Augsburgs Manager Andreas Rettig über die "Wundertüte 2. Liga" und die neue TV-Vermarktung

"Wuppertal, RW Essen und Düsseldorf im Kabel-Paket"

Thomas Tartemann
03. Februar 2008, 12:44 Uhr

Also dauert es nicht mehr lange, bis die Stars des FC Bayern in Augsburgs künftigem Schmuckkästchen um Punkte spielen?

Wenn man momentan 20 Zähler auf dem Konto hat, dann sollte man nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen. Wir träumen jetzt nicht vom FC Bayern München. Die Aufgabe hier ist es, Strukturen zu schaffen. Der FCA hat 23 Jahre lang im Amateur-Bereich gespielt, nun sind wir im zweiten Zweitliga-Jahr. Der Standort Augsburg gibt schon etwas her, aber das Ganze muss wachsen.

"Wachstum" ist auch ein gutes Stichwort für die TV-Vermarktung der Bundesliga. Zwischen DFL und Kirch-Tochter Sirius gibt es ab 2009 einen Sechs-Jahres-Vertrag, der mit drei Milliarden Euro dotiert ist. Programme sollen künftig von der DFL und Sirius selbst produziert und zum Verkauf angeboten werden. Inwieweit macht das Sinn?

Nehmen wir mal Kabel-NRW. Dort gibt es in Zukunft andere Möglichkeiten, nämlich ein kleineres Paket zu kaufen. Vorher mussten 200 Millionen Euro zum Erwerb gezahlt werden, jetzt könnte ein Netzbetreiber zum Beispiel hingehen und sagen: Wir möchten die Paarungen Paderborn, Wuppertal, Essen und Düsseldorf, um segmentiert über die Zweite Liga zu berichten. Es gibt nach diesem Modell viele verschiedene Möglichkeiten, als wenn du einem Monopolisten gegenüberstehst.

Obwohl der Kurs steigt, liegen zwischen England und Deutschland immer noch Welten. Die Bundesliga bekommt 420 Millionen Euro aus der TV-Vermarktung, die Premier League 1,1 Milliarden Euro.

Man darf nicht den Fehler machen, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. In Großbritannien gibt es kaum Free-TV, wie wir das bei uns kennen. Mit den GEZ-Gebühren empfängst du hier an die 40 Programme, durch die man sich von morgens bis abends zappen kann. Die Kultur und Mentalität zwischen Deutschland und England ist verschieden. Wenn du hier alles immer fast umsonst bekommen hast, dann bedeutet das Bezahlen für Sportangebote schon eine Umstellung. In England gab es bisher Konkurrenz auf dem TV-Markt, hier existiert eine Mono-Kultur mit Premiere. Im DFL-Vorstand haben wir entschieden, einen größeren Wettbewerb zu schaffen, in dem wir die Markteintritts-Barriere geringer gestalten.

Gehen wir bei der Schlussfrage zwei Etagen tiefer: Wen möchten Sie in der kommenden Saison aus der Regionalliga Nord in Augsburg begrüßen?

Ich hoffe auf Wuppertal, weil ich zum einen die handelnden Personen kenne und zum anderen früher selbst dort gespielt habe. Dazu würde ich mir entweder Düsseldorf oder Essen wünschen. RWE hat mit seiner unglaublichen Heim-Atmosphäre Riesen-Potenzial. Hoffentlich wird an der Hafenstraße oft Adiole gespielt...

Autor: Thomas Tartemann

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Rubriken

Kommentieren