Selbst der WM-Boom machte den Ligapokal-Auftakt nicht zum Zuschauermagneten, doch zumindest sportlich befindet sich das Sorgenkind des deutschen Fußballs auf dem Weg der Besserung.

Ligapokal bleibt ein Sorgenkind

30. Juli 2006, 10:55 Uhr

Selbst der WM-Boom machte den Ligapokal-Auftakt nicht zum Zuschauermagneten, doch zumindest sportlich befindet sich das Sorgenkind des deutschen Fußballs auf dem Weg der Besserung.

Selbst der WM-Boom machte den Ligapokal-Auftakt nicht zum Zuschauermagneten, doch zumindest sportlich befindet sich das Sorgenkind des deutschen Fußballs auf dem Weg der Besserung. `Es ist ein sehr guter Wettbewerb, auch in Form dieser Doppelveranstaltung. Aber am besten wäre, wir holen den Ligapokal in die Veltins-Arena, da wäre immer volles Haus´, sagte Schalke-Manager Andreas Müller, nachdem seine Mannschaft mit einem 9:8 im Elfmeterschießen gegen Bayer Leverkusen das Halbfinale erreicht hatte. Dort erwartet den Titelverteidiger am Mittwoch das Prestigeduell bei Rekordmeister Bayern München.

Obwohl der Zuschauerzuspruch - offiziell 23.195 Besucher füllten die Düsseldorfer Arena nicht mal zur Hälfte - nur unwesentlich höher war als im Vorjahr, wird der Kampf um den ersten Titel des Jahres keineswegs mehr als unnötige Zusatzbelastung empfunden. `In Düsseldorf zu spielen ist besser als vor 5000 in einem kleinen Ort. Der Ligapokal hat einen sehr hohen Stellenwert´, erklärte Trainer Thomas Doll vom Hamburger SV, der sich nach dem 1: 0 gegen Hertha BSC Berlin über 700.000 Euro Prämie und ein Halbfinal-Nordderby gegen Vizemeister Werder Bremen am Dienstag (beide 20.30 Uhr/live bei Premiere) freuen kann.

Die Revanche für das letzte Spiel der Vorsaison wird bei den Anhängern sicher besseren Anklang finden. Zum Anpfiff von Teil eins des `Doubleheaders´ verliefen sich am Samstag in der Arena gerade einmal 8000 Fans. `Ob volle Hütte oder 2000 Leute, das ist doch eigentlich egal. Wir müssen Werbung für den Ligapokal machen und ihn so langsam hochschaukeln´, forderte Bayer-Neuzugang Sergej Barbarez, der von seinen ehemaligen HSV-Kollegen mit herzlichen Umarmungen begrüßt wurde. Und auf dem Spielfeld gab es in der Tat einiges zu sehen, besonders HSV-Debütant Vincent Kompany sorgte für Zungeschnalzen. `Ich glaube, dass er zu einer echten Waffe werden kann´, schwärmte Trainer Thomas Doll. Der Belgier Kompany hatte den Ball in der 37. Minute nach einem Freistoß von Rafael van der Vaart zum Siegtreffer über die Linie gedrückt. `Ich bin froh über das Tor und will jeden Tag besser werden´, meinte das 20 Jahre alte Supertalent dennoch bescheiden.

Eher für Amüsement sorgte dagegen die vorab angeordnete Trinkpause für die Spieler - nach einem gellenden Pfeifkonzert im ersten Spiel wurde bei später angenehmeren Temperaturen auch gleich wieder auf die Neuerung verzichtet. Kurios ging es später dann auch beim Elfmeterschießen zu: 22 Schützen mussten zum Punkt gehen, ehe ein Sieger gefunden war. Dennoch traten Fredrik Stenman und Marcelo Bordon nicht an - wegen einer Verletzung des Leverkuseners Stenman durfte auch Schalke einen Spieler zweimal schießen lassen. Insgesamt wirkten die Akteure nach der knallharten Vorbereitung bei schwüler Hitze zwar müde und ausgelaugt, aber spielerisch war das Niveau ansprechend.

Gähnende Langeweile und wütende Fans wie im Vorjahr gab es am Samstag nicht mehr. Und bevor der erste Ball getreten wurde, war das Ende einer Ära zu vermelden: Nach 155 Spielen und 65 Toren für die Hertha verlässt Paradiesvogel Marcelinho den Hauptstadtklub in Richtung Türkei. `Er hat große Verdienste um den Verein, aber ab und zu hat er auf die falschen Leute gehört. Das ist ein guter Abschluss´, erklärte Manager Dieter Hoeneß, nachdem der Brasilianer Einigkeit über einen Transfer zu Trabzonspor erzielt hatte.

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