Real empfängt Rom zum Krisengipfel

see
28. September 2004, 08:57 Uhr

Am zweiten Spieltag der Champions-League-Saison kommt es in Madrid zum Duell zweier Krisenklubs. Das Starensemble von Real empfängt den AS Rom. Für beide Mannschaften geht es nach den Auftakt-Niederlagen um viel.

Real Madrid gegen den AS Rom - das Champions-League-Partie der beiden einstigen Vorzeigeklubs ist am heutigen zweiten Spieltag ein echter Krisengipfel. Drei Tage nach dem Blitzrücktritt von Rudi Völler steht die Roma in Madrid ebenso mit dem Rücken zur Wand wie die schwächelnden "Königlichen". "Es ist schwer, in dieser prekären Situation neuen Mut zu finden. Aber für uns geht es fast schon um alles, wir müssen unbedingt punkten", fordert Roms Nationalspieler Francesco Totti angesichts des Wirbels um die Demission von "Rudi Nazionale" einen Sieg der Moral im ausverkauften Bernabeu-Stadion. Als Nachfolger für Völler ist der Italiener Luigi Del Neri im Gespräch.

Real immens unter Druck

Allerdings steht auch das Starensemble aus Madrid zwei Wochen nach der Pleite bei Bayer Leverkusen (0:3), das in der Gruppe B am Dienstag bei Dynamo Kiew antreten muss, unter gehörigem Druck. Nach drei Niederlagen in den vergangenen vier Pflichtspielen wurde Ronaldo, Beckham & Co. ein Maulkorb verpasst. "Wir müssen Taten sprechen lassen", meinte der zuletzt auf die Ersatzbank verbannte brasilianische Weltmeister Roberto Carlos ungewohnt kleinlaut.

Rooney gibt Debüt für Manchester

Dem anvisierten Debüt des Wunderknaben Wayne Rooney, der zuletzt wegen eines Fußbruchs drei Monate ausfiel, fiebern indes die Anhänger von Manchester United entgegen. In der Partie der Gruppe D gegen Fenerbahce Istanbul mit Trainer Christoph Daum will der vor vier Wochen für 37 Millionen Euro vom FC Everton verpflichtete Teenie seinen neuen Klub zum ersten Sieg in der "Königsklasse" schießen. Im Fernduell mit Italiens Spitzenreiter Juventus Turin (gegen Maccabi Tel Aviv) kämpft Rekordmeister Bayern München (gegen Ajax Amsterdam) um die Tabellenführung der Gruppe C.

In Rom war auch zwei Tage nach dem überraschenden Blitzabgang von Völler ("Eine Mannschaft ohne Seele") die Stimmung auf dem Tiefpunkt. "Das ist die schrecklichste Phase, die ich bislang bei der Roma erlebt habe", klagte der seit elf Jahren als Roma-Boss tätige Franco Sensi, während einige seiner Profis Völler keine Träne nachweinten. "Rudi hat es nicht geschafft, uns entsprechend einzustellen. Natürlich trifft ihn eine Schuld", lästerte Stürmer Marco Delvecchio ungeachtet der Proteste der Fans, die die Profis per Transpartenten zu Sündenböcken ("Jetzt reichts, Ihr Millionäre") stempelten.

Zittern um Beckham und Zidane

Auch in Madrid ist die Stimmung nach der jüngsten Niederlage bei Athletic Bilbao (1:2) gereizt. Zumal gegen Rom der Einsatz von David Beckham (Magen-Darm-Virus) ebenso ungewiss ist wie das Comeback von Zinedine Zidane (Schulterverletzung).

Bei ManU soll der "beste englische Spieler der letzten 30 Jahre", wie Coach Alex Ferguson Neuzugang Rooney huldigte, helfen, die Schmach von 1996 endgültig vergessen zu machen. Vor acht Jahren war Fenerbahce Istanbul der erste Klub, der in Old Trafford ein Europacupspiel gewinnen konnte. "Ich kann mich noch genau an den Treffer zum 0:1 erinnern. Ein wirklich blödes Erlebnis", schmunzelte Sir Ferguson.

Autor: see

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