Es herrschte eine beschauliche Stimmung am Mittwoch auf dem schwarz-gelben Trainingsgelände am Rabenloh. Doch kurz vor elf Uhr wurde die vermeintliche Harmonie durch eine handfeste Auseinandersetzung ersetzt.

BVB - Evanilson und Ewerthon eine "schlagende Verbindung"

RS
30. April 2004, 14:11 Uhr

Es herrschte eine beschauliche Stimmung am Mittwoch auf dem schwarz-gelben Trainingsgelände am Rabenloh. Doch kurz vor elf Uhr wurde die vermeintliche Harmonie durch eine handfeste Auseinandersetzung ersetzt.

Es herrschte eine beschauliche Stimmung am Mittwoch auf dem schwarz-gelben Trainingsgelände am Rabenloh. Da viele BVB-Nationalspieler zu den Nationalteams gereist waren und der eine oder andere angeschlagene Kicker nur eine Laufeinheit einlegte oder sich von geschulten Händen massieren ließ, blieb nur ein kleines Häufchen, das ein Spielchen Sechs gegen Sechs auf dem verkleinerten Feld zelebrierte. Doch kurz vor elf Uhr wurde die vermeintliche Harmonie durch eine handfeste Auseinandersetzung ersetzt. Die beiden Brasilianer Evanilson sowie Henrique Ewerthon gingen sich im wahrsten Sinne des Wortes an die Wäsche und konnten erst durch den tatkräftigen Einsatz ihrer Teamgefährten getrennt werden, fochten ihr Privatduell allerdings mit wüsten Beschimpfungen zumindest verbal weiter aus.

Der Anlass für diesen beiderseitigen emotionalen Ausbruch war eigentlich lapidar. Der Ball war ins Aus gerollt, der Angreifer plädierte auf Eckball, der Abwehrspieler auf Abstoß. Nun wahrlich keine strittige Situation, deren korrekte Auslegung fußballerisch epochale Folgen nach sich zieht. Aber die zwei Südamerikaner sahen es anders. So echauffierte sich Evanilson: "Es war keine Ecke, das wusste auch Ewerthon, trotzdem hat er eine gefordert. Er sollte mir mehr Respekt entgegen bringen. Schließlich ist er 23 Jahre und ich 29 Jahre alt." Die Folge der Missachtung bei "Eva": "Da wurde mein Blut im Kopf heiß und wir hatten ein Problem."

Für das Disziplinfanatiker Matthias Sammer überraschender Weise Verständnis zeigte: "So etwas kam im Training jede Woche einmal vor. Doch in der heutigen Zeit muss man aufpassen, dass so eine Geschichte nicht hochgespielt wird." Dementsprechend schnell schlüpfte der Coach in die Rolle des Vermittlers und zwang die Heißsporne förmlich zu einem versöhnlichen Händedruck, bei dem sie sich gegenseitig allerdings keines Blickes würdigten. Noch einmal Dortmunds Fußball-Lehrer: "Normalerweise kann man das direkt auf dem Platz klären, aber da heute stets die Öffentlichkeit anwesend ist, werde ich den Vorfall noch einmal in der Kabine ansprechen."

Solche Konflikte sind dem Rotschopf persönlich auch nicht fremd. "Mit Ulf Kirsten habe ich Ähnliches erlebt. Da habe ich ihn im Training weggegrätscht, obwohl eigentlich er für seine Grätsche bekannt war. Die Meinungen unserer Mitspieler waren damals geteilt." Darum wollte und will er als verantwortlicher Trainer im Mittwochs-Fall auch keine Geldstrafe aussprechen, auch wenn er einschob: "Es ist klar, dass sie ihre Nerven in Zaum halten müssen."

Obwohl sich die Streithähne nach dem Duschen unterhielten und bemühten, Eintracht zu demonstrieren (Ewerthon: "So etwas passiert beim Sport halt. Das Thema ist für mich vom Tisch" - Evanilson: "Es ist jetzt wieder alles gut"), sieht eine Versöhnung in Wirklichkeit wohl anders aus. Noch einmal "Eva": "Es liegt nun an dem Jüngeren, mich anzurufen." Sportdirektor Michael Zorc dagegen fand den Zoff gar nicht so schlecht: "Das ist doch bestens. Vor der wichtigen Begegnung gegen Hansa Rostock benötigen wir richtig Spannung in der Mannschaft." Ein wenig verwundert zeigte auch er sich: "Sie sind doch sonst gute Freunde." Am Mittwoch waren sie eher eine "schlagende Verbindung."

Autor: RS

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