Die Geduld bei den Verantwortlichen des FC Bayern München in Sachen Sebastian Deisler geht zu Ende. Er soll Führungsqualitäten entwickeln, doch stattdessen wirkt der 23-Jährige wie ein Fremdkörper.

Deislers Krise bereitet dem FC Bayern Sorgen

16. Juli 2003, 13:09 Uhr

Die Geduld bei den Verantwortlichen des FC Bayern München in Sachen Sebastian Deisler geht zu Ende. Er soll Führungsqualitäten entwickeln, doch stattdessen wirkt der 23-Jährige wie ein Fremdkörper.

Michael Ballack ist selbstsicher, Oliver Kahn wirkt entschlossen. Nicht so Sebastian Deisler. Sein Blick ist nach unten gerichtet, die Miene ernst. Der ehemalige Mönchengladbacher und Berliner wirkt angespannt und verschlossen, von Selbstbewusstsein keine Spur. Der 23-Jährige wirkt im Augenblick bei Bayern München wie ein Fremdkörper. Die Ungeduld bei den Verantwortlichen des deutschen Fußballmeisters wächst.

Deisler gibt Hoeneß Recht

Ungeduld, die der 9,2 Millionen Euro teure Einkauf nach einem verlorenen ersten Jahr in München mit gerade einmal acht Bundesligaeinsätzen durchaus nachvollziehen kann. Doch ändern will sich Deisler dennoch nicht. "Es ist völlig in Ordnung, was der Manager gesagt hat. Ich bitte auch nicht um Schonzeit. Ich habe aber gelernt, mich langsam aufzubauen und nicht gleich voll reinzuspringen", sagte der 19-malige Nationalspieler im Trainingslager der Bayern in Rottach-Egern. Es mache ihn traurig, dass man seine lange Leidenszeit vergessen habe: "Es hat sehr viel Kraft gekostet, da zu stehen, wo ich heute bin."

Zwei Wochen vor dem Bundesligstart sieht sich Deisler, der sich im vierwöchigen Urlaub sogar einer Ayurveda-Kur (eine traditionelle inidische Behandlungsweise) unterzog, im Gegensatz zu den Klub-Verantwortlichen voll im Soll. "Ich fühle mich voll fit. Es kann losgehen."

Auch die Diskussion um seine Führungsrolle hält der sensible Lörracher, der im Januar Vater wird, für völlig übertrieben. "Es wird viel geschrieben, was ein Führungsspieler zu tun hat. Ich werde es so tun wie immer: Ich werde mein Spiel spielen. Man sollte mich akzeptieren, wie ich bin. Ich denke, ich bin offen. Ich bin glücklich, wo ist das Problem?" Er habe eben seine eigenen Vorstellungen vom Leben.

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