BVB-Chef Rauball will "sagen, was Sache ist"

15. November 2004, 11:44 Uhr

Auf Reinhard Rauball wartet in den kommenden Wochen ein Haufen Arbeit. Nach der Wahl zum Präsidenten von Borussia Dortmund gab der 57-Jährige Auskunft über die Erwartungen an seine insgesamt dritte Amtszeit.

Der neue Chef ist auch der alte: Auf der fast sechsstündigen Jahreshauptversammlung von Borussia Dortmund wählten die 1745 Mitglieder Reinhard Rauball fast einstimmig zum Präsidenten. Anschließend stand der 57-Jährige dem Sport-Informations-Dienst (sid) Rede und Antwort.

sid: "Reinhard Rauball, Sie sind zum dritten Mal Präsident von Borussia Dortmund, aber Ihnen zu Ihrer Wahl zu gratulieren, fällt angesichts der Situation sehr schwer..."

Reinhard Rauball: "Ich habe mich nicht nach dem Amt gedrängt. Aber ich wollte es mir ersparen, mir sagen zu lassen: Du wusstest um die schwierige Situation, warum hast Du nicht versucht, sie zu ändern? Aber die Aufgabe ist auch reizvoll."

sid: "Ihr Vorgänger Gerd Niebaum ist als Vereinschef zurückgetreten, die Rufe nach dem Rücktritt auch als Geschäftsführer der Kapitalgesellschaft werden vor der Aktionärsversammlung am Dienstag immer lauter..."

Rauball: "Ich akzeptiere jede Kritik, bin aber dafür, dass auf dieser Ebene niemand ausgewechselt wird. Schließlich haben Gerd Niebaum und Michael Meier kurzfristig die neue Stadionfinanzierung vor der Brust. Wir sollten nicht nicht noch mehr Porzellan zerschlagen. Wir werden nicht nur von den Medien, sondern mit dem Fernrohr auch von Sponsoren und Banken in Augenschein genommen."

sid: "Auf der Aktionärsversammlung drohen Niebaum und Meier erneut ins Kreuzfeuer zu geraten. Wie sehen Sie zum Beispiel die Rolle des Großaktionärs Florian Homm?"

Rauball: "Wir sind Ihm dankbar, dass er dem BVB mit dem Kauf seiner Aktien zu mehr Liquidität verholfen hat. Aber ich habe Ihm klar gemacht, dass er damit auf der Seite der KGaA steht und nicht auf der Seite des Vereins. Das hat er auch schriftlich. Er hat es eingesehen und akzeptiert."

sid: "Wo sehen Sie in Ihrer neuen Amtszeit die Schwerpunkte?"

Rauball: "Wichtig ist, dass wir die finanziellen Probleme bewältigen. Aber möglichst lautlos und nicht wie in der Vergangenheit. Ich hatte zudem bei der Mitgliederversammlung das Gefühl, dass viele den Schuldenstand nicht nachvollziehen können. Man muss in Zukunft sofort sagen, was Sache ist, dann akzeptieren die Fans auch schlechte Nachrichten."

sid: "In der kommenden Woche soll im sportlichen Bereich ein Gespräch mit Trainer Bert van Marwijk stattfinden. Worum wird es gehen?"

Rauball: "Grundsätzlich freue ich mich auf jedes Gespräch mit dem Trainer. Er ist einer, der fachlich qualifiziert analysiert, Dinge erhellt und den konstruktiven Gedankenaustausch pflegt. Sollte es nach dem Vier-Augen-Gespräch etwas zu berichten geben, werde ich das tun. Die Mannschaft muss schnellstens aufgefangen werden. Wir müssen sehen, dass wir bis zur Winterpause zumindest noch sechs oder sieben Punkte holen."

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