Oberliga Nordrhein: Der KFC Uerdingen schlägt Speldorf 4:1

"Mir wurde der Sonntag verdorben"

aer
20. November 2006, 20:36 Uhr

Was haben hier schon für Fußballschlachten stattgefunden. Die Krefelder Grotenburg ist jetzt nur noch ein Denkmal – denk mal darüber nach, was aus Profivereinen werden kann, wenn kein Geld mehr da ist. Am Sonntag hatte der KFC Uerdingen einen dankbaren Gegner und erinnerte sich an alte Zeiten. Nach dem 4:1 (3:1)-Erfolg über den VfB Speldorf scheppert es dagegen bei den Mülheimern gewaltig. [i]Ein Ortstermin[/i]

Zwei Relikte gibt es noch in der Grotenburg. Der „Grotifant“, ein Fan, der einen Elefantenkopf aus Plüsch aufsetzt, postiert sich bei jedem Heimspiel vor den KFC-Fans und klatscht in seine Hände – bei jeder Standardsituation und den meisten Sprechchören. Wenn nur 935 Zuschauer kommen wie am Sonntag, dann wirkt das eher putzig bis lächerlich. Manchmal regt sich der Fan im Grotifanten auch furchtbar auf – und das sieht dann besonders witzig aus. Ein Plüschelefant fuchtelt wild mit den Armen Richtung Schiedsrichter. Und die bunte Anzeigetafel, die vor zehn Jahren noch Gegner wie Bayern München ankündigte. Sie zeigte gestern neben dem KFC-Wappen das Emblem des VfB Speldorf in Grün-Weiß.

Und was ist nur los mit den Grün-Weißen? Nach vier Spielen war alles in Ordnung. Zehn Punkte standen auf dem Speldorfer Punktekonto, der als Ziel ausgegebene einstellige Tabellenplatz schien nur eine Formsache zu sein. „Die Leute“, sagt Trainer Piero Lussu, „haben mich schon gefragt: 'Trainer, willst du etwa in die Regionalliga?'“. Doch Lussu warnte vor einer solchen Anspruchshaltung. Und lag damit goldrichtig.

Zwei Monate später ist alles anders. Momentaufnahmen in den letzten fünf Minuten des Spiels in Krefeld: „Wir haben die Schnauze voll“, brüllten die Speldorfer Fans laut – um danach schon vor dem Abpfiff enttäuscht den Heimweg anzutreten. VfB-Manager Michael Klauß hockte neben seinem Vater auf der Tribüne und verfolgte das Spiel schweigend. Hier, in Uerdingen, hatte einst seine Profikarriere begonnen. Nun steckt er in seiner bisher schwierigsten Phase als Verantwortlicher in Speldorf. Nach dem Abpfiff verschwanden die Spieler ruck, zuck in der Kabine.

Drei Fakten bestätigen die beängstigende Form des VfB: Ein Sieg, zwei Unentschieden, sechs Niederlagen – die schlechte Bilanz der letzten neun Spiele. 5:16 – das ist die beängstigende Tordifferenz. Seit vier Heimspielen wartet der VfB zu Hause auf ein Tor, und nun kommt Schlusslicht GFC Düren (3. Dezember, 14.15 Uhr).

Im Internet-Fanforum wachsen die Stimmen gegen Trainer Lussu. „Ich habe immer zu Lussu gehalten, aber ich frage mich nach solch magerer Punktausbeute, ob nicht ein Trainerwechsel ratsam wäre“, schreibt der erste. „Wir haben Lussu viel zu verdanken! Aber die Stunde hat geschlagen, der VfB ist damit jetzt ganz klar im Abstiegskampf“, der nächste. Eine weitere Meinung: „Also für mich MUSS Lussu jetzt zur Rückrunde gehen! Er erreicht das Team einfach nicht mehr und zeigt null Reaktion, redet nicht mal mit den Fans und lässt manche Spieler einfach draußen.“

Das Uerdingen-Spiel war das beste Beispiel, woran es hakt. Gute Ansätze zeigt der VfB noch immer. In Uerdingen nutzte Krzysztof Benedyk einen Schnitzer von KFC-Torwart Slawomir Szymaszek zum 1:0 (17.). Doch fünf weitere erstklassige Chancen hatten die Grün-Weißen – nutzen konnten sie keine. Ob Christoph Ulrich (31.), Michael Krakala (39.), Krzysztof Benedyk (52.), Yasar Kurt (68.) oder Simon Kengne (84.) – alle zielten zu ungenau.

Ohne Torjäger Sergii Tytarchuk ist die Auswertung ein Desaster. Nur Schlusslicht Düren hat weniger Tore erzielt. Wie es besser geht, zeigte Uerdingen. Sechs Chancen, vier Tore – drei Ecken, ein Tor: Das ist eine sehr gute Quote. Mike Möllensiep (27.), Christian Knappmann (31./73.) und Manuel Windges (36.) schraubten das Ergebnis auf 4:1. Ein verdienter Sieg.

Wenn beim VfB die Abwehr patzt, dann ist alles zu spät. Nur viermal in dieser Saison schoss der VfB mehr als ein Tor. Gestern leistete sich die sonst so zuverlässige Dreierdeckung mit Stefan Janßen, Christian Flöth und Rafael Synowiec einige Stellungs- und Abspielfehler. Lussus Problem: Er hat keine Alternativen. Das ist auch seine Schuld: Dass Torjäger Tytarchuk verletzungsanfällig ist, konnte er nicht ahnen. Bei den Zugängen hatte er kein glückliches Händchen. Kapitän Andreas Egler (TuRU Düsseldorf) ist ein Mitläufer, flog bereits zweimal vom Platz und kann den abgewanderten Mladen Kovacic nicht ersetzen. Thorsten Jablonski (Adler Osterfeld) trägt seit einem Jahr das VfB-Trikot, überzeugte aber nur sehr selten. Stürmer Dennis Rommel (SF Oestrich) erwies sich bisher als Flop und ist noch ohne Saisontor.

Wie geht es weiter? Zwei Wochen hat Lussu Zeit, um sein Team auf das Kellerduell gegen Düren vorzubereiten. Es gibt viel zu besprechen am Blötter Weg. Die Stimmung passt zum grauen, tristen, regnerischen Herbstwetter.

Auf Seite 2: Stimmen und Schema zum Spiel

Autor: aer

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