16.03.2018

KFC Uerdingen

Ponomarev soll Spieler nachgeäfft haben

Foto: Micha Korb

Michael Wiesinger trat am 1. Juli 2017 beim KFC Uerdingen an, um die Krefelder in die 3. Liga zu führen. Am Donnerstag folgte sein Aus. Die Entlassung hat einen faden Beigeschmack hinterlassen.

KFC-Boss Mikhail Ponomarev betonte in der Vergangenheit immer wieder, dass er die Uerdinger nach oben bringen will. Einen Zeitraum gab er dafür aber nicht an. "Ich habe mich diesbezüglich nicht festgelegt. Vielleicht schaffen wir es in drei Jahren, vielleicht in zwei Jahren, vielleicht in vier Jahren. Wichtig ist, dass ich eine positive Entwicklung sehe. Sehe ich die nicht, werden wir analysieren, woran es liegt und die notwendigen Veränderungen vornehmen", ist eine von Ponomarevs Aussagen der jüngeren Vergangenheit.

Dass diese Worte im März 2018 auch Wiesinger betreffen könnten, hätte wohl bis Donnerstag (16. März) niemand für möglich gehalten. Der Aufsteiger verlor in dieser Spielzeit nur drei Pflichtspiele: zwei in der Liga und im Niederrheinpokal gegen Rot-Weiß Oberhausen.

Auch wenn das Spieljahr 2018 bislang nicht erfolgreich verlief - 3:3 in Wattenscheid, 1:1 gegen Verl, 2:2 in Essen - hätten wohl die Wenigsten damit gerechnet, dass am Samstag in Rödinghausen Wiesinger nicht mehr auf der KFC-Bank sitzen würde. Doch bei einem Chef wie Ponomarev darf man sich wohl nie zu sicher sein.

Wiesingers Vorgänger Andre Pawlak wurde nach dem Aufstieg in die Regionalliga freigestellt, Wiesinger nun nach Platz zwei und einem Last-Minute-Remis in Essen.

Keine Vertrauensbasis zwischen Wiesinger und Ponomarev

Ponomarev konnte das 2:2 nach einem 0:2-Rückstand nicht erfreuen - im Gegenteil: Der russische Geschäftsmann stürmte nach dem Abpfiff in die Kabine und knöpfte sich die Mannschaft vor. Nach Informationen der Westdeutschen Zeitung soll er dabei sogar einzelne Spieler nachgeäfft haben. Fußballlehrer Wiesinger (45) habe sich dann schützend vor Spieler und Mannschaft gestellt. Daraufhin befeuerten der Klub-Vorsitzende und der Trainer lautstark weiterhin ihre jeweilige Sicht auf Lage und Dinge. Diese Szenerie beschreibt die "WZ". Spieler, die von RevierSport auf diese Szenen angesprochen wurden, wollten sich zu diesen Vorkommnissen nicht äußern.

Auch wenn sich Ponomarev am Tag danach entschuldigt haben soll, war das Tischtuch spätestens nach dem Kabinen-Eklat in Essen zwischen dem Präsidenten und Trainer zerschnitten. Am Donnerstag entließ der KFC Wiesinger und präsentierte Stefan Krämer als dessen Nachfolger.

Für die Spieler kam die Trennung überraschend: "Das war schon ein Schockmoment, als ich das erfuhr. Ich kann über Michael Wiesinger nichts schlechtes sagen. Er ist ein toller Trainer, der es geschafft hat aus vielen neuen Spielern eine Mannschaft zu formen. Mich persönlich hat er besser gemacht. Dafür danke ich ihm. Trainer Wiesinger war immer fair und ehrlich. Das haben wir als Mannschaft geschätzt. Aber so ist das Geschäft. Wir haben da keinen Einfluss und respektieren auch die Entscheidung des Chefs", erklärt KFC-Stürmer Lucas Musculus gegenüber RevierSport. Oguzhan Kefkir, Mittelfeldspieler der Uerdinger, sagt: "Wir kamen mit dem Trainer sehr gut aus. Leider haben wir zuletzt nicht gewonnen. Mal schauen, ob der Trainerwechsel uns zurück in die Spur führt. In Rödinghausen am Samstag müssen wir gewinnen."

Die Mannschaft soll nach unseren Informationen am Donnerstagmittag mit einer Nachricht in der internen Whats-App-Gruppe von Geschäftsführer Nikolas Weinhart über die Wiesinger-Demission in Kenntnis gesetzt worden sein. Wiesinger konnte sich bei seinem Team nicht verabschieden. Dessen Co-Trainer Stefan Reisinger soll unter Krämer weitermachen.

Autor: Krystian Wozniak

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