Als einer der letzten kam Philipp Bönig zum Bus. Jeder Schritt fiel ihm schwer. Im Spiel war er zweimal am Boden und nach 83 Minuten ausgewechselt worden.

VfL Bochum

Philipp Bönig wie Gennaro Gattuso

06. April 2010, 14:47 Uhr

Als einer der letzten kam Philipp Bönig zum Bus. Jeder Schritt fiel ihm schwer. Im Spiel war er zweimal am Boden und nach 83 Minuten ausgewechselt worden.

Doch in Sachen Verletzung gab Bönig Entwarnung: „Ich war hundemüde, ich war einfach nur kaputt.“ Zuvor hatte er nämlich das getan, was dem mittlerweile dienstältesten VfL-Akteur (seit 2003) einen festen Platz in den Herzen der Fans eingebracht hat - er hat sich im VfL-Trikot wieder einmal bis zur Erschöpfung zerrissen. Und so fand auch Heiko Herrlich, der eigentlich nie einen Spieler in der Pressekonferenz hervorhebt, ein Wort des Dankes: „Bönig hat eine sehr gute Leistung gezeigt!“

Philipp Heerwagen, auch ein Ur-Bayer, ging sogar noch ein wenig weiter: „Der Pippo ist unser neuer Gattuso. Fantastisch, wie er sich nach so einer langen Pause in die Aufgabe reingekniet hat!“

Dabei musste Bönig erstmals in seiner VfL-Dienstzeit im defensiven Mittelfeld agieren. „Das habe ich zuvor in Bochum noch nicht mal in einem Freundschaftsspiel gemacht.“ Doch dann erinnerte sich der Bayer: „Ach ja, ich glaube früher beim MSV Duisburg habe ich zwei Mal auf der Doppelsechs gespielt.“

Bei aller Erschöpfung strahlte der Linksfuß: „Es ist einfach ein schönes Gefühl nach so vielen Monaten der Verletzung (Schambeinentzündung, Anm. d. Redaktion) wieder in der Startformation zu stehen. Und wenn man dann noch einen ganz wichtigen Punkt erkämpft, dann macht sich schon eine innere Zufriedenheit breit.“

Doch der bayerische Kämpfer war Manns genug, bei allen Glückshormonen die Augen vor der Gesamtleistung nicht zu verschließen: „Wir haben zwar gekämpft, aber fußballerisch war das einfach zu wenig. Mit so einer Leistung einen Punkt zu holen, das ist bei allem Einsatz schon sehr glücklich.“

Schon vor zwei Wochen, an seinem 30. Geburtstag, hatte Bönig auf sein Comeback gehofft. Doch damals entschied sich Herrlich gegen ihn, am Samstag im Breisgau war es dann endlich so weit. Und Bönig bewies, dass er allein schon auf Grund seiner Präsenz, seiner Akzeptanz im Team, aber auch auf den Rängen unbedingt in die Mannschaft gehört. Bestimmt wird Bönig nicht als großer Fußball-Ästhet in die Chroniken des Vereins eingehen, doch was Mannschaftsdienlichkeit und die aufopferungsvolle Bereitschaft, auch dann noch alles zu geben, wenn die Beine und der Körper es nicht mehr zulassen, dann erinnert das an einen der ganz Großen des Bochumer Fußballs: Ata Lameck.

Heerwagen fasste das vor der Abfahrt des Busses noch einmal zusammen: „Auch wenn Philipp nicht spielt, er ist ein absolut positives Element im Training und in der Kabine. Er hat sich bei den Fans längst einen Kultstatus erobert. Ich hoffe, dass er noch ein, zwei Jährchen dran hängt.“

Dazu sind die Weichen bereits gestellt. Angeblich soll es vor zwei Wochen schon eine erste Kontaktaufnahme zwischen Sportvorstand Thomas Ernst und Bönigs Berater gegeben haben. Lediglich die momentanen, sportlichen Schwierigkeiten haben dazu geführt, dass angesichts der Ungewissheit, für welche Liga man planen kann, sämtliche Vertragsgespräche derzeit auf Eis liegen.

Doch wetten, dass der VfL den Vertrag von Bönig zumindest um ein weiteres Jahr verlängern wird. Dazu bedurfte es nicht einmal einer Bestätigung am Samstag im Badenova-Stadion. Bönig schweigt zu diesem Thema. Das passt zu ihm, schließlich hatte er schon vor ein paar Tagen gegenüber RS erklärt: „Mit meinem Vertrag, das ergibt sich schon irgendwann. Jetzt zählt nur der Kampf um den Klassenerhalt.“ Allein schon wegen dieser Aussage sollte es an der Wichtigkeit des Philipp Bönig für den VfL nicht die geringsten Zweifel geben.

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