31.10.2018

RL

RWE-Vorsitzender Uhlig hat "keine Minute bereut"

Foto: Michael Gohl

Am Donnerstag ist der Vorsitzende von Rot-Weiss Essen, Marcus Uhlig, genau ein Jahr im Amt.

„Erstmal auch von meiner Seite aus: Hallo.“ Das waren die ersten Worte, die Marcus Uhlig vor genau einem Jahr als neuer Vorsitzender von Rot-Weiss Essen ins Mikrofon sprach. An Allerheiligen feiert der ehemalige Bielefelder Einjähriges an der Hafenstraße. Nun steht Uhlig vor großen Herausforderungen. „Hoch 3“ läuft aus, die erste Mannschaft soll ausgegliedert werden, dazu die sportliche Herausforderung Rot-Weiss Essen endlich wieder in die 3. Liga zu führen.

Mit RS sprach der 47-Jährige über sein erstes Jahr an der Hafenstraße, die Zukunft nach „Hoch 3“ und über die Weiterverfolgung der Ausgliederung der Profi-Abteilung.

Marcus Uhlig, Sie haben als Kind davon geträumt für Rot-Weiss Essen zu spielen. Nun sind Sie seit einem Jahr Vorsitzender. Ist es so, wie Sie es sich vorgestellt haben?
Ja, ungefähr schon. Es macht nach wie vor total Spaß. Es ist anstrengend, aber das war vorher klar. Man hat zwar vorher eine ungefähre Vorstellung von einem großen, bedeutenden Klub wie RWE. Wenn man dann in die Themen eintaucht, merkt man, wie groß, breit und heterogen dieses Umfeld ist. Aber ich habe noch keine Minute bereut, bei Rot-Weiss Essen angefangen zu haben.

Vor 35 Jahren etwa haben Ihre Eltern Ihnen einen Wechsel als Jugendspieler noch verboten. Was sagt Ihre Mutter denn jetzt zu Ihrer Aufgabe in Essen?
(lacht) Meine Mutter will sich komischerweise an diese alte Anekdote nicht mehr erinnern können. Sie ist aber sehr interessiert an dem, was ich mache.

In Bielefeld hatten Sie aus gesundheitlichen Gründen aufgehört. War das ein Thema?
Ich habe vergangenes Jahr gesagt, dass ich mir mit der Entscheidung, für Rot-Weiss Essen zu arbeiten, ein Stück weit untreu geworden bin, weil ich mir eigentlich vorgenommen hatte, nie wieder im Fußball in der ersten Reihe zu arbeiten. Und das hätte ich in der Tat in keiner anderen Konstellation gemacht – außer bei RWE.

Was hat Sie denn am meisten überrascht?
Was mich überrascht hat und auch immer noch überrascht, ist diese Verhaftung von Teilen des Umfelds in der Vergangenheit - in der Tradition. Wir haben diese Historie, die wir durchaus wertschätzen. Aber sie darf niemals ein Hemmschuh sein. Nur weil Helmut Rahn hier gespielt hat und wir mal Deutscher Meister und Pokalsieger waren, werden wir davon aktuell nicht automatisch besser. Nur weil manche Gegner in kleineren Städten beheimatet sind, sind wir nicht automatisch Favorit. Diese Fokussierung auf alles, was nichts mit den aktuellen sportlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu tun hat, bringt uns nicht weiter. Wir leben im Hier und Jetzt und müssen uns den Aufgaben im Hier und Jetzt stellen. Das ist schwer genug.

Sie haben über Ihre Zeit in Bielefeld gesagt, dass von 47 Monaten 45 Monate Krisenbewältigung gewesen seien. War das in Essen bisher anders?
Schon, weil Rot-Weiss Essen nicht in einer existenziellen Krise ist. Die Schwerpunkte der Arbeit kann man da nicht vergleichen, auch wenn die Themen inhaltlich im Fußball ähnlich sind. Wir müssen gucken, dass wir sportlich den nächsten Schritt machen. Das ist ein langwieriger Prozess mit vielen Rädchen und Schrauben, an denen man arbeitet, damit immer mehr davon ineinander greifen. Immer mit dem Wissen, dass man budgetär limitiert ist. Ich denke, dass wir uns in der Tat weiterentwickelt haben, auch wenn wir nach dem starken Saisonstart von den Ergebnissen her in der Tabelle abgerutscht sind. Wir stehen sportlich besser da als vor einem Jahr, trotzdem haben wir noch sehr viel zu tun.

