Mit großer Spannung erwarteten die anwesenden Mitglieder der Jahreshauptversammlung des MSV Duisburg auch die Ansprache, die mehr zu einer Aussprache, zwischen den Fans und Walter Hellmich wurde. Der Club-Boss, der sich in den letzten Wochen durch diverse Äußerungen in Richtung der „Zebra“-Anhänger in die Feuerlinie manövrierte, wurde hart kritisiert. Umso deutlicher waren die Ansagen der Redner, die ans Mikro traten und den Präsidenten auf diverse Zitate ansprachen.

MSV: Hellmich gesteht auf JHV Fehler ein und verweigert Entschuldigung

„Ich war der letzte Arsch im letzten Glied“

Andreas Gellert
21. Februar 2008, 12:55 Uhr

Mit großer Spannung erwarteten die anwesenden Mitglieder der Jahreshauptversammlung des MSV Duisburg auch die Ansprache, die mehr zu einer Aussprache, zwischen den Fans und Walter Hellmich wurde. Der Club-Boss, der sich in den letzten Wochen durch diverse Äußerungen in Richtung der „Zebra“-Anhänger in die Feuerlinie manövrierte, wurde hart kritisiert. Umso deutlicher waren die Ansagen der Redner, die ans Mikro traten und den Präsidenten auf diverse Zitate ansprachen.

„Pyro“, einer der treuen MSV-„Einpeitscher“, richtete das Wort direkt an Hellmich. „Diese pauschalen Beleidigungen und Idioten-Bezeichnung aller schwarzen Kluft-Träger und Fans kann ich so nicht hinnehmen. Genauso wenig kann ich nachvollziehen, dass sie das Thema Menschlichkeit ansprechen, denn ihr Erfolg basiert garantiert nicht darauf. Das würde sich nicht in solchen Äußerungen niederschlagen.“[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/002/088-2116_preview.jpeg Verteidigte sich: MSV:-Boss Walter Hellmich. (Foto: firo)[/imgbox]

„Pyro“ legte nach: „So sind Sie als Präsident, auch weil Sie sich mit anderen Fan-Schals in diversen Stadien zeigen, nicht vorzeigbar.“ Hellmich konterte: „Ich glaube schon, dass ich vorzeigbar bin, auch wenn ich eingestehe, dass vieles von dem, was Sie sagen, in vielen Punkten richtig ist. Ich bin für alle da und habe Sympathie für diejenigen, die ein freundliches Benehmen zeigen. Das kann ich von den Hellmich-Raus-Rufern nicht behaupten, das sind nicht meine Freunde. Dann muss ich diese Gruppierung und Sie weiterhin als Idioten bezeichnen.“

Trotzdem gab „WH“ auch Versäumnisse zu. „Die Fanwand mit den Bausteinen wird sofort in Auftrag gegeben. Auch die Sache mit dem Wedaustadion habe ich bisher ganz anders verstanden. Dass diese Leute nur den alten Namen im Gedächtnis verankert haben möchten, habe ich falsch verstanden und ist mir erst jetzt durch eine sachliche Diskussion klar geworden.“

Seinen verbalen Angriff vom letzten Samstag wollte er aber – trotz mehrfacher Aufforderung – nicht gerade rücken. „Ich entschuldige mich nicht“, blieb Hellmich stur, „als Chef muss man nun mal unpopuläre Entscheidungen treffen und Aussagen tätigen. Dafür werde ich im Moment nicht von allen geliebt. Ich sage aber ganz klar: Was da in diversen Internetforen oder im Stadion abgeht, ist einfach nur beleidigend. So lasse ich nicht mit mir umgehen, das kann und werde ich nicht akzeptieren.“ Er schiebt nach: „Wir brauchen keine Elitekampfgruppen, die mit aller Gewalt etwas durchsetzen möchten, sondern echte Fans, die hinter dem Club stehen. Der Verein ist mir heilig. Wenn das nicht passiert, ist mit mir nicht gut Kirschen essen.“

Allerdings ist er auch einsichtig. „Ich verstehe nicht, wie es soweit kommen und sich so entwickeln konnte. Da sind auch Fehler von meiner Seite gemacht worden.“

Im nächsten Atemzug nahm er den Anhänger auch gleich die Angst, dass er sich mit seinem Engagement zurückziehen könnte und rechtfertigte seine Aussagen nach Stuttgart-Match. „Das alles ist in der Erregung passiert. Als mich dann auch der Präsident des VfB ansprach, was denn hier los sei, weil alle gegen mich riefen und ‘Hellmich raus’-Plakate in der Fankurve prangten, ist mir eben der Kragen geplatzt. Ich glaube an den MSV und stehe auch zu ihm – egal in welcher Liga. Ich verspreche, dass ich weiterhin für den MSV zur Verfügung stehen werde.“

Der Baulöwe hebt sein Verdienste heraus. „Ich will mich nicht selbst darstellen, aber bis vor acht Jahren wurde beim MSV nicht einmal die Putzfrau gegrüßt. Das hab ich getan und sie hatte Tränen in den Augen. Finanziell stehen wir im Gegensatz zu vor knapp sechs Jahren sehr gut da. Wir haben riesige Zuwachsraten in allen Bereichen, was mehr als gigantisch ist. Der MSV ist wieder wer, die Zahlen sprechen für sich. Dies zeigt, dass hier in allen Bereichen verantwortungsvoll und zukunftsweisend gearbeitet wurde. Das war mal anders. Lange Zeit war ich der letzte Arsch im letzten Glied. Als wir nur ein, zwei Millionen Umsatz im Sponsoring hatten, bin ich auf die Trikot-Brust gegangen, habe mit Herzblut und Leidenschaft den Verein nach oben gebracht. Deshalb schmerzen diese Äußerungen besonders.“

Der Blick geht nach vorne, in die Zukunft – mit dem bestehenden Trainerteam um Chef-Coach Rudi Bommer. „Sicherlich geht der sportlicher Erfolg, den man nicht so einfach produzieren kann, über alles, aber die ganze Verantwortung obliegt nur Menschen. Das heißt, wir müssen einfach wieder zu dem Punkt kommen, dass wir menschlicher miteinander umgehen können. Das geht aber nur, wenn wir uns allen vertrauen. Genau darauf haben wir beim MSV gesetzt. Wir haben an diversen Leuten und bewährten Kräften festgehalten, auch wenn wir sportlich nicht gerade auf Rosen gebettet sind, anstatt uns mit der Fahne in den Wind zu drehen.“

Autor: Andreas Gellert

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