Der DFB hat beschlossen, Schiedsrichter Torsten Koop vorerst nicht mehr für die Leitung von Fußballpartien zu nominieren. Koop hatte den DFB erst verspätet über einen Anwerbungsversuch durch Robert Hoyzer benachrichtigt.

DFB verzichtet bis auf weiteres auf "Schiri" Koop

14. Februar 2005, 16:41 Uhr

Der DFB hat beschlossen, Schiedsrichter Torsten Koop vorerst nicht mehr für die Leitung von Fußballpartien zu nominieren. Koop hatte den DFB erst verspätet über einen Anwerbungsversuch durch Robert Hoyzer benachrichtigt.

Schiedsrichter Torsten Koop (Lüttemmark) wird bis auf weiteres keine Spiele mehr leiten. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) reagierte damit auf das lange Schweigen und das zögerliche Verhalten von Koop im Zusammenhang mit dem Wett- und Manipulationsskandal um Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer. Koop hatte den Verband über einen Anwerbungsversuch von Hoyzer erst verspätet informiert.

Vorerst keine Konsequenzen für Trautmann

Für Konsequenzen gegen Stefan Trautmann (Florstadt) sieht der Schiedsrichterausschuss derzeit keine Veranlassung. Trautmann, der hauptberuflich in der DFB-Schiedsrichter-Abteilung arbeitet und dort für internationale Angelegenheiten zuständig ist, hatte am 3. Februar 2005 mitgeteilt, dass er ihm im Rahmen einer administrativen Tätigkeit persönlich übereignete Sportartikel für karitative Zwecke über eBay versteigert, aber nicht den ihm vorgeworfenen gewerblichen Handel betrieben habe. Dies führte zu einer internen Prüfung, die noch nicht abgeschlossen ist. Der Schiedsrichterausschuss wurde darüber am Sonntag informiert.

Das Gremium unter Vorsitz von Volker Roth (Salzgitter) war am Montag in der DFB-Zentrale in Frankfurt/Main zu einer Sitzung zusammengekommen. Koop nahm an dem Meeting nicht teil. Der Verzicht auf Koop bleibt bis zum Abschluss der Ermittlungen des Kontrollausschusses bestehen. Allerdings ist der 39-Jährige auf Grund einer Verletzung derzeit ohnehin außer Gefecht gesetzt. Koop sei jedoch nicht von der Schiedsrichterliste gestrichen worden, hieß es nach der Sitzung.

Koop seit 1996 Bundesliga-Schiedsrichter

Koop, der seit 1996 Bundesliga-Spiele leitet, hatte bei einer Befragung durch den DFB am vergangenen Donnerstag eingeräumt, dass Hoyzer ihm gegenüber mit Manipulationen "geprahlt" habe. Der Vorfall soll sich bei einer Schiedsrichter-Tagung Anfang 2005 ereignet haben. Koop sei nicht darauf eingegangen, habe aber keine Meldung beim DFB erstattet.

Roth kündigte an, Einzelgespräche mit allen Schiedsrichtern vor den Spielen des kommenden Wochenendes führen zu wollen, um sie psychologisch aufzubauen. An Trainer und Spieler appellierte er, Fairplay walten zu lassen "und nicht solche Verwüstungen von sich zu geben". Gemeint waren offenbar die verbalen Attacken der Trainer Peter Neururer (VfL Bochum) und Matthias Sammer (VfB Stuttgart) gegen die Unparteiischen am vergangenen Wochenende.

Auch Marks vorerst nicht im Einsatz

Weiterhin nicht berücksichtigt wird Zweitliga-Referee Dominik Marks (Stendal). Marks war von Hoyzer in dessen Geständnis schwer belastet worden. Der 25-Jährige Hoyzer erklärte gegenüber den Ermittlern, dass Marks für zwei von ihm manipulierte Spiele insgesamt 36.000 Euro von den mutmaßlichen kroatischen Drahtziehern des Wettskandals erhalten habe.

Hoyzer persönlich habe Marks in dessen heimischer Küche in Berlin vor dem verschobenen Regionalligaspiel Hertha BSC Amateure gegen Arminia Bielefeld Amateure 6000 Euro übergeben. Außerdem, so Hoyzer, hätten er und Marks bei einem DFB-Lehrgang für Erst- und Zweitliga-Schiedsrichter Mitte Januar in einem Zimmer des Hotels Relexa in Frankfurt/Main in Anwesenheit des Bundesliga-Schiedsrichters Torsten Koop über ihre manipulierten Spiele gesprochen. Koop sollte laut Hoyzer ebenfalls für Manipulationen angeworben werden; offenbar scheiterte dieser Versuch aber.

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