Dass sie noch mit fünf Jahren überhaupt kein Interesse, sondern sogar große Angst vor dem nassen Element verspürte, kann man sich heute nicht mehr vorstellen. Mittlerweile hat Sonja Schöber nicht nur das Schwimmen erlernt, die 23-Jährige gehört zu Deutschlands Besten.

Schwimmen: Sonja Schöber will bei ihrem Olympia-Debüt ins Finale

Nachtschichten für Trainer und Eltern

Sarah Landsiedel
20. Juni 2008, 08:53 Uhr

Dass sie noch mit fünf Jahren überhaupt kein Interesse, sondern sogar große Angst vor dem nassen Element verspürte, kann man sich heute nicht mehr vorstellen. Mittlerweile hat Sonja Schöber nicht nur das Schwimmen erlernt, die 23-Jährige gehört zu Deutschlands Besten.

Im August will die Starterin der SG Dortmund in Peking eine erfolgreiche Premiere bei Olympischen Spielen feiern. Mit RevierSport sprach die Studentin der Anglistik und Germanistik über das harte Training, ihre Vorfreude auf das Großereignis sowie die Diskussionen um die Schwimmanzüge der Athleten.
Sonja Schöber, von Angst vor dem Wasser kann keine Rede mehr sein.
Das habe ich meiner Mutter zu verdanken. Als Fünfjährige hat sie mich in einen Schwimmverein gesteckt, damit ich nicht mehr schreiend davon laufe, wenn mir im Urlaub die Wellen zu nahe gekommen sind.
Dann schlugen Sie sogar schnell den Weg des Leistungssports ein.
Mit sieben Jahren habe ich an Vereins-, mit elf, zwölf Jahren an Westdeutschen Meisterschaften teilgenommen.
Seit 2006 gehören Sie zum B-Kader, doch Ihre Familie kann Ihnen immer noch unter die Arme greifen.
Mein Vater war Deutscher Meister im Gewichtheben, auch heute noch betreibt er Kraftdreikampf. Wenn wir zusammen im Fitnessstudio sind, dann kann er mir Tipps geben und Sachen zeigen. Aber mithalten kann ich mit ihm bestimmt nicht.
Wenn es ins Becken geht, dann vertrauen Sie seit Jahren Ihrem Coach Dr. Volker Höltke.

Wir verstehen uns einfach unheimlich gut. Den Verein würde ich auch nur wechseln, wenn mein Coach geht.
Leider müssen Sie in Peking auf ihn verzichten.
Ja, er gehört nicht zu den fünf nominierten Trainern. Aber ich werde vor Ort von Frank Lamottke betreut, den kenne ich noch aus Dortmund, das passt schon.

Bevor es nach Fernost geht, steht zunächst das Trainingslager in die Sierra Nevada an.
Da geht es schon zum 13 Mal für mich hin, das ist also nichts Neues. Dort sind wir auf 2300 Meter Höhe und können uns schon mal auf den Klimawandel einstellen. Allerdings sind wir nur zu dritt, der Rest des Kaders bleibt in Berlin. Mitte Juli fliegen wir dann gemeinsam nach Japan, um uns an die Zeitumstellung und das Wetter zu gewöhnen.
Für welche Strecken sind Sie nominiert?
Ich werde über 100 Meter Brust und 200 Meter Lagen starten. Die Staffel wird erst in Peking bestimmt, je nach den gezeigten Leistungen.
Die Ansetzung der Wettbewerbe erfordert eine Umstellung!
Das US-Fernsehen, welches die Rechte besitzt, möchte die Finals am Abend live übertragen. Deshalb haben wir nach Ortszeit Vorkämpfe am Abend und Endläufe am Mittag. Aber eigentlich bin ich in der Früh schon immer recht fit, das sollte also gehen. Allerdings kann es gut sein, dass sich eine Strecke so über drei Tage zieht, das ist natürlich unglücklich.
Was wollen Sie erreichen?
Mein Ziel ist das Finale über 100 Meter Brust. Momentan bin ich Achte der Weltrangliste, aber die anderen werden noch mal Gas geben, deshalb ist eine gute Zeit Pflicht. Über 200 Lagen wäre das Semifinale ein toller Erfolg.

