Sollte Premiere bis zum 31. Oktober seine Option auf eine Vertragsverlängerung nicht wahrnehmen, muss die Deutsche Fußball-Liga (DFL) 50 Millionen Euro zurückzahlen. Der Agentur Infront droht zudem die Insolvenz.

Bundesliga droht erneut finanzielles Ungemach

20. Oktober 2003, 17:06 Uhr

Sollte Premiere bis zum 31. Oktober seine Option auf eine Vertragsverlängerung nicht wahrnehmen, muss die Deutsche Fußball-Liga (DFL) 50 Millionen Euro zurückzahlen. Der Agentur Infront droht zudem die Insolvenz.

Die Bundesliga steht erneut vor einem finanziellen Kraftakt. Nach Informationen des Fachmagazins kicker muss die Deutsche Fußball Liga (DFL) Rückzahlungen von angeblich 50 Millionen unter anderem an den TV-Sender Premiere leisten, sollte dieser nicht bis zum Stichtag 31. Oktober 2003 seine Option auf eine Vertragsverlängerung bis zum Jahr 2006 wahrnehmen. Ein weiterer Teil des Geldes ginge an die Agentur Infront, die im Besitz der TV-Rechte an der Bundesliga ist und der DFL derzeit 280 Millionen Euro pro Saison überweist.

Die Höhe der möglichen Rückzahlungen ist allerdings ungewiss. Fakt ist nur, dass die Summe abhängig wäre von Geldern, die der DFL aus der Insolvenzmasse des Kirch-Konzerns zustehen. Es gebe einen Passus in den Verträgen, wonach die DFL eventuelle Nachzahlungen an Infront und Premiere weiterleiten müsse, bestätigte ein Sprecher von Premiere dem sid auf Anfrage. Allerdings sei unklar, wie viel Geld am Ende fließen würde, wenn überhaupt. Außerdem stünden Premiere dann maximal 25 Millionen Euro zu - immer vorausgesetzt, dass der Sender seine Option nicht wahrnehme.

Premiere möchte weniger zahlen

Als gesichert gilt derzeit allerdings nur, dass Premiere in Zukunft weniger für die Bundesliga zahlen möchte. Für die laufende Saison überweist der Pay-TV-Kanal 145 Millionen Euro an Infront, die Option beinhaltet eine Steigerung ab der kommenden Spielzeit auf 150 Millionen Euro. Premiere-Chef Georg Kofler hatte vor kurzem erklärt, er sei nur dann "willens und in der Lage, deutlich mehr zu zahlen", wenn dem Sender dafür im Gegenzug "mehr wahrnehmbare Exklusivität" garantiert werde.

Falls Premiere seine Option verstreichen lässt, würde auch Infront in Bedrängnis geraten. Die Schweizer Agentur, an der auch Ex-Nationalspieler Günter Netzer beteiligt ist, besitzt ihrerseits eine Option auf die Bundesliga, Stichtag ist der 31. Dezember 2003. Zieht Infront diese Option, müssten die Rechteinhaber der DFL in der kommenden Saison 290 Millionen Euro zahlen, im darauf folgenden Jahr dann 300 Millionen. Sollte Premiere aussteigen oder weniger zahlen, kann die Agentur diese Summen kaum garantieren.

Premiere hat ein Ass im Ärmel

Unstrittig ist, "dass Premiere uns braucht", dass aber auch "wir das Geld von Premiere brauchen", sagte Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender von Bayern München, am Montag zur aktuellen Situation. Offensichtlich ist aber auch, dass die Vertragsklausel, wonach die DFL die angeblich 50 Millionen Euro "Vorauszahlung" für die Spielzeiten 2004/05 und 2005/06 an Premiere zurücküberweisen müsste, erneut ein Trumpf für den Pay-TV-Sender im Poker um die Fernsehrechte ist.

Sollte Premiere seine Option bei Infront auf die Bundesliga wahrnehmen, wäre die Freude bei der DFL vermutlich groß. Im Grunde geht es Premiere allerdings um etwas ganz anderes: Der indirekt größte Geldgeber der Liga möchte einen Vertrag mit der DFL direkt abschließen. Die Möglichkeit dazu wäre wiederum gegeben, wenn der Pay-TV-Sender seine Option bei Infront verstreichen lässt und die derzeitigen Rechteinhaber damit umgeht.

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