Der unverlangte Traum

24.07.2018

VfB Homberg

Der unverlangte Traum

Foto: Markus Joosten

Niemand beim VfB Homberg fordert das Team dazu auf, noch einmal so überragend zu spielen wie in der vergangenen Saison. Doch die Hoffnung auf eine gelungene Spielzeit ist da.

Die Traumblase platzte erst kurz vor der Landung am Rheindeich. Bis zum drittletzten Spieltag redeten die Oberliga-Kicker des VfB Homberg in der letzten Saison ein Wort um den Aufstieg mit. Am Ende einer Rückrunde mit nur einer Niederlage stand ein dritter Platz – ebenso das beste Ergebnis einer Homberger Oberliga-Mannschaft wie die dazugehörige Punktzahl von 63. Nicht nur für Stefan Janßen ist dieses Abschneiden der Gelb-Schwarzen im zweiten Jahr nach dem Aufstieg „sensationell“.

Und es ist eben auch so sensationell, dass der Trainer mit Blick auf die von allen Seiten gestiegenen Erwartungen vor der neuen Saison gleich etwas klarstellt: „Es macht wenig Sinn, erneut so eine Platzierung zu verlangen. Vor diesen Karren lasse ich mich nicht spannen.“

Dass seine Trainerkollegen den VfB in einer Favoritenrolle sehen, kann er schon nachvollziehen. Und er möchte auch kein Spielverderber gegenüber den zurecht euphorischen Fans sein. „Wir wollen den VfB weiter in der Oberliga etablieren und natürlich hätte ich auch nichts gegen eine Wiederholung. Aber niemand im Verein verlangt sie. Da sind wir alle geerdet.“

Etablieren klingt ja auch schonmal anders, als so früh wie möglich die Klasse zu sichern, wie das Ziel in den letzten beiden Jahren lautete. „Und wir sind auch selbstbewusst genug, zu sagen, dass wir jeden schlagen können“, so der Coach. „Genauso gut können wir aber auch gegen jeden verlieren.“ Und so kommt er zu einem Fazit, dass wohl jeder schon einmal gehört hat, der mit Stefan Janßen zu tun hat: „Der Erfolg kam im letzten Jahr nicht von allein, und er wird auch in dieser Saison nicht von allein kommen. Erfolg ist das Produkt harter und kontinuierlicher Arbeit.“ Dazu sind der Trainer und sein Team bereit.

Was den Favoritenzettel angeht, verweist der Coach zudem auf Vizemeister Schonnebeck und die weitere Konkurrenz, der „teilweise ganz andere Mittel zur Verfügung stehen. Man muss ja nur mal schauen, was sich beim TSV Meerbusch oder der SSVg Velbert getan hat.“ Wie auch der 1. FC Kleve sind die Meerbuscher für Janßen keine gewöhnlichen Aufsteiger, sondern eher vom Format des letzten Meisters SV Straelen. Ohnehin schätzt der Trainer „die fünf Aufsteiger in Summe stärker ein als die Vereine, die gegangen sind“ – was somit auch für die Liga gilt.

Neue Talente sind gekommen

Doch auch sein Team könnte als noch stärker angesehen werden. Die Abgänge von Abwehrchef Julian Dusy und jüngst Ferdi Acar, der dem Vernehmen nach sogar bei Drittligisten im Gespräch sein soll – und dem „in Homberg immer die Türen offen stehen“, so Janßen – sind herbe Verluste. Doch der Rest des Stammpersonals ist geblieben, neue Talente sind gekommen. „Mit Felix Clever und Marvin Roch haben wir die Lücken in der Abwehr gut gefüllt, mit Emre Demircan und Mario Knops, die im Mittelfeld. Natürlich werden die letztjährigen U-19-Spieler teilweise noch etwas Zeit brauchen. Aber wir haben viel frisches Blut, auch in der zweiten Reihe.“ So erhofft sich der Trainer einen gesunden Konkurrenzkampf der auch bei Kickern wie Valdet Totaj und Tevfik Kücükarslan „vielleicht zu einem weiteren Entwicklungssprung führt“.

Mit Markus Wolf haben die Homberger zudem einen erfahrenen Linksverteidiger dazugewonnen, der Jerome Manca vor einen harten Kampf im Stammplatzrennen stellen wird. Und dann darf sich der Trainer ja auch noch auf einen Danny Rankl von Beginn an freuen – wenngleich der Coach den Winterneuzugang nicht auf seine Torquote der Vorsaison von elf Treffern in zwölf Spielen festnageln will.

Dass sich die Neuzugänge so schnell integrieren, sei dem Kern der Truppe zu verdanken. Unverzichtbare Kicker wie Dennis Wibbe, der wie Justin Walker zu den Dauerbrennern der letzten Saison zählte und für Janßen „auch ohne Kapitänsbinde absolute Führungspersönlichkeit ist“, ermöglichten „nahezu automatisch eine hervorragende Integration“, sagt der Trainer.

In dieser Hinsicht tritt Stefan Janßen auch auf keinerlei Euphoriebremsen. „Unser großer Trumpf ist der Teamgeist in einer eingespielten Truppe. Der Teamgedanke steht für mich über allem“, sagt der Coach und schiebt nach. „Eine Grundvoraussetzung für den Erfolg haben wir damit schon einmal erfüllt.“ Stimmt dann noch der Feinschliff, darf am Rheindeich vielleicht doch wieder geträumt werden...

Autor: Sven Kowalski

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