Eine Ihrer größten Konkurrentinnen kommt aus dem eigenen Land.
Sarah Poewe ist amtierende Deutsche Meisterin und Europarekordhalterin. Meine Bestzeit von 1:07,81 Minuten werde ich auf der Brust-Strecke schon mindestens abrufen müssen.
Der Weltrekord von Leisel Jones liegt bei unglaublichen 1:05,09 Minuten.
Die Australierin schwimmt in einer anderen Liga, da kann keiner mithalten.
Mithalten können zumeist auch die Männer des DSV-Kaders nicht mit den Frauen. Warum sind die Schwimmerinnen so viel erfolgreicher?
Das ist schon Jahre lang so. Die Dichte bei den Männern ist einfach nicht so groß, es gibt viele Strecken, die werden von deutschen Schwimmern gar nicht besetzt. Keine Ahnung, warum das so ist.
Gibt es da untereinander schon mal Frotzeleien?
Nein, wir verstehen uns alle wirklich gut, intern gibt es keine Konkurrenz.
Was erwarten Sie persönlich vom Olympia-Debüt?
Es wird einfach toll sein, Sportler aus aller Welt zu treffen. Auch die deutschen Leichtathleten trifft man sonst nicht, wir haben auch nach dem Ende unserer Wettkämpfe die Chance, uns andere Sportarten anzusehen. Die Atmosphäre wird eine ganz besondere sein.

Außerdem können Sie zum ersten Mal Michael Phelps, den Superstar der Schwimmszene, live erleben.
Ja, das wird auch ein Highlight. Zur Universiade oder anderen kleineren Wettkämpfen schicken die Amerikaner ja ihre B- und C-Kader. Und die sind noch schneller als unser A-Kader, das ist unglaublich. Die haben einfach auch ideale Trainingsbedingungen an den Universitäten und Vereinen.
Haben Sie überlegt ihr Studium in den USA zu absolvieren?
Ein Auslandssemester ist für mich Pflicht, da würde sich das anbieten. Aber ich bin nicht der Typ, der lange von zuhause weg bleibt. Außerdem komme ich mit meinem Trainer super klar.
Kommt angesichts der Leistungen in der Weltspitze der Verdacht nach Doping auf?
Ich bin mal gespannt, ob einige Chinesinnen wieder aus dem Nichts nach vorne schwimmen. Das ist schon fragwürdig. Ein Phelps absolviert 100 Kilometer pro Woche, ich bin nach 60 total am Ende. Aber die Kontrollen sind gut, vor allem in Deutschland. So kommt alle paar Wochen jemand zum Training oder ins Fitnessstudio, um Proben zu nehmen.
Ein großes Thema innerhalb des Verbandes war die freie Wahl der Schwimmanzüge. Der DSV besteht auf den Hauptsponsor und Ausrüster adidas.
Leider konnte das auch vor Peking nicht gekippt werden. Viele haben Probleme mit dem langen adidas-Anzug. Er ist schwer, perlt nicht gut ab. Es gibt ein überarbeitetes Modell, da bin ich gespannt. Aber ich persönlich würde lieber meinen arena-Anzug tragen, mit dem ich super zufrieden bin.
Viele Top-Stars schwören auf Speedo. Mit dem „Wunderanzug“ wurden jüngst einige Weltrekorde gebrochen. Kann es wirklich am Material liegen?

Natürlich kommt es immer darauf an, wer drin steckt. Aber in der Weltspitze geht es um Zehntel oder Hundertstel, da kann das schon der entscheidende Vorteil sein.

Sportdirektor Örjan Madsen hört nach den Sommerspielen auf, zu vielen Athleten hat er ein eher gespaltenes Verhältnis.
Er ist schon oft bei Wettkämpfen dabei, aber wir führen auch eher distanzierte Gespräche über das Schwimmen. Der Heimtrainer hat ohnehin den größten Anteil am Erfolg.
Wird es Kontakt zu Dr. Höltke geben?

Wir werden per SMS, E-Mail oder Telefon konferieren und die Rennen analysieren. Für ihn und meine Eltern stehen im August Nachschichten an.

Autor: Sarah Landsiedel

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