Ein halbes Jahr nach der Kopfstoß-Attacke gegen einen Mitspieler droht Sunday Oliseh vor dem Revierderby zwischen dem VfL Bochum und Borussia Dortmund nach fragwürdigen Aussagen erneut der Gang vor die Gerichte.

Affäre Oliseh wird neu aufgerollt

kad
10. September 2004, 17:04 Uhr

Ein halbes Jahr nach der Kopfstoß-Attacke gegen einen Mitspieler droht Sunday Oliseh vor dem Revierderby zwischen dem VfL Bochum und Borussia Dortmund nach fragwürdigen Aussagen erneut der Gang vor die Gerichte.

Ein halbes Jahr nach der Kopfstoß-Attacke gegen seinen Mitspieler Vahid Hashemian stellt der Fall Sunday Oliseh selbst die sportliche Brisanz vor dem Revierderby zwischen dem VfL Bochum und Borussia Dortmund (Samstag, 15.30 Uhr/live bei Premiere) in den Schatten. Dem Nigerianer droht nach zahlreichen fragwürdigen Aussagen erneut der Gang vor die Gerichte.

"Die Rechtsvertretungen beider Seiten stehen im Kontakt. Es ist klar, dass wir solche Äußerungen nicht einfach so im Raum stehen lassen können", sagte VfL-Vorstand Dieter Meinhold.

Meinhold: "Zahlenspiele sind absoluter Quatsch"

Oliseh hatte behauptet, nach seinem tätlichen Angriff gegen Hashemian und die darauf folgende Freistellung durch die Bochumer 50.000 Euro an seinen Ex-Klub gezahlt zu haben, wovon 25.000 Euro für Hashemian bestimmt gewesen seien. Außerdem habe der VfL ihm keine Prämie für das Erreichen des UEFA-Cups gezahlt. Darüber hinaus fasste Oliseh ein angebliches Angebot, dass VfL-Trainer Peter Neururer zur Verlängerung seines auslaufenden Vertrages kurz vor dem Zwischenfall am 28. Februar abgegeben hatte, als Affront auf ("Ich bin doch kein Amateur"). Der Mittelfeldspieler sollte nach eigenen Angaben nur noch 250.000 Euro pro Jahr verdienen.

"Diese Zahlenspiele sind absoluter Quatsch, und die Behauptung, Peter Neururer hätte ihm einen Vertrag angeboten, ist der Gipfel der Dreistigkeit", meinte Meinhold, der außerdem prüfen lassen will, ob Oliseh gegen das Stillschweigeabkommen im Auflösungsvertrag verstoßen hat: "Oliseh ist in seinem afrikanischen Stolz verletzt. Er kann nicht zugeben, dass er einen Fehler begangen hat. Deshalb stellt er sich jetzt als der große Sunday Oliseh dar, der sich herabgelassen hat, für den kleinen VfL Bochum zu spielen, und macht sich vom Täter zum Opfer."

Oliseh zeigt sich unversöhnlich

Dabei dürfe man laut Meinhold eine Tatsache nie vergessen: "Oliseh hat damals eine vorsätzliche Körperverletzung begangen." Nur weil Bochum auf Bitten von Olisehs Berater Norbert Nasse dem Olympiasieger von 1996 nicht fristlos gekündigt, sondern mit ihm eine Auflösungsvereinbarung ausgehandelt habe, hätte Oliseh heute "weiterhin die Möglichkeit, Fußball zu spielen".

Oliseh hingegen zeigt sich unversöhnlich. Nachdem Neururer Anfang der Woche gesagt hatte, er spräche bis zu einer Entschuldigung kein Wort mehr mit seinem ehemaligen Führungsspieler, platzte Oliseh der Kragen. Schämen würde er sich, unter so einem Trainer gearbeitet zu haben. Die Zeit in Bochum wolle er so schnell wie möglich vergessen.

Oliseh erhielt zweite Chance in Dortmund

"Nur noch vergessen" wollte Oliseh jedoch auch schon in der Winterpause der Saison 2002/2003. Damals war er auf Leihbasis von Dortmund ("Hier geht es zu wie beim Militär") nach Bochum ("Schon nach ein paar Tagen wusste ich, hier bin ich genau richtig") gewechselt.

Dass der 29-Jährige nun in Dortmund trotz seiner damaligen Äußerungen und seiner Tätlichkeit eine zweite Chance erhielt, verdankt er wohl nicht zuletzt auch der angespannten Kassenlage in der neuen, alten Heimat. Denn nach dem Kopfstoß hatte auch der BVB, bei dem er bis 2005 unter Vertrag stand, die außerordentliche Kündigung ausgesprochen. Oliseh klagte dagegen, doch noch vor einer Entscheidung vor Gericht einigten sich beide Seiten völlig überraschend auf einen neuen Vertrag - befristet auf ein Jahr, angeblich zu reduzierten Bezügen.

Autor: kad

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