11.10.2018

Ballack

Mannschaft stellt sich hinter Löw

Foto: dpa

Vor dem wegweisenden Duell in der Nations League bei Erzrivale Niederlande hat Michael Ballack die Diskussion um Joachim Löw verschärft. Die Mannschaft stellte sich hinter den Bundestrainer.

Michael Ballack und Joachim Löw werden in diesem Leben wohl keine Freunde mehr. Der frühere DFB-Kapitän trägt dem Bundestrainer auch acht Jahre später noch die Ausbootung aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach. Dennoch kam die Kritik des einstigen "Capitanos" an Löw zwei Tage vor dem wegweisenden Nations-League-Spiel am Samstag (20.45 Uhr/ZDF) in den Niederlanden so überraschend wie ungelegen.

Löw hätte nach dem WM-Desaster in Russland seinen Hut nehmen müssen, sagte Ballack der Deutschen Welle. "Ich war wie viele andere Leute auch überrascht, dass er seinen Job behalten hat", meinte er: "Manchmal funktioniert es einfach nicht mehr, wenn jemand so lange mit einer Mannschaft zusammen ist wie er." Löw sei für das Scheitern verantwortlich und sollte "professionell genug sein", um die Konsequenzen zu ziehen.

Eine Replik von Löw blieb zunächst aus, der Bundestrainer tritt erst am Freitagnachmittag in Amsterdam wieder vor die Presse. Die Mannschaft aber stellte sich hinter ihren Chef. "Ich finde, dass er die Chance absolut verdient hat", sagte Wortführer Toni Kroos in einer mehrminütigen Verteidigungsrede für den Bundestrainer: "Ich bin überzeugt, dass wir jetzt wieder die Kurve mit Jogi Löw kriegen." Kroos spottete über Ballack: "Vielleicht hätte er es übernehmen wollen?"

Löw bleibe der Richtige, betonte der Mittelfeldboss, er habe "über viele Jahre bewiesen, dass er bereit ist, sich selbst weiterzuentwickeln. Das ging stetig nach oben". Timo Werner, ein Vertreter der jüngeren Generation in der DFB-Auswahl, bestätigte diesen Eindruck. "Ich hatte nie das Gefühl, dass ich vernachlässigt wurde oder nicht wusste, was ich auf dem Platz zu tun habe", sagte der Leipziger.

Doch Ballacks Kritik ging tiefer. "Es war ganz offensichtlich, dass einige Spieler nicht auf der Höhe waren", sagte er über das WM-Desaster und machte klar, dass dafür Löw haftbar zu machen sei: "Und man konnte es schon vorher sehen, dass eine oder mehrere Positionen nicht optimal besetzt waren. Deshalb sollten die Verantwortlichen beurteilen, ob Löw immer noch der richtige Mann ist."

DFB-Präsident Reinhard Grindel aber hätte Löw voreilig das Vertrauen ausgesprochen, ergänzte Ballack (42). "Die Weltmeisterschaft war eine große Enttäuschung, und dafür gab es Gründe. Man sollte sie ernsthaft analysieren und nicht sagen 'Wir analysieren das', während in Wahrheit bereits beschlossen ist, am Trainer festzuhalten. Das ist keine echte Analyse", sagte er.

Für Löw, das machten spätestens Ballacks Worte klar, werden die Spiele gegen Oranje und drei Tage später bei Weltmeister Frankreich in der Nationenliga zur Nagelprobe. "Allein die Namen der Gegner zeigen, dass wir eine gute Leistung brauchen, um erfolgreich zu sein", sagte Kroos. Aber, ergänzte er: "Wir sind ja auch keine Gurkentruppe und streben sechs Punkte an." An diesem Selbstverständnis hätte auch die WM nichts geändert.

Bei den drei Trainingseinheiten in Berlin zeigten sich Löw und seine Spieler ungeachtete der Diskussionen gut gelaunt - auch die kriselnden Bayern-Stars um Kapitän Manuel Neuer. "Sie machen immer noch so viele Witze wie zuvor", sagte Werner über die Münchner Kollegen.

Dass die DFB-Elf sich zuletzt vor allem offensiv schwer tat, wollte der Angreifer nicht überbewerten. "Es ist ja nicht so, dass wir keine Chancen mehr herausspielen und nur noch verteidigen", sagte er. Der "erfrischende" Offensivfußball der vergangenen Jahre, betonte Löw-Assistent Marcus Sorg, werde "leider von vielen als selbstverständlich angesehen". Es sei aber nicht mehr möglich, "dass wir jedes Spiel mit 5:0, 6:0 gewinnen".

In der Nations League aber, betonte Sorg, dürfe man sich "nichts erlauben, schon nach einer Niederlage hat man es nicht mehr in der Hand, was passiert. Das ist ein unglaublich hoher Anspruch". Auch und vor allem an Löw. sid 

Kommentieren