Seit Jahren hat der VfL Bochum auf den Tag gewartet, wo er wieder in die Bundesliga aufsteigt. Jetzt war er da und trotzdem gab es Ausschreitungen. Und Schuldzuweisungen von beiden Seiten - den Fans und der Polizei. 

2. Liga

VfL Bochum: Offener Brief der Polizei vs. offener Brief der Fans

27. Mai 2021, 09:25 Uhr
Foto: firo

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Seit Jahren hat der VfL Bochum auf den Tag gewartet, wo er wieder in die Bundesliga aufsteigt. Jetzt war er da und trotzdem gab es Ausschreitungen. Und Schuldzuweisungen von beiden Seiten - den Fans und der Polizei. 

So viele Fans des VfL Bochum feierten den Tag des Aufstiegs. Zuhause, rund um das Stadion. Viele mit Bedacht aufgrund der Corona-Beschränkungen, aber einige eben auch nicht. Daher musste die Polizei nach dem Spiel gegen Sandhausen ein trauriges Fazit veröffentlichen: 


Demnach ahndete die Polizei in 70 Fällen das illegale Abbrennen von Pyrotechnik, zudem gab es elf Anzeigen wegen Sachbeschädigung und zwölf wegen illegaler Betäubungsmittel. Es sollen Flaschen, Pyrotechnik und Steine auf die Beamten geworfen worden sein. Insgesamt seien acht Polizisten verletzt worden, zwei davon sollen nicht mehr dienstfähig gewesen sein.

Doch auch die Fans der Bochumer sind sauer, erheben Beschuldigungen gegen die Beamten. Es gibt einen offenen Brief als Antwort auf einen offenen Brief der Polizei. Im Schreiben der Polizei heißt es unter anderem: "Was hat Freude zu tun mit Verletzten durch Flaschenwürfe, Steine, Scherben und gefährlicher Pyrotechnik? Was hat Freude zu tun mit einem riesigen Scherbenmeer auf den Straßen vor dem VfL-Stadion? Was hat sie zu tun mit Körperverletzungsdelikten, massiver Missachtung der aktuell geltenden Kontaktbeschränkungen, mit Widerstand gegen Polizeikräfte und Sachbeschädigung? Genau: rein gar nichts!"

Mit Blick auf die ersten Spiele in der Bundesliga hegt die Polizei eine Hoffnung: "Wir hoffen, dass beim ersten Spieltag des VfL in der Fußball-Bundesliga nicht nur die Leistung der Mannschaft Grund zur Freude ist, sondern auch das Verhalten aller Fans."

Am Tag nach dem Aufstieg meldete sich auch der VfL zu Wort und verurteilte die Ausschreitungen. "Angriffe auf Polizeikräfte, Körperverletzung, Sachbeschädigungen und ein massiver Einsatz von Pyrotechnik“ seien nicht zu akzeptieren, teilte der Klub am Mittwoch mit. „Wir wünschen allen Personen, die durch diese Vorfälle verletzt wurden, eine rasche und vollständige Genesung und sagen den Ordnungsbehörden bei der Aufklärung der Vorfälle unsere Unterstützung zu."


Doch die Bochumer Fanszene wollte das alles so nicht stehen lassen und veröffentlichte ebenfalls einen offenen Brief, in dem Vorwürfe gegen die Polizei erhoben wurden. Auf drei Seiten nahm man Stellung zu den Vorkommnissen am Sonntag. Demnach seien die Anhänger "zutiefst schockiert über das Vorgehen der Polizei", das nicht deeskalierend gewirkt habe wie im Vorfeld versprochen. Vorwürfe der Fans: Gewaltandrohung per Lautsprecherdurchsagen, auch wehrlose und bereits fixierte Menschen seien geschlagen und getreten worden. Das Fazit der Polizei fiel erschütternd aus, das der Anhänger auch: "Die Polizei hat am Sonntag auf voller Linie versagt und ist weder deeskalierend noch mit einem gesunden Maß aufgetreten. Die Verletzungen der anwesenden Personen wurden billigend in Kauf genommen."

Wobei den Verfassern des offenen Briefes, die auch die Medien und den eigenen Verein kritisieren, auch wichtig ist zu betonen, dass es natürlich daneben sei, wenn Flaschen und Steine in die Mengen geworden werden und die Fans das "in Zukunft dringend unterlassen werden muss."

Das wäre ein Baustein, um solche Konflikte in Zukunft zu vermeiden. Zum Schluss des Briefes geht es dann auch noch einmal um den Sport, um den es eigentlich gehen sollte. Die Fans gratulieren der Mannschaft und betonen, wie stolz sie auf das Erreichte sind: "Ihr wart überragend und wir freuen uns tierisch auf die Bundesliga."

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28.05.2021 - 14:00 - Stlooenterror

Ich kenne beide Seiten. Ich bin seit fast 40 Jahren Fan des VfL, mir geht es um den Verein und nicht um Selbstdarstellung. Daher bin ich eher auf der Seite der Polizei. Ich habe genug Ab- und Aufstiege erlebt, wer sich im Rahmen verhält hat nichts zu befürchten, doch einige "FANS" überschreiten regelmäßig Grenzen und dann greift die Polizei ein. Wie sie dann teilweise angegangen wird ist unterste Schublade und da sollte mal jeder seinen gesunden Menschenverstand einschalten, sie stehen immer wieder in Extremsituationen da um die Bürger zu schützen. Habe in den Jahrzehnten genug Situationen erlebt in denen ich heilfroh war dass die Polizei da war und mich beschützt hat. Wie die "Fans" sich in den Situationen da vielfach verhalten war unterste Schublade. Ich war heilfroh dass uns die Polizei am 03.04.2000 in Cottbus, wir waren glaube ich 54 Fans in der Kurve, vor über einigen hunderten "Fans" von Cottbus geschützt haben und uns sicher nach über einer halben Stunde im Stadion sicher begleitet haben zu unseren Fahrzeugen und auch die Abreise gesichert haben. Wenn die Polizei nicht gewesen wäre wäre keiner von uns Kurvenfans heile nach Hause gekommen und die Polizei musste einiges über sich ergehen lassen. Vielleicht sollten sich die Polizei mal komplett aus dem Fußball heraushalten und dann schreien genau die Leute nach der Polizei die sie jetzt verurteilen. Ich bin sowieso der Meinung dass für Fußball keine Steuergelder mehr verschwendet werden sollten. Sollen doch alle Vereine für die Sicherheit der Fans sorgen, falls im Umfeld eines Spieles dann irgendwelche Schäden entstehen muss jeder mit seinem Privatvermögen einstehen, keine Gelder aus der Krankenkasse, keine Steuergelder, keine staatliche Unterstützung. Vielleicht kommen die Leute dann mal auf den Gedanken an den Fußball zu denken und nicht um ihre Gewalt auf Kosten anderer auszuleben und sich nachher noch zu beschweren.

28.05.2021 - 12:19 - Bierchen

Danke an die Bochumer Fans für Ihren "offenen Brief"!
Ich kann mir schon denken was abging.

Aber ja hier im Forum nie hinterfragen.
Schön auf Linie bleiben!