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3. Liga
Große Namen, viele Probleme: „Mit einem Bein in der Insolvenz“

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Die 3. Liga startet am Freitag in die neue Saison - mit großen Namen, aber alten Problemen. Finanziell bewegen sich die 20 Klubs auf einem schmalen Grat.

Die neue Saison der 3. Fußball-Liga hat noch nicht begonnen, da malt Andreas Rettig schon ein düsteres Szenario. „In ihrer derzeitigen Form produzieren wir in der 3. Liga quasi sehenden Auges Sozialfälle. Das beginnt bei den Spielern und geht weiter zu den Vereinen, von denen viele ja ständig mit einem Bein in der Insolvenz stehen“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung von Viktoria Köln vor dem Auftaktspiel am Freitag (19.00 Uhr/MagentaSport und MagentaTV) zwischen den Traditionsklubs VfL Osnabrück und MSV Duisburg.

Der langjährige Bundesliga-Manager mahnte dringend Änderungen der Strukturen an. Vor allem Zweitliga-Absteiger wie aktuell Braunschweig, Osnabrück und Würzburg sieht er in ihrer Existenz gefährdet. Die würden „in ein Loch fallen. Statt acht Millionen TV-Geld bekommen sie plötzlich nur noch eine Million. Ihre Kosten bleiben aber annähernd gleich“, sagte Rettig dem WDR.

Dies könne ein Verein „vielleicht ein Jahr kompensieren, zwei oder drei Jahre lang aber nicht“. Rettig ist deshalb nicht der erste, der „eine Anpassung der TV-Verträge“ ins Gespräch bringt.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat bereits eine Taskforce zur wirtschaftlichen Stabilität der Liga eingerichtet. Diese teilte vor dem Saisonstart aber lediglich mit, dass die Strukturen des Wettbewerbs grundsätzlich „passend“ seien und es auch künftig eine „eingleisige Profispielklasse geben soll“.

Ein Klasse mit vielen großen Namen, aber eben auch vielen Problemen, die sich durch die Pandemie und fehlende Zuschauereinnahmen noch verschärften. Der viermalige deutsche Meister 1. FC Kaiserslautern entging in der vergangenen Saison einem Absturz nur durch eine „geplante Pleite“. Der KFC Uerdingen, der zehn Millionen Euro Schulden anhäufte, musste Insolvenz anmelden und konnte schließlich die Lizenzauflagen nicht mehr erfüllen.

Es ist ein schmaler Grat, auf dem sich die Klubs bewegen. Sie sind zum sportlichen Erfolg verdammt, um wirtschaftlich mittelfristig überleben zu können. In der Saison 2019/2020 lagen die Personalkosten pro Verein bei über vier Millionen Euro, im Schnitt ergab sich ein Minus von 1,6 Millionen.

Es sei bei den Klubs „noch nicht ganz angekommen, dass sie ihre Personalkosten herunterfahren müssten“, sagte Manuel Hartmann, DFB-Abteilungsleiter Spielbetrieb Ligen und Wettbewerbe, bereits vor Monaten.

Immerhin können die Drittligisten in dieser Spielzeit wieder mit Fans rechnen, so Hartmann: „14 von 20 Klubs haben bereits gemeldet, dass zu ihrem ersten Heimspiel Zuschauer zugelassen sind.“

Und die müssen sich auf viele neue Gesichter einstellen. Bis Mittwoch verzeichneten die Klubs 490 Transfers (Quelle: Transfermarkt.de), wobei bei den Absteigern und bei Türkgücü München die größte Fluktuation zu verzeichnen war. In Mergim Mavraj (Türkgücü), Marc Schnatterer (Waldhof Mannheim), Mahir Saglik (Verl) oder Marvin Bakalorz (Duisburg) wechselten auch einige prominente Namen in die 3. Liga.

Die Liste der Aufstiegsaspiranten ist lang. „Es ist extrem schwer, einen Favoriten auszuwählen. Die letzten Jahre haben gezeigt, wie ausgeglichen es zugeht“, sagte etwa Osnabrücks Co-Trainer Tim Danneberg. Es werde „wieder brutal“, ergänzte der letztjährige Torschützenkönig Sascha Mölders von 1860 München.

Die Münchner Löwen, die den Aufstieg knapp verpassten, zählen erneut zu den Anwärtern - wie auch Osnabrück, Braunschweig, Würzburg, Kaiserslautern oder Wehen Wiesbaden. Danneberg nennt zudem Saarbrücken und Türkgücü - auch bei den Münchnern war übrigens die Zukunft lange unsicher, nachdem im Winter kurzfristig der Investor abgesprungen war. sid

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