Eine Woche später als die meisten anderen Ligen sind am Wochenende auch die Vereine der Bezirksliga 9 Niederrhein in die wohlverdiente Winterpause gegangen. Für revierkick.de Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Welche Mannschaft hat sich in der Hinrunde am besten geschlagen? Wer kann im neuen Jahr in das Rennen um den Aufstieg eingreifen? Was war das kurioseste Spiel der Hinrunde? Und warum ist der SV Wesel der schlechteste Bezirksligist im ganzen Revier? [i]Die Hinrundenbilanz[/i]

Bezirksliga 9 Niederrhein: Hinrundenbilanz: Dinslaken überwintert auf Platz eins - SV Wesel schlechtester Bezirksligist des Reviers

17 Spiele, 94 Gegentore, null Punkte - Bittere Bilanz für den SV Wesel

Thomas Ziehn
19. Dezember 2006, 13:17 Uhr

Eine Woche später als die meisten anderen Ligen sind am Wochenende auch die Vereine der Bezirksliga 9 Niederrhein in die wohlverdiente Winterpause gegangen. Für revierkick.de Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Welche Mannschaft hat sich in der Hinrunde am besten geschlagen? Wer kann im neuen Jahr in das Rennen um den Aufstieg eingreifen? Was war das kurioseste Spiel der Hinrunde? Und warum ist der SV Wesel der schlechteste Bezirksligist im ganzen Revier? [i]Die Hinrundenbilanz[/i]

Für den SV Wesel stand die Saison schon vor dem ersten Anstoß unter einem schlechten Stern. Der wenig beneidenswerte SV-Coach musste vor Saisonbeginn eine komplett neue Mannschaft formieren. Der weitaus größte Teil der Vereine hatte zu diesem Zeitpunkt die Planungen schon weitgehend abgeschlossen, so dass sich die Mannschaft des SVW größtenteils aus sehr jungen Spielern und „Alten Herren“ zusammensetzt. Wie fast überall ist auch beim SV das Geld knapp, Verstärkungen waren und sind daher nur schwer zu realisieren.

Gerade zu Saisonbeginn merkte man der Weseler Mannschaft ihre Unerfahrenheit an. In den ersten vier Begegnungen fing sich die wackelige Abwehr gleich 22 Gegentore (unter anderem ein 0:8 bei Stadtkonkurrent BW Weseler Zebras) ein, der Angriff schlug im gleichen Zeitraum nur dreimal zu. Am fünften Spieltag dann der vorläufige Tiefpunkt. Bei Dostlukspor Bottrop erzielte der SVW zwar die meisten eigenen Tore in einem Spiel, doch der Gegner war an diesem Tag übermächtig: 4:11 lautete das Ergebnis aus Sicht des Tabellenletzten. Auch gegen Aufstiegskonkurrent SuS Dinslaken 09 gab es am 11. Spieltag mehr als neun Gegentore (1:10). In einigen Partien durfte der SV an einem Punktgewinn schnuppern, am Ende siegten jedoch immer die Gegner. So kommt es nicht von ungefähr, dass der SV Wesel nach 17 Spieltagen den wenig schmeichelhaften Titel „schlechtester Bezirksligist des Ruhrgebiets“ für sich beanspruchen darf. Kein anderer Revier-Bezirksligist hat so wenig Punkte auf dem Konto und ein ähnlich schlechtes Torverhältnis (-78). Im Schnitt bekamen die Weseler 5,5 Tore pro Spiel eingeschenkt. Der Abstand auf das rettende Ufer beträgt 17 Punkte.

[infobox-right]Der Kurzkommentar:

Die Statistik lügt nicht: Der SV Wesel ist der schlechteste Bezirksligist des Reviers. Niederlagen gehören zum Fußball dazu, doch immer verlieren will wohl kein Aktiver. Wo andere Vereine ihre Mannschaften aber längst zurückgezogen hätten, machen die Spieler und Verantwortlichen des SVW weiter. Ohne Scheu vor einer weiteren hohen Niederlage. Dafür gebührt ihnen Respekt, denn erst im Misserfolg zeigt sich die wahre Größe eines Sportlers.Thomas Ziehn[/infobox]
Den SV Bottrop 19 11 trennen mit eben jenen 17 Punkten aber nur zwei Zähler auf einen Abstiegsplatz, den zur Zeit der VfB Lohberg (15 Punkte) inne hat. Schon etwas abgeschlagen (11) steht der Bottroper Verein SV Rhenania auf dem vorletzten Rang in der Tabelle. Bis hinauf zu Platz neun (09/28 Friedrichsfeld – 22 Punkte) kann sich kein Verein sicher sein.

