Mathias Scheurer ist derzeit ein gefragter Mann. Als Sprecher der vor zwei Jahren gegründeten Interessensgemeinschaft Unsere Kurve, der unter anderem auch die BVB-Fanabteilung und der Schalker Fan-Club Verband angehören, steht der Hesse bei den Bossen des DFB und der UEFA hoch im Kurs. Im Interview mit RevierSport beleuchtet das Vorstandsmitglied der Fan- und Förderabteilung von Eintracht Frankfurt die neuesten Entwicklungen in Sachen Fan.

UEFA und Fans gegen Großinvestoren

"50+1 Regel darf nicht kippen"

19. Dezember 2007, 08:34 Uhr

Mathias Scheurer ist derzeit ein gefragter Mann. Als Sprecher der vor zwei Jahren gegründeten Interessensgemeinschaft Unsere Kurve, der unter anderem auch die BVB-Fanabteilung und der Schalker Fan-Club Verband angehören, steht der Hesse bei den Bossen des DFB und der UEFA hoch im Kurs. Im Interview mit RevierSport beleuchtet das Vorstandsmitglied der Fan- und Förderabteilung von Eintracht Frankfurt die neuesten Entwicklungen in Sachen Fan.

Mathias Scheurer, in Nyon haben Sie in der vergangenen Woche die Gründung einer internationalen Supportervereinigung diskutiert. Wie stehen Sie der Idee einer europäischen Fanorganisation gegenüber?

Positiv. Das Ziel von Unsere Kurve ist es, zusammen mit den anderen großen deutschen Fanorganisationen BAFF und ProFans eine gemeinsame Delegation nach London zu entsenden. Die UEFA möchte, ähnlich wie der DFB, einen legitimierten Ansprechpartner, eine europäische Fanvereinigung unter einem Dach. Der Fußball ist in nahezu allen Bereichen durchprofessionalisiert, da müssen auch wir Fans uns professioneller aufstellen, um Gehör zu finden.

Welchen Eindruck hat Michel Platini beim Kongress der UEFA auf Sie gemacht?

Dass er es ernst meint. Wir haben viele unbequeme Dinge angesprochen. Bei einigen grundlegenden Dingen, wie z.B. den bislang in Deutschland noch nicht möglichen Mehrheitsbeteiligungen von Investoren bei Fußballclubs, der sogenannten 50+1 Regel, die auch in der Bundesliga so einige am liebsten abschaffen würden, sitzen wir zusammen in einem Boot. Diese Vorschrift in den Satzungen des Ligaverbandes und des DFB legt fest, dass der Verein mehrheitlich an der lizenzierten Kapitalgesellschaft beteiligt sein und über 50 Prozent der Stimmenanteile zuzüglich mindestens eines weiteren Stimmenanteils in der Versammlung der Anteilseigner verfügen muss. Das Kippen dieser Regel wäre auch der UEFA ein Dorn im Auge, weil sie so die Kontrolle über die Clubs verlieren würde.
Was wurde noch besprochen?

Themen wie die Wiedereinführung von Stehrängen bei internationalen Spielen im UEFA-Cup, bei Champions League-Spielen und bei Länderspielen oder die hohen Kartenpreise, doch da liegen wir noch auseinander. Aber Herr Platini hat deutlich gesagt, dass er einen dauerhaften Dialog sucht. Das zeigt, dass wir mittlerweile ernst genommen werden. Das wäre vor Jahren noch undenkbar gewesen.

Der DFB hat es mit der Bildung einer AG Fan-Dialog und der Durchführung des Fankongresses vorgemacht!
Ja, hier sind wir schon ein ganzes Stück weiter. Die Änderung der Stadionverbotsrichtlinien z.B., die zum 01.02.2008 in Kraft treten, bewerten wir als großen Erfolg. Damit hat der DFB die im Juni beim ersten bundesweiten Fankongress in Leipzig in gemeinsamen Gesprächen ausgehandelte Zusage Neufassung eingehalten.

Wo liegen die großen Vorteile der neuen Regelung für den betroffenen Fan?
Mit der Neufassung der Richtlinien zur Verhängung von Stadionverboten ist nun erstmals die Grundlage für eine deutlich flexiblere und gerechtere Handhabe geschaffen worden. So tragen die Reduzierung der Höchstdauer von Stadionverboten von fünf auf drei Jahren, die Aussetzung von Stadionverbote unter bestimmten Vorraussetzungen, das Anhörungsrecht und ganz wesentlich die Berücksichtigung der Schwere des Falls und des Alters des Betroffenen sowie die Übertragung der Zuständigkeit auf den Heimatverein zu einer besseren Einzelfallgerechtigkeit bei.
Wird damit alles besser?
Es gibt Vereine, wie St. Pauli, die sind da schon relativ weit. Auch Borussia Dortmund und Schalke 04 haben in Teilbereichen schon nach der neuen Verordnung gearbeitet. Es ist nun wichtig, dass auch in der Praxis davon Gebrauch gemacht wird. Denn nur, wenn die Vereine beispielsweise die nun möglichen Bewährungsstrafen oder geringe Stadionverbotsdauern von unter einem Jahr nutzen, wird die Reform im Alltag der Fans ankommen. Aus diesem Grunde sehen wir die geplante Schulung der Stadionverbots- und Sicherheitsbeauftragten als unverzichtbar und wichtig an. Wir sind diesbezüglich zuversichtlich und werden unseren Beitrag dazu leisten, dass auch alle anderen noch offenen Problemfelder besprochen und möglichst zeitnah Lösungen im Sinne der Fans und des Fußballs gefunden werden.

Autor:

Kommentieren