14.04.2010

Im RS vor 20 Jahren

Dirk Hupe – "Kölner Zeus" und "Obergott"

Im Rennen um die Meisterschaft haben die „Knappen“ vor kurzem die vielleicht entscheidenden Zähler gegen den FC Bayern liegen lassen.

Vor zwei Jahren schied der FC Schalke in der Champions League gegen den FC Barcelona aus. Im Scheitern war Schalke aber schon immer einer der ganz großen Klubs. Auch vor 20 Jahren.

Nur dass der Gegner seinerzeit auf einen etwas weniger klangvollen Namen hörte: Fortuna! Und zwar nicht Düsseldorf, sondern Köln... Der heutige NRW-Ligist spuckte den Königsblauen im April 1990 kräftig in die Aufstiegssuppe, obwohl Chefkoch Peter Neururer schon in Begriff war, die Brühe abzuschmecken.
[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/017/959-18553_preview.jpeg Der begossene Pudel der Woche: Peter Neururer[/imgbox]
Was war passiert? Lassen wir den schicksalshaften Moment am 10. April am besten jemanden schildern, der dabei war – um die ganze Tragik noch einmal mitfühlen zu können: Jörg Seveneik. „Es gibt Fußball- und andere Sportvereine, die haben schöne, unverfängliche Beinamen wie Eintracht, Kickers, oder Alemannia. Und dann gibt es da welche, die haben schon bei der Namensgebung an so ein Spiel gedacht, wie es am Dienstagabend im Südstadion stattfand. Die Kölner Gastgeber haben sich bei der Namensgründung schon die richtige Patin ausgesucht, denn Fortuna ist die Glückgöttin. Die Fortunen sind somit die Glücksgötter – und ihr Obergott, sozusagen der Kölner Zeus, war Mannschaftskapitän Dirk Hupe. Zweimal schleuderte er in den letzten zehn Minuten geballte Blitze ins Schalker Tor, wie er sie nie zuvor geschleudert hatte. Und die Schalker können jetzt über eine Namensänderung nachdenken – wie wäre es mit FC Unglück oder SC Pech?“

Seveneick hatte offenbar schon elf Jahre vor dem 19. Mai 2001 eine dunkle, unheilvolle Vorahnung...

„Vielleicht noch ein Bier“ – Frustbewältigung auf Schalker Art

Das Schöne am Leben und damit auch an Schalke ist, dass es immer weitergeht. Nach dem Motto: „Und wenn du denkst, es geht nix mehr, kommt von irgendwo ein Pilsken her.“ Mit dem Tiefschlag angemessen umzugehen wussten jedenfalls Egon Flad und Ingo Anderbrügge: „An Schlaf ist nicht zu denken. Vielleicht trinken wir noch ein Bier.“

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Das klingt immerhin nach Männerfreundschaft und Gemütlichkeit. Da weht im Saarland schon ein etwas anderer Wind: „Homburgs Trainer Sepp Stabel war krank, kurierte sich aus. Prompt gewann der Tabellenletzte mit Stabels Vertreter Michael Lenz beim Karlsruher SC mit 2:0. Als Stabel nun kundtat, nach Ostern wieder das Training leiten zu wollen, zeigte sich sein Präsident Manfred Ommer leicht pikiert: ‚Wenn Herr Stabel das so gesagt hat, war es sehr ungeschickt von ihm. Der FC Homburg wird seine Rückkehr zu verhindern wissen.‘“

Wer noch mehr Nachrichten aus der Rubrik „zum Stirnrunzeln“ braucht, bitte sehr: „Eine fahrbare Moschee wollte Gastgeber DDR der Fußball-Auswahl Ägyptens zum gestrigen Länderspiel in Karl-Marx-Stadt zur Verfügung stellen. Doch die Gäste lehnten dankend ab.“ Fahrbare Moscheen in Karl-Marx-Stadt, wenn das nicht der ultimative „Culture Clash“ ist, was dann?
Vielleicht das Engagement von Uwe Klimaschewski beim SV Darmstadt 98. „Klima“ war bei den „Veilchen“ gerade mal drei Tage im Amt (ja, dass erinnert frappierend an die „Ära Zylka“ als Schalker Drei-Tage-Präsident), bis er die Brocken hinwarf. Nach einer Meinungsverschiedenheit mit dem Vorstand trat der Coach vor die Mannschaft und verabschiedete sich mit den Worten: „Jungs, ihr packt das nicht!“

Es zu packen oder auch nicht, ist auch beim BVB anno ‘90 immer wieder ein Mords-Thema. Die exakte Frage lautet: „Kann Andreas Möller die Pfiffe von 40.000 Borussen-Fans verpacken?“ Die Schwarz-gelbe Anhängerschaft packt den „Turbo“ nämlich nicht in Watte. Und ein paar Jahre vor der berühmten „Schutz-Schwalbe“ greift Horst Köppel schon einmal zur „Schutz-Auswechslung“. Erst bekam er von den Mannschaftskameraden keinen Ball, dann von den Zuschauern keinen Beifall...

Eine „beleidigte Braunschweiger“ an der Lohrheide

Bei soviel negativem Karma empfiehlt sich ein Blick ins beschauliche Wattenscheid, man hat fast den Eindruck, nur an der Lohrheide wäre die Welt noch halbwegs in Ordnung. Die größte Sorge, die man dort hat, ist ein Gäste-Trainer, der auf der Pressekonferenz Kokolores erzählt.
[imgbox-right]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/017/960-18554_preview.jpeg Schnoppes der Woche/des Jahrhunderts: Heiner Brand.[/imgbox]
Braunschweig-Trainer Uwe Reinders entpuppt sich als beleidigte Leberwurst und halluziniert nach der 1:3-Pleite, dass seine Mannschaft „60 Minuten lang die bessere Mannschaft war und 3:0 hätte führen müssen.“ Das sieht aber nicht nur SGW-Zampano Hannes Bongartz anders, im prallgefüllten Presseraum wird Reinders‘ Einschätzung mit „spontanen Buhrufen“ quittiert.

Ansonsten ist das Vereinsgelände der 09er aber ein Hort der guten Laune – da pfeift sogar Zahnarzt Dr. Markus Merk auf Karies und Paradontose, „greift in die Fan-Tüte und angelt sich einen Schokoladen-Osterhasen.“

Ob sich auch ein paar MSV-Profis heimlich Zugang zu den Wattenscheider Katakomben verschafften, um ein paar Kalorienbomben abzugreifen, entzieht sich unserer Kenntnis. Unwahrscheinlich ist es aber nicht: „Normalerweise ist bei den Auswärtsfahrten der Zebras immer für gute Verpflegung gesorgt. ‚Lukullische Kreuzfahrten‘, war deshalb schon des öfteren von einigen begeisterten Spielern zu hören. Präsidenten-Gattin Irmgard Fischdick gibt sich immer besonders viel Mühe, tischt im Bus nicht nur Kaffee und Kuchen sondern auch diverse Salate auf. ‚Diesmal war in Sachen Verpflegung allerdings tote Hose, Frau Fischdick liegt im Krankenhaus‘, kommentierte Patrick Notthoff die letzte Auswärtsfahrt und wünscht der ‚Spitzen-Köchin‘ auch im Namen der Mannschaft ‚Gute Besserung‘.“ Und wir „Guten Appetit!“

[b]Lesen Sie in der nächsten Woche: „Lila Pause“, die umgekehrte Seite der Fußballschokolade.[/b]

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