Schönreden, das ist nicht die Welt von Jens Lehmann, in der er sich wohlfühlt und deshalb zieht der Torhüter auf seiner Homepage ein recht ernüchterndes Fazit der schwachen BVB-Saison.

DORTMUND: Keeper über Katastrophen, fehlende Prämien und BVB-Potenzial

raka
07. Juni 2003, 14:00 Uhr

Schönreden, das ist nicht die Welt von Jens Lehmann, in der er sich wohlfühlt und deshalb zieht der Torhüter auf seiner Homepage ein recht ernüchterndes Fazit der schwachen BVB-Saison.

Schönreden, das ist nicht die Welt von Jens Lehmann, in der er sich wohlfühlt und deshalb zieht der Torhüter auf seiner Homepage ein recht ernüchterndes Fazit der schwachen BVB-Saison. "Alles in allem war es enttäuschend, weil wir weder in der Champions League so weit gekommen sind, wie wir wollten, noch waren wir unserem Saisonziel Meisterschaft wirklich nah. Im Gegenteil: Wir sind nur Tabellendritter geworden." Insbesondere das knappe Scheitern in der Königsklasse geht dem 33-Jährigen noch heute an die Nieren: "Wir haben durch ein dämliches 1:1 gegen Real Madrid das Weiterkommen leichtfertig verspielt. Da muss man selbstkritisch zugeben,: Wir hatten nicht mehr verdient."
Und dementsprechend tief sitzt der Stachel einer titellosen Spielzeit: "Auch wenn für uns in Dortmund schon die Sommerpause begonnen hat, so ist unser Frust sicherlich noch längst nicht verflogen." Wie auch, wenn man nach dem peinlichen Remis gegen den Tabellenletzten in den Ferienflieger steigt: "Das letzte Saisonspiel mit dem kläglichen 1:1 gegen Energie Cottbus war für uns eine sportliche Katastrophe."
Zu der gemeinschaftlichen Enttäuschung kommt bei dem Ex-Mailänder noch die persönliche hinzu, da ein zunächst als Lappalie aussehender Bluterguss den Keeper immerhin acht Wochen lang außer Gefecht setzte: "Sportlich lief es für mich ganz gut. In den 30 bis 35 Spielen, die ich absolvierte, habe ich konstante bis konstant-gute Leistungen gebracht. Allerdings ist es ziemlich ernüchternd, dass mich zwischendurch dann eine vermeintlich harmlose Verletzung so lange zum Aufhören gezwungen hat."
So wurde er vielleicht sogar um die inoffizielle Auszeichnung "Spieler der Saison" gebracht, denn bis zu seiner Zwangspause war er durch spektakuläre Leistungen, die jedoch durch die zwei gelb-rote Karten in München sowie Schalke getrübt wurden, sogar an "WM-Held" Oliver Kahn vorbeigezogen. Für den zweifachen Familienvater selbst ist ein Bochumer dieser Titel zu "verleihen": "Wenn überhaupt dann fällt mir nur Thomas Christiansen ein. 21 Tore für einen Aufsteiger zu erzielen, empfinde ich als außergewöhnliche Glanzleistung."
Diese haben laut Lehmann in der Vergangenheit allerdings einige Vorstandsmitglieder in der deutschen Eliteliga nicht vollbracht. "Die wirtschaftlichen Probleme der Profivereine haben sich zu einem festen Bestandteil der Meisterschaft entwickelt. Auch dass in Dortmund trotz der letztjährigen Meisterschaft in dieser Saison keine Siegprämien gezahlt wurden, ist ein Indiz dafür. Die wirtschaftlichen Sorgen der Vereine zeigen, dass fast alle Klubs in den vergangenen Jahren über ihre Verhältnisse gelebt haben. Viele Funktionäre haben sich zwar um das Tagesgeschäft, nicht aber perspektivisch und professionell um die Entwicklung der Vereine gekümmert."
Die Spieler der Borussen können aber im August selbst dafür sorgen, dass speziell in den BVB-Kassen erneut ein warmer Regen aus dem Champions League-Topf fließt. Lehmann hat aber auch die sportliche Wiedergutmachung im Visier: "Wir müssen in der Qualifikation alles daran setzen, um die Königsklasse zu erreichen. Wir werden uns in der nächsten Saison gehörig steigern müssen, um nicht noch eine enttäuschende Spielzeit hinzulegen. Unsere Ansprüche müssen bei unserem Potenzial einfach höher sein."

Autor: raka

Kommentieren