05.07.2005

WSV Borussia: Ganz miese Tour mit Broos

Geht man so mit einem Urgestein um? Nach 14 Jahren beim WSV wurde der Vertrag mit Christian Broos, zuletzt als Scout tätig, nicht verlängert. Stattdessen wird mit dem Oberliga-Stürmer Ayhan Tumani ein völlig unbeschriebenes Blatt ins gemachte Nest gesetzt.

Geht man so mit einem Urgestein um? Nach 14 Jahren beim WSV wurde der Vertrag mit Christian Broos, zuletzt als Scout tätig, nicht verlängert. Stattdessen wird mit dem Oberliga-Stürmer Ayhan Tumani ein völlig unbeschriebenes Blatt ins gemachte Nest gesetzt. Offiziell, weil keine Einigung mit Broos erzielt werden konnte. Der Ex-Kicker mit zittriger Stimme: „Der Sportliche Leiter Dietmar Grabotin, Manager Thomas Richter und Trainer Uwe Fuchs haben mir die Hand drauf gegeben, dass mein Kontrakt verlängert wird, haben das auf Nachfrage auch beim Fan-Treffen bestätigt.“

Schnell wird klar, der 36-Jährige ist alles andere als ein Raffzahn: „Ich habe schon vor dem Gespräch freiwillig auf 30 Prozent meiner Bezüge verzichtet. In der Verhandlung bot Grabotin mir an, das Gehalt um über 80 Prozent zu kürzen. Darauf habe ich ihn gefragt, ob das ein Witz sei.“ Der Funktionär verneinte, die Verhandlungen waren geplatzt. Der Hintergrund: Auf der Geschäftsstelle wirkt künftig ein alter Freund Grabotins, für Broos bleibt kein Platz mehr. „Wenn man mir das vor zwei, drei Monaten gesagt hätte, hätte ich besser damit umgehen können. Zum jetzigen Zeitpunkt wird es ganz schwierig, einen neuen Verein zu finden.“

Vor einigen Wochen gab es Anfragen von zwei anderen Clubs. Die abgelehnt wurden, weil der WSV grünes Verlängerungs-Licht gab. Seitdem hat sich niemand mehr gemeldet – auch nicht die alten Weggefährten. „Von Uwe Fuchs bin ich enttäuscht, nach den fünf Pleiten zum Start hat er mich um Rat gebeten. Den habe ich ihm gegeben, es gab Umstellungen“, erklärt der Bochumer. Seitdem lief es, der Dank blieb aus: „Vor meiner Zeit gab es in Wuppertal keinen Scouting-Bereich. Ich habe die Datenbank aufgebaut, Berichts-Bögen erstellt. Nun habe ich meine Schuldigkeit getan. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Mir wurde gesagt, man will loyale Leute holen. Als ob ich nicht loyal gewesen wäre. Das Problem war wohl, dass ich ein ehrlicher Typ bin. Damit ecke ich bei einigen Leuten an.“ Lapidarer Kommentar des Trainers: „Finanzielle Gründe gaben halt den Ausschlag, ich muss die Entscheidung des Vereins mittragen.“

Merkwürdig nur, dass Präsident Friedhelm Runge nicht zu Gunsten seines langjährigen Angestellten einschritt. „Ich bin mit ihm 1991 gekommen, er war die ganze Zeit wie ein Vater für mich. Aber ich bin kein Typ, der gleich zum Präsidenten rennt. Wichtig ist, dass die drei Leute in der sportlichen Führung zu mir stehen.“ Das ist nun nicht mehr der Fall, aus offensichtlich fadenscheinigen Gründen. Broos geht die Sache sichtlich an die Nieren: „Mein Herz hängt am Verein.“ Ein wenig Ablenkung gibt es in der kommenden Woche, wenn er die B-Lizenz in Kaiserau baut. Und sich so vielleicht auch für andere Clubs interessant macht: „Ich will unbedingt im Fußball-Bereich bleiben, ob als Trainer oder als Scout – am liebsten bei einem Revier-Verein.“ Es ist ihm zu wünschen, dass er bald etwas findet. Für den WSV hingegen bleibt zu hoffen, dass sich die zweitklassigen Ambitionen mit dem noch nicht einmal drittklassigen Verhalten gegenüber verdienten Angestellten vereinbaren lassen.

Autor: gri

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