„Ein Loch im Rasen, ein unglücklicher Pressschlag oder ein rüdes Foulspiel - wohl jeder Fußballer ist in seiner Karriere bereits mit dem Fuß umgeknickt.

Akute Verletzungen: Bänderdehnung oder Bänderriss?

Mit dem Fuß umgeknickt - was nun?

01. November 2006, 14:46 Uhr

„Ein Loch im Rasen, ein unglücklicher Pressschlag oder ein rüdes Foulspiel - wohl jeder Fußballer ist in seiner Karriere bereits mit dem Fuß umgeknickt.

Doch was tun, wenn der Knöchel anschwillt? Welche Diagnose ist die richtige?“ Diese Frage beantworten die beiden Bochumer Sportmediziner Dr. Matthias Manke und Dr. Jörg Heinze diesmal in ihrer Sportmedizin-Reihe exklusiv für revierkick.de

Das Phänomen hat schon so gut wie jeder Fußballer in seiner Karriere erlebt: Entweder mit oder ohne Gegnerkontakt ist es beim Laufen zum Umknicken des Fußes gekommen, der Knöchel wird dick, der Schmerz wird stärker - wenn jetzt falsch gehandelt wird, kann es zu länger andauernden Problemen und Beschwerden kommen.
Was passiert beim Umknicken des Fußes?

In der Mehrzahl der Fälle liegt ein so genanntes "Supinationstrauma" vor, soll heißen, dass der Fuß mit Abrollen über der Fußaußenseite umknickt. Hierbei kann es zur Überdehnung oder gar zum Zerreißen eines oder aller drei Außenbänder kommen. Die drei Außenbänder dienen dem Oberen Sprunggelenk zur Stabilisation.

Mitursächlich für ein Umknickereignis können sein:
- schlechte Rehabilitation nach vorangegangener Verstauchung des Sprunggelenkes
- schlechte Propriozeption (= die Fähigkeit, zu fühlen, wie das Gelenk steht)
- Veranlagung
- schwache Muskulatur / Muskelkater

Beim Umknicken wird das darüber liegende Gewebe ebenfalls gedehnt, es kommt zum Flüssigkeitseinstrom ins Gewebe, Blutgefäße können reißen, zerreißt ein Band kann es ebenfalls bluten – die Folge ist eine zunehmende Schwellung über dem Außenknöchel.[imgbox-right]http://www.revierkick.de/include/images/gallery/img_thumb_40.jpg Die Experten: Dr. Matthias Manke und Dr. Jörn Heinze, von der Sportambulanz in der Orthopädischen Klinik im St. Josef-Hospital in Bochum.[/imgbox]

Wie sieht die Erst-Therapie aus?

Zunächst einmal runter vom Platz – und bloß nicht den starken Mann markieren und weiterspielen. Jetzt muss schnell und richtig gehandelt werden – und zwar nach der PECH-Regel (siehe "Links zum Thema" am Ende des Artikels). Die weitere Therapie sollte sich nach dem Schweregrad richten:

[u]Grad I: [/u]
Dezente Schwellung, wenig Steifigkeitsgefühl, wenig Schmerz, keinen oder wenig funktionellen Verlust
[u]Grad II:[/u]
Schwellung und Steifigkeitsgefühl, mäßiger bis deutlicher Schmerz, mäßige Instabilität
[u]Grad III:[/u]
Deutliche Schwellung und Steifigkeit, starker Schmerz, große Instabilität

Kann bei Grad I noch nach der PECH-Regel selbstständig therapiert werden, so sollte man sich bei Grad II und III – Verletzungen in ärztliche Behandlung geben.

Ist es "nur" eine Bänderdehnung oder ein Bänderriss?

Eine sichere Diagnosestellung ist bezüglich der Weiterbehandlung notwendig und sollte daher kurzfristig durch einen Arzt erfolgen. Mit speziellen klinischen Tests kann der geübte Arzt Bandverletzungen erkennen. Zur weiterführenden Diagnostik können dann noch Röntgenaufnahmen gemacht werden. In seltenen Fällen kann auch eine MRT-Untersuchung in der Röhre notwendig sein. Im akuten Fall kann eine genaue Diagnosestellung aufgrund der starken Schwellung nicht immer sicher sein, so dass eine erneute Befundkontrolle nach Abschwellung erfolgen sollte.

Wie sieht die erweiterte Therapie aus?[infobox-right]Kontakt
Solltet ihr Fragen zu diesem Thema haben – oder einen Termin in der Sportambulanz in der Orthopädischen Klinik im St. Josef-Hospital Bochum vereinbaren wollen, schreibt bitte eine E-mail an: Matthias_Manke@web.de oder Jörn.Heinze@web.de[/infobox]

Bei Verletzungen II. Grades sollte eine Ruhigstellung mittels festem/elastischem Verband erfolgen. Hierunter kann gegebenenfalls eine Salbe aufgetragen werden. Zusätzlich können Medikamente verabreicht werden, die den Reizzustand eindämmen.

Bei Grad III-Verletzungen sollte umgehend eine Ruhigstellung mittels fester Kunststoff-Schiene oder einer Gipsschiene erfolgen. Je nach Umfang der Bandschädigungen ist auch ein operativer Eingriff in Erwägung zu ziehen – dieser wird jedoch im Vergleich zu Früher mittlerweile seltener durchgeführt.

Generell sollte das Gelenk anfänglich entlastet werden, gegebenenfalls unter Zuhilfenahme von Unterarmgehstützen. Unterstützend können lokale Anwendungen sein – wie physiotherapeutische Maßnahmen mit Ultraschall oder manuelle Therapiemaßnahmen mit Friktions-Massage.

Außer bei Grad III-Verletzungen sollte man jedoch schon wieder frühzeitig (nach 48 Stunden) damit beginnen, das Gelenk zu mobilisieren, um damit Spätkomplikationen zu vermeiden.

Ziel hierbei sollte es sein:
- die Propriozeption wieder herzustellen
- das ursprüngliche Bewegungsausmaß mit Verband oder Schiene zu erreichen
- die Muskelkraft sowie die muskuläre Führung des Gelenkes zu stärken
- das ursprüngliche Maß an Aktivität zurück zu erlangen

Die entsprechenden Übungen sollten vom Arzt oder Physiotherapeuten vermittelt werden.

Woran kann es aber liegen, dass die Beschwerdesymptomatik zwar abklingt, jedoch nicht ganz weg geht?

Kommt es zu länger andauernden Beschwerden, sollte erneut der Arzt aufgesucht werden. Länger andauernde Beschwerden nach Verstauchung/Bänderriss können verschiedene Ursachen haben, wie:

- eine schlechte Rehabilitation nach Umknickereignis
- eine anfänglich nicht diagnostizierte knöcherne Mitverletzung
- ein anhaltender Gelenkreizzustand
- eine funktionelle Instabilität

Fazit:

Eine schnelle Genesung ist, wie gezeigt, nicht nur abhängig von einem schnellen Handeln und einer sicheren Diagnosestellung, sondern auch von einer guten und effektiven Therapie und Rehabilitation.

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