Zum Auftakt des zehnten Bundesliga-Spieltags will Bayern München heute mit einem Sieg gegen Ligaprimus VfL Wolfsburg nach oben aufschließen. Im Keller-Duell des Westens empfängt der VfL Bochum die Gladbacher Borussia.

Dortmund und Bochum vor Psycho-Duells

26. Oktober 2004, 08:24 Uhr

Zum Auftakt des zehnten Bundesliga-Spieltags will Bayern München heute mit einem Sieg gegen Ligaprimus VfL Wolfsburg nach oben aufschließen. Im Keller-Duell des Westens empfängt der VfL Bochum die Gladbacher Borussia.

Dass der "schlafende Riese" tatsächlich erwacht ist, werden die Münchner Bayern spätestens beim Blick auf die Bundesliga-Tabelle festgestellt haben. Was sonst wie eine artige Geste gegenüber dem VfL Wolfsburg wirkte, löst nun vor dem heutigen Heimspiel Unbehagen aus. Die "Wölfe" sind tief in das Revier des Rekordmeisters eingedrungen, vier Punkte Vorsprung bringt der Tabellenführer zum "Gipfeltreffen" beim Bundesliga-Dritten mit. Und Bayern-Trainer Felix Magath sieht sich deshalb unverhofft genötigt, vor einem "direkten Kontrahenten" zu warnen: "Wer so einen Lauf hat wie der VfL Wolfsburg, der ist auch ein Titelkandidat."

Unteres Ende der Tabelle

Für den einstigen Münchner Dauerrivalen Borussia Dortmund beginnt dagegen heute (20.00 Uhr/live bei Premiere) bei Hertha BSC Berlin der Abstiegskampf - was dem designierten Präsidenten Dr. Reinhard Rauball nicht so recht in den Kopf will: Ein Großteil der Mannschaft sei doch "2002 immerhin deutscher Meister geworden".

Direkte Kontrahenten der Dortmunder sind in doppelter Hinsicht nun aber der VfL Bochum und Borussia Mönchengladbach, beide Gegner im "West-Keller-Derby", sowie der 1. FC Kaiserslautern, dessen Coach Kurt Jara diesmal bei Hannover 96 "auf Bewährung" spielt.

Endlich volles Haus im Olympiastadion

Für die Münchner "Platzhirsche" kommt das Spitzenspiel gegen den Liga-Primus derweil "genau zum richtigen Zeitpunkt", bekräftigt Manager Uli Hoeneß, auch deshalb, weil "die unglaublich verbesserten Wolfsburger" aufgrund der Tabellensituation jetzt "endlich mal viele Zuschauer garantieren". Was die "Wölfe" im Olympiastadion erwartet, weiß vor allem der Ex-Münchner Pablo Thiam "aus eigener Erfahrung" recht genau: "Bayern hat die Chance, einen großen Schritt Richtung Tabellenspitze zu machen, da werden sie alles dran setzen." Der VfL hat von 14 Partien gegen die Bayern zudem erst eine gewonnen.

VfL-Trainer Erik Gerets hat freilich den Vorteil, nach der Rückkehr des zuletzt gelb-gesperrten Niederländers Kevin Hofland seine bestmögliche Mannschaft aufbieten zu können. Magath, der dem Kollegen großes Lob zollt, "weil er neben dem großen fußballerischen Potenzial in der Offensive auch die Defensive in den Griff bekommen hat", muss wohl erneut improvisieren. Ballack, Lucio und Ze Roberto gelten aus medizinischer Sicht weiter als Wackelkandidaten, Kuffour (gesperrt) und Deisler fehlen, nur der Einsatz von Stürmer Claudio Pizarro scheint gesichert. "Es wird ein heißer Tanz", sagt Magath.

Dortmund und die Psyche

Nicht minder heftig dürften die Auswirkungen der drei anderen Partien am Dienstagabend sein. Borussia Dortmund hat vorsorglich im Anschluss an die Reise nach Berlin ein Trainingslager im Westerwald gebucht, um wenigstens der sportlichen Misere Herr zu werden. "Es gibt in dieser Situation kein allgemeines Patentrezept um da unten herauszukommen", ahnt Präsident Rauball, "aber wir werden einiges versuchen, damit wir in einer anderen Umgebung auf andere Gedanken kommen." Denn hinter dem sportlichen Absturz vermutet er ein "rein mentales Problem".

Bei Hertha wird unterdessen diskutiert, wie der allgemeinen Harmlosigkeit der Stürmer beizukommen ist. "Wie viele Punkte wollen wir noch verlieren", fragt sich Trainer Falko Götz und fordert: "Wir brauchen vorne jemanden, der Tore macht." Weil bisher nur Fredi Bobic getroffen hat, allerdings auch nur einmal, werden auf dem Boulevard nun Verstärkungen wie Europameister Angelos Charisteas und Bobics Ex-Partner Giovane Elber gehandelt. Aktuell gibt es allerdings auch Probleme in der Defensive: Die Schlüsselspieler Josip Simunic und Niko Kovac werden gegen den BVB auf jeden Fall pausieren müssen.

Gladbach ohne Drei

Zahlreiche Ausfälle plagen auch Mönchengladbach im "Keller-Duell" im Buchumer Ruhrstadion. "Handballer" Oliver Neuville (bisher 8 Liga-Tore) fehlt wegen seiner Sperre in dieser wegweisenden Partie, darüber hinaus stehen Kapitän Christian Ziege (Operation am Sprunggelenk) und Markus Hausweiler (Sprungelenk) nicht zur Verfügung. "Die Situation ist kritisch", sagt Trainer Holger Fach und fordert deshalb pflichtgemäß: "Wir müssen in Bochum unbedingt "was holen". Schließlich gastiert am Samstag auch noch Bayern München im Borussia-Park.

Gladbachs Gastgeber kann seine Probleme ebenfalls nicht wegdiskutieren. Vier Niederlagen hintereinander, seit mittlerweile neun Pflichtspielen ohne Sieg - am Sonntag gab es deshalb eine Krisensitzung der Klub-Führung um den Aufsichtsrats-Chef Werner Altegoer. Das Resultat, laut Trainer Peter Neururer: "Im Gegensatz zu anderen Vereinen können alle hier ganz in Ruhe arbeiten, niemand hat also irgendwelche Alibis." Der Coach sagt allerdings auch: "Bei einer Niederlage hängen wir ganz dick im Abstiegskampf. Wir müssen gewinnen, nicht anderes zählt."

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