber auf einmal schrie die komplette Haupttribüne "Schulz du Sau". Die Rufer habe ich dann in Fernsehinterviews als "Idioten" bezeichnet. Dazu stehe ich heute noch. Das hat sich herumgesprochen, und ich wurde später sogar auch in anderen Stadien ohne konkreten Anlass ausgepfiffen. So etwas hat mich immer gepuscht, aber mittlerweile ist das gegessen und abgehakt.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung Ihres Ex-Clubs Borussia Dortmund, über den Sie auch oft berichten? Der Start verlief nicht optimal.

Man darf nicht vergessen, dass der BVB kürzlich noch knapp vor der Insolvenz stand. Daher ziehe ich vor der Arbeit von Bert van Marwijk den Hut. Mit den Neuzugängen muss man Geduld haben. Der Eingewöhnungsprozess ist noch nicht abgeschlossen.

Autor: jd

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