Fußballfans sind keine Verbrecher!

Fanstammtisch hilft Anhängern in Stadionverbotsfragen

Tatort Duisburg

Jörn Duddeck
25. August 2008, 22:54 Uhr

Fußballfans sind keine Verbrecher!" Diesen Schlachtruf hört man immer wieder in deutschen Stadien. Doch ist die Frage ist: Wo fängt Kriminalität an und wo hört sie auf?

Die Szenen sind noch frisch im Gedächtnis. Bunt gekleidete Fans aller Länder und Kulturen waren auf der Europameisterschaft mit bengalischen Lichtern zu sehen. Ein freudige Sache, die seit der Jahrtausendwende in deutschen Stadien nicht mehr toleriert wird. Während man sich allerorten einig ist, dass Provokationen durch Becherwürfe, Feuerzeuge und das Verbrennen von Fanutensilien außerhalb jeglicher Toleranz liegen, wird über die Gefährlichkeit des Abbrennens von Pyrotechniken heiß diskutiert. Fest steht, dass sämtliche Vergehen in der Regel ein dreijähriges Stadionverbot nach sich ziehen.

Ein Beispiel aus Dortmund, bei dem Fans nach einer Auffälligkeit mit einem sechsmonatigen Stadionverbot und 60 Sozialstunden zu Gunsten des Dortmunder Fanprojekts sanktioniert wurden, zeigt, dass es ein pädagogisch überlegenswerter Ansatz ist, Fans nicht mit der Höchstdauer von drei Jahren zu belegen. Hier wird eine Möglichkeit geboten, durch eine geringere Strafe aus Fehlern zu lernen.

Mathias Langnickel vom Duisburger Fanstammtisch meint, dass ein Konzept erarbeitet werden müsste, das in punkto Strafmaß jedem gerecht wird. "Während es in manchen Fällen gerechtfertigt ist ein klares Zeichen zu setzen, fehlt bei anderen Anklagen oft das nötige Fingerspitzengefühl." Vielfach mangelte es an der Kommunikation zwischen Anhängern, die oft zusammen mit ihren Fan-Clubs als Gruppe auftreten, und der Kenntnis über bestehende Rivalitäten, aber auch Freundschaften verschiedener Fangruppierungen. Mit einer geringeren Strafe, wie im Dortmunder Fall, könnte man Fans möglicherweise eher sensibilisieren, selbstverantwortlich zu handeln.

"Man sollte versuchen, zwischen bewussten Provokationen und unbedachten Handlungen zu unterscheiden. Die Vorsicht, dass aus der Gruppendynamik heraus ungewollte Aktionen entstehen, darf nicht zu strengen Handlungsweisen führen , was wiederum eine Spirale des Unverständnisses entstehen lässt." Während man bei der Weltmeisterschaft in Deutschland sehen konnte, dass die Polizei durch ihr deeskalierendes und hilfsbereites Verhalten immer wieder Sympathiepunkte erntete, ist das Verhältnis im täglichen deutschen Ligabetrieb gespalten. Langnickel: "Wechselseitig fehlendes Respektverhalten führt dazu, dass einfachste Situationen eskalieren. Oft werden nicht die Schuldigen bestraft, sondern am eigentlichen Vorgang unbeteiligte Leute."

Aufgrund dieser Problematik hat der Duisburger Fanstammtisch eine Anlaufstelle für Fans geschaffen, die mit einem Stadionverbot rechnen müssen. Dabei sollen die Anhänger einerseits informiert und beraten werden, andererseits in ungerechtfertigten Situationen Unterstützung bekommen. Gemeinsam mit den Fans werden Lösungswege erarbeitet. Mittlerweile hat man sich auch um einen rechtlichen Beistand bemüht, der Hilfestellung in Stadionverbotsfragen leistet.

Was bereits in Düsseldorf und Mönchengladbach zu guten Ergebnissen geführt hat, hatte beim MSV zuletzt gefehlt. Langnickel betont jedoch, dass der Rechtsbeistand nur das letzte Mittel sein darf: "Unser Ziel wäre, dass alle Faninstitutionen im regelmäßigen Austausch mit der Polizei und weiteren Gremien stehen, die bei der Erteilung der Verbote beteiligt sind." In der Zukunft solle das Verhältnis zwischen den Einsatzkräften und den Zuschauern verbessert werden. Ein gemeinsamer Konsens auf breiter Basis wird angestrebt. Langnickel sieht darin eine Win-win-Situation: "Nicht nur der Fan profitieren davon, sondern auch die Polizei."

Wer Hilfe benötigt, kann sich an folgende E-Mail wenden: Fananwalt@zebraher.de

Autor: Jörn Duddeck

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