28.06.2012

MSV Duisburg

Vereinslegende leidet an Alzheimer

Er hat den MSV Duisburg 1963 in die Bundesliga geschossen und Franz Beckenbauer bei Bayern München zu einer Weltkarriere verholfen. Doch das ist lange her.

Nun muss sich Dieter „Pitter“ Danzberg einer Herausforderung stellen, die kaum zu meistern ist: Die Duisburger Legende leidet an Alzheimer.

Danzberg hat viel erreicht in seinem Fußballerleben. Doch die größte Leistung hat er nach dem Ende seiner aktiven Karriere vollbracht. Er hat dafür gesorgt, dass sich die Größen des Revierfußballs nicht aus den Augen verloren haben. Danzberg hielt vereinsübergreifend den Kontakt und sorgte so dafür, dass sich zahlreiche Revier-Legenden seit dem Ende der siebziger Jahre jeden Mittwoch im Restaurant Mamma Leone in Duisburg treffen. Dank ihm geriet kein ehemaliger Spieler in Vergessenheit. Doch nun kämpft er selbst gegen das Vergessen.
[infobox-right]Zur Person Dieter „Pitter“ Danzberg (* 12. November 1940 in Duisburg) spielte von Kindesbeinen an für den MSV. Nachdem er 1959 mit der A-Jugend die westdeutsche Meisterschaft gewann, stieß er zur ersten Mannschaft. Mit drei wichtigen Toren hatte Danzberg 1963 großen Anteil an der Qualifikation für die Bundesliga. Dort kam er bis 1965 auf 15 Einsätze (ein Tor) für Duisburg und im Folgejahr auf zwei Spiele für Bayern München. Anschließend wechselte er zu Rot-Weiß Oberhausen und später zum Freiburger FC. Heute lebt er aufgrund seiner Demenzerkrankung im Altenzentrum Maria Lindenhof in Dorsten.[/infobox]
Es fing damit an, dass Danzbergs Kurzzeitgedächtnis nicht mehr richtig funktionierte: Hier an etwas nicht gedacht, dort einen Schlüssel vergessen. Es war recht harmlos und ließ sich mit Alterserscheinungen erklären. Doch es wurde immer mehr. „Manchmal hat er ganze Sätze wie eine Schallplatte wiederholt“, berichtet seine Tochter Gabriele. Schließlich stellte Dr. Hartmut Fahnenstich 2009 die bittere Diagnose: Alzheimer. Der Mediziner des Geriatrie-Zentrums des Essener Elisabeth-Krankenhauses sollte im Frühjahr 2012 zu einer großen medialen Aufmerksamkeit gelangen: Er behandelt auch den ehemaligen Schalker Manager Rudi Assauer.

Danzberg hatte seinen letzten großen Auftritt in der Öffentlichkeit derweil im März 2012. Damals besuchte er die Premierenfeier des Buches „Ata, Ennatz, Susi, Yyyves. 82 Köpfe des Revierfußballs“, weil er selbst einer dieser Köpfe ist. Er lachte mit seinen früheren Weggefährten, tauschte Anekdoten aus und freute sich, zu dem erlauchten Kreis dazuzugehören.
Zu diesem Zeitpunkt hatte er schon seinen Führerschein abgegeben, weswegen er seit Ende 2011 nicht mehr regelmäßig ins Mamma Leone kam und auch nicht mehr auf der MSV-Geschäftsstelle zwei Mal wöchentlich die Fanarbeit übernahm.

Doch nach der Veranstaltung nahm seine Krankheit Überhand. Vor knapp acht Wochen wurde offenbar, dass er pflegebedürftig ist: Danzberg zog in ein Seniorenheim in Oberhausen-Osterfeld. Am Dienstag ging es für ihn weiter ins Altenzentrum Maria Lindenhof in Dorsten. Hier teilt er sich mit seiner Ehefrau Erika, die unter beginnender Demenz leidet, ein Doppelzimmer. Und von hier aus sind es mit dem Auto nur fünf Minuten bis zum Haus seiner Tochter Gabriele.

Die sagt: „Mein Vater ist eigentlich ganz pflegeleicht.“ Denn anders als andere Demenzkranke verhält sich Danzberg nicht aggressiv. Eher im Gegenteil: „Von sich aus spricht er sehr wenig.“ Danzberg erkennt seine Familie und Freunde, er beantwortet auch noch die Fanpost und kann sich an seine Fußballerzeit erinnern, wenn man ihm alte Fotos reicht. Doch: „Drei Minuten nach dem Mittagessen weiß er nicht mehr, dass er gegessen hat“, sagt seine Tochter.

„Wenn man einen Menschen so lange kennt, ist es besonders traurig, ihn jetzt so zu sehen“, betont „Ennatz“ Dietz, der mit seiner Frau ebenso regelmäßig vorbeischaut wie Horst Franz. Sie werden nicht aufhören, ihn zu besuchen. Weil sie ihn mögen. Und weil sie ihm helfen wollen, nicht sich selbst zu vergessen.

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