Kurz nach Ihrem Start gab es sofort die erste ungeplante Baustelle mit dem Abschied von Argirios Giannikis.
Das Thema hat uns in der Zeit sehr beschäftigt. Wir wussten, dass es eine wichtige Entscheidung ist, der Trainer ist schließlich einer der wichtigsten – wenn nicht der wichtigste - Vereinsmitarbeiter. Im Nachhinein war es wichtig und richtig und somit eine gute und richtige Entscheidung, dass wir uns in der Trainerfrage so viel Zeit gelassen haben und Karsten Neitzel für uns gewinnen konnten.






In den sozialen Netzwerken keimte zuletzt die Kritik auf, dass Sie bisher nur den Verwaltungsapparat weiter aufgeblasen hätten. Woher kommt dieser Vorwurf?
Das weiß ich nicht und es stimmt auch nicht. Im Gegenteil: Wir haben ihn deutlich kleiner gemacht. Vielleicht kommt das durch unsere neue Homepage, auf der auch alle Helfer und ehrenamtlichen Mitarbeiter aufgeführt werden. Die Personalkosten in der Verwaltung haben wir gesenkt. Ein Klub wie Rot-Weiss Essen, völlig egal, ob er in der fünften, vierten oder dritten Liga spielt, ist so groß und hat so viele Dinge zu bearbeiten wie Pressearbeit, Vertrieb, Sponsoring, Fanbetreuung, Merchandising oder Finanzbuchhaltung. Wenn wir in der fünften Liga spielen würden, könnte unser – ich nehme jetzt auch mal den Begriff - „Verwaltungsapparat“ nicht viel kleiner sein und in der dritten Liga wiederum müsste er nicht viel größer werden.

Ihr Streit mit Happo, der unter den Fans hoch angesehen ist, wurde dort auch diskutiert. Am Montag hatten Sie ein Treffen mit ihm. Wie ist das gelaufen?
Wir haben uns lange und gut unterhalten und haben die Missverständnisse ausräumen können. Ich mag und schätze Happo sehr, er ist so lange dabei und mit seinen ganzen Facetten und Aktionen ein sehr wichtiges Mitglied der RWE-Familie. Verabschiedet haben wir uns mit den Worten: „Wir sehen uns beim nächsten Heimspiel.“

Michael Welling soll sich in den Konflikt eingeschaltet haben. Haben Sie immer noch regelmäßigen Kontakt zu ihm?
Völlig unabhängig von der Geschichte mit Happo haben wir nach wie vor ein gutes Verhältnis zueinander, telefonieren und schreiben uns ab und zu. Ich habe hier und er hat in Mainz sehr viel zu tun, aber wenn es die Zeit zulässt, telefonieren wir und schreiben uns.

Eines der letzten großen Themen von Michael Welling war „Hoch 3“. Wie groß empfinden Sie dies als Bürde?
Bürde ist das falsche Wort. Es ist eine zentrale Aufgabe und Verantwortung, wie man Rot-Weiss Essen weiterentwickeln kann. Wenn man den Blick über den Tellerrand wirft auf die nächste Saison: „Hoch 3“ hatte uns für diese Saison eine gewisse Planungssicherheit gegeben im wirtschaftlichen Bereich aufgrund der relativ großen „Sponsoren- und Dauerkarten-Sicherheit“. Das fällt mit Blick auf die kommende Spielzeit erst einmal weg. Wir arbeiten aktuell an einem Konzept, wie wir uns ab Sommer 2019 aufstellen.

In welcher Größenordnung kann man sich die wegfallenden Einnahmen vorstellen?
An der Stelle möchte ich noch nicht über Zahlen sprechen. Man muss hier die Dinge immer in einem Gesamtzusammenhang sehen. Die Hauptaufgabe ist es, Rot-Weiss Essen konkurrenzfähiger zu machen, weiterzuentwickeln. Wir haben hier einen großen Klub mit einem großen Stadion, vielen Zuschauern und vielen kleineren und mittleren Sponsoren. Wir machen relativ viel Umsatz, haben aber auch dementsprechend höhere Kosten. Unsere Aufgabe muss sein, so viel wie möglich mehr zu erwirtschaften, um mit diesen Mehreinnahmen 1:1 den Sport weiterzuentwickeln. Erste Mannschaft und unsere Jugend, unser NLZ. Das wird in planerischer, strategischer Hinsicht der Schwerpunkt für die kommenden Monate: Wie bekommen wir Rot-Weiss Essen so aufgestellt, dass wir die Wahrscheinlichkeit auf sportlichen Erfolg erhöhen – insbesondere vor dem Hintergrund, dass uns mit dem Wegfall von „Hoch3“ ein Stück weit Planungssicherheit wegfällt. So kommt unweigerlich auch wieder das Thema „Ausgliederung“ in den Fokus.

Im zweiten Teil spricht Uhlig über das Thema Ausgliederung, die Arbeit mit den Sponsoren in der laufenden Saison und die Transferentscheidung, keine Spieler nachzuverpflichten.

Autor: Stefan Loyda

Kommentieren

02.11.2018 - 18:11 - Frankiboy51

Ruhig Jungs, ihr seit doch, jeder für sich, Einer von Achttausend.
Zumindest statistisch, in dieser h3 Saison.
Ich fürchte, nach Analyse dieser investigativen RS Fragestunde nach Aufforderung der (un)sozialen Medien, nächste Saison wird schwieriger, egal ob Verletzungen oder nicht passieren.

01.11.2018 - 17:35 - Sch'tis

Sorry, wir sind alle nicht Fehlerfrei. Mir geht aber die Hutschnur hoch, wenn hier User den anderen User auffordern zur Schule zu gehen, um dort Intelligenz zu lernen. Sorry, aber wenn man selber schreibt, als gehöre man zum Team von Fack yu Göthe, sollte man den Ball flach halten.

01.11.2018 - 14:45 - Ronaldo20

Wenn man die Wahrheit nicht vertragen kann soll man nicht im Boxkeller sondern zur Schule gehen um Intelligenz zu lernen

01.11.2018 - 14:14 - faser1966

@Ronaldo20 gehst du eigentlich in den gleichen Boxkeller, wie OBs Frankiboy ? Wer haut denn immer Wem vor die Boxbirne ? Ist ja unerträglich was du von dir gibst.

01.11.2018 - 13:17 - Ronaldo20

Bo was seid ihr alle schlau warum läst sich denn niemand auf der Jahreshauptversammlung wählen? Wenn ihr jetzt schon den Etar für die neue Saison kennt? Selten soviel Mist gelesen Intelligente Leute lachen nur darüber wenn Sie es lesen würden

01.11.2018 - 12:29 - rwe-pit

Wenn man zwischen den Zeilen liest, kann einem ja nur Angst und Bange werden. Nachdem unser Marketing Spezialist Welling mit Hoch 3 Sponsorengelder generiert hat , die unserer sportliche Leitung gnadenlos verbrannt hat, werden wir nächstes Jahr noch kleinere Brötchen backen müssen. Die wichtigste Frage die Herr Loyda unserem unsichtbaren Präsidenten hätte stellen müssen wäre gewesen: " Welche Sponsoren haben sie denn während ihrer bisherigen Amtszeit akquiriert"? Oder wurde die Frage gestellt und durfte nicht veröffentlicht werden?

01.11.2018 - 11:36 - trini010207

Was soll er auch anderes auf die Fragen antworten? Teil II könnte informativer werden. Stichwort Ausgliederung.

01.11.2018 - 09:46 - moselaner

Sehr informativ!jetzt weiss man genau soviel wie vorher,bin auf Teil zwei gespannt.

31.10.2018 - 21:15 - Herry 1907

Das einzige, was man aus dem Interview ableiten kann ist, dass RWE auch nächste Saison finanziell keine großen Sprünge machen kann und es immer mindestens 2, 3 andere Vereine gibt, die uns da deutlich voraus sind. Solange sich da nichts Entscheidendes tut, muss man schon verdammt viel, viel Glück haben, um irgendwann mal aufsteigen zu können. Meine Hoffnungen sind hierzu fast auf 0 gesunken. Eher steigen wir wieder in die 5.Liga ab.

31.10.2018 - 18:49 - faser1966

Die eigentliche Frage ist doch, Was soll Er denn bereuen???

31.10.2018 - 18:45 - faser1966

Ja, dass ist unser großer Macher. Nur gemacht wird nichts. Und jetzt fallen noch die Verarschungsgelder mit Hoch 30 weg. Auch das noch. Ein Inhaltloses Interview.

31.10.2018 - 18:10 - Franky4Fingerz

Ah! Das ist also der große Macher im Hintergrund!

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