Schon gar nicht der RSV Klosterhardt aus Oberhausen, der bisher 19 Punkte auf dem Konto hat und tief im Abstiegskampf steckt. Bei der 1:2-Niederlage beim VfB Lohberg sorgten die RSV-Spieler für das Kuriosum der Hinrunde (revierkick.de berichtete): Nicht weniger als sieben Platzverweise sprach der Unparteiische für Spieler auf beiden Seiten aus. Den „roten Karton“ gab es sogar gleich fünf Mal, zweimal die Gelb-Rote Karte. Lohbergs Trainer Klaus Schnurbusch bezeichnete diese Begegnung als „filmreif“. Und RSV-Geschäftsführer und Pressewart Achim Herden gab zu Protokoll, dass das Schreiben des Spielberichts längere Zeit in Anspruch genommen hätte. In der Schlussphase kam der VfB Lohberg (zu diesem Zeitpunkt sieben Feldspieler, Oberhausen sechs) durch einen Foulelfmeter zum glücklichen 2:1-Erfolg.

Kurios war auch die Serie des PSV Wesel-Lackhausen. Vom zweiten bis zum elften Spieltag räumte der Aufstiegskandidat alles aus dem Weg, was sich ihnen in den Weg stellte. Zehn Siege in Folge ließen die Konkurrenz aufhorchen. PSV-Trainer Werner Lehwald: „Das war schon eine tolle Serie. Man muss lange in den PSV-Annalen suchen, bis man etwas Ähnliches findet.“ Erst eine 3:5-Niederlage gegen SuS Dinslaken beendete den Weseler Siegszug und auch die Vorherrschaft an der Tabellenspitze. Durch den „Dreier“ rückten die Dinslakener wieder ganz nahe an Platz eins heran und konnten den PSV am 17. Spieltag sogar überholen und überwintern so auf Platz eins. In den Spielen zuvor wechselten sich beide Mannschaften munter an der Tabellenspitze ab. Keine der beiden Mannschaften zeigte in den Spielen vom 13. bis zum 16. Spieltag Konstanz. So steht SuS Dinslaken, in den letzten Jahren meist nur knapp am Aufstieg in die Landesliga gescheitert, mit 39 Punkten einen Zähler vor dem Konkurrenten aus Wesel. Der PSV hat allerdings ein Spiel weniger auf dem Konto als SuS.

Beste Heimmannschaft ist überraschenderweise der Weseler Vertreter SV Bislich. Aus neun Spielen auf der Platzanlage Frankenstraße holte der SV 21 Punkte bei einem Torverhältnis von 23:10. Ebenfalls auf 21 Punkte kommen die SF 1930 Königshardt (25:14). Als einizige Mannschaft zu Hause ungeschlagen ist der PSV Wesel. Aus acht Spielen holte die Lehwald-Elf sechs Siege und zwei Unentschieden. Müßig zu erwähnen, dass der SV Wesel in dieser Statistik an letzter Stelle steht. In der Auswärtstabelle steht SuS Dinslaken (19 Zähler) vor dem PSV und den Weseler „Zebras“ (je 18). Ungeschlagen präsentiert sich in dieser Bilanz keine einzige Mannschaft. Schlusslicht auch hier: der SV Wesel. Die meisten Tore haben die beiden Spitzenmannschaften aus Dinslaken (57) und Wesel (59) erzielt.

Es bleibt spannend. Sowohl im Aufstiegsrennen als auch im Abstiegskampf ist noch nichts entschieden. Einzig für den SV Wesel dürften die Würfel bereits gefallen sein. Nur ein mittelgroßes „Fußballwunder“ kann den SVW noch vor dem Abstieg bewahren. In Kampf um den Startplatz in der Landesliga ist hingegen noch alles möglich. Der PSV wird die Pause nutzen, um neue Kräfte zu sammeln. „Wir haben zwei wichtige Spieler durch Verletzungen verloren. Der Aufstieg wird nur noch schwer zu verwirklichen sein, aber wir werden alles dafür tun“, blickt PSV-Trainer Werner Lehwald zurückhaltend ins neue Jahr.“ SuS Dinslaken wittert die große Chance, den Aufstieg endlich zu schaffen.

Aber auch die Weseler „Zebras“ darf man noch nicht abschreiben. Die „Schwarz-Weiß-Gestreiften haben in den vergangenen Jahren immer um die Spitze gespielt. Überraschen könnte Neuling Dostlukspor Bottrop. Nach Anlaufschwierigkeiten hat sich die Mannschaft anscheinend gefunden und ist seit elf Spielen ungeschlagen. Der Lohn: 29 Punkte und bei einem Spiel weniger die Chance, im neuen Jahr ganz oben anzugreifen. Außenseiterchancen haben die SF 1930 Königshardt mit derzeit 31 Punkten.

Autor: Thomas Ziehn

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