Thomas Baelum hat sie kennengelernt, die positiven und negativen Seiten der Fußball-Medaille. Momentan riecht es nach Abstieg, doch der Duisburger Däne gibt nicht auf.

MSV- Baelum: "Dann können wir gleich aufhören"

24. März 2006, 10:43 Uhr

Thomas Baelum hat sie kennengelernt, die positiven und negativen Seiten der Fußball-Medaille. Momentan riecht es nach Abstieg, doch der Duisburger Däne gibt nicht auf.

1999 wurde er mit Aalborg BK dänischer Meister, für die U21 seines Heimatlandes lief er 18 Mal auf. Mit dem MSV Duisburg schaffte er im letzten Sommer den Aufstieg und erfüllte sich seinen persönlichen Traum: "Ich wollte unbedingt in der Bundesliga spielen."
21 Mal war ihm dieses Privileg mittlerweile vergönnt, in Zahlen ausgedrückt: 1.830 Minuten Platz-Präsenz des frischgebackenen Familien-Vaters. Doch Erfolg sieht anders aus, die Zebras stehen auf dem bedrohlichen vorletzten Rang, das Klassenziel ist erheblich in Gefahr. "So", sagt "Baele", "so will ich meine erste Saison in der höchsten deutschen Liga nicht beenden. Ich bin in meinem Leben noch nie abgestiegen, ein Absturz würde meinem Stolz sehr weh tun." Der Verteidiger vermutet: "So etwas nimmt man viele Jahre mit, das ist eine Pleite fürs Leben, da denkt man immer wieder daran zurück. Das ist vergleichbar mit einer Meisterschaft, die bleibt ebenfalls immer im Gedächtnis. Nur positiv."
Noch kann der MSV den Totalschaden abwenden, auch wenn im Fan-Lager immer mehr Pessimismus Einzug hält. Irgendwo verständlich, schließlich geben Abschüsse wie in Nürnberg (0:3) oder zuletzt Frankfurt (2:5) überhaupt keinen Anlass zur Hoffnung. Bealum: "Wir haben gemerkt, wie enttäuscht die Fans sind, sie haben nach der Rückkehr aus Frankfurt auf unsere Ankunft gewartet. Ich kann versichern, dass wir Spieler genau so am Boden waren wie die Anhänger."
Thomas Baelum nahm die Packung, bei der er kräftig mit drin hing, ziemlich mit. "Der Sonntag und der Montag waren total schlimm", räumt er ein, "da habe ich mich total leer gefühlt, es war alles schwarz und dunkel, man ist deprimiert. Als wir am Dienstag wieder trainiert haben, richtete sich der Blick nach vorne, da hat man das nächste Ziel vor Augen. Wir müssen uns einfach gegenseitig anspornen und pushen. Jedes Mal, wenn wir in der Vergangenheit auf die Fresse gekriegt haben, sind wir aufgestanden und haben wieder gepowert. So muss es auch diesmal sein."
Ausgerechnet gegen Bayern München, ausgerechnet gegen die Star-Truppe von der Isar? "Ja", sagt der Abwehrrecke, "in der heimischen Arena sind wir eine ganz andere Mannschaft als auswärts. Ich glaube, es wird diesmal nicht so einfach für die Bayern, wie es im Hinspiel gelaufen ist. Da hatten wir beim 0:4 keine Chance." Der 27-Jährige stellt klar: "Man geht immer in ein Spiel und will gewinnen. Das ist gegen Nürnberg genau wie gegen den FC Bayern. Gerade gegen die großen Gegner haben wir eine Chance, wir werden sicher nicht 80 Prozent Ballbesitz bekommen, aber es geht darum, sich richtig gut zu verkaufen. Wir müssen unbedingt zu den kämpferisch hervorragenden Auftritten zurückkommen, dann werden es auch die Favoriten schwer gegen uns haben." Resignation oder Aufgabe ist für "Baele" trotz der prekären Brisanz-Lage ein Fremdwort: "Wenn wir jetzt sagen, das war's, können wir gleich aufhören. Dann muss ich mir als Profi-Fußballer einen neue Branche suchen, dann bin ich hier falsch."
Mit seinen eigenen Auftritten konnte sich der Verteidigungs-Minister, der seine Souveränität aus dem Vorjahr merklich eingebüßt hat, nicht einverstanden erklären. "Ich habe in Stuttgart, als mich Jürgen Kohler zur Pause eingewechselt hat, eine gute Leistung gezeigt, auch beim 0:0 gegen Hannover war ich mit mir zufrieden. Doch der Auftritt in Frankfurt war von mir unglaublich, ich habe noch keine Stabilität in meinen Leistungen." Seine Zukunfts-Planung hat "Baele" erst ein Mal zurückgestellt, obwohl der Kontrakt im Sommer endet. "Ich hatte hier zweieinhalb Super-Jahre. Sicherlich mit Höhen und Tiefen, aber ich fühle mich wohl beim MSV. Momentan konzentriere ich mich nur auf den Klassenerhalt, danach sehen wir weiter. Ich hoffe, dass wir in den letzten Spielen noch einige Höhen erleben." Nur dann würde Baelums Bundesliga-Traum sich nicht in ein Trauma verwandeln